Gemessen an der Bevölkerung hat Deutschland die siebtgrößte Steuerverwaltung der EU. Auf 10.000 Einwohner kommen 13,2 Vollzeitstellen, im EU-Durchschnitt sind es 9,3. Zugleich waren 2024 in den Finanzämtern 6.869 Stellen unbesetzt. Das zeigt eine gemeinsame Datenanalyse des Buchhaltungssoftware-Anbieters BuchhaltungsButler (https://www.buchhaltungsbutler.de/) und des Datenstudios DataPulse Research (https://www.datapulse.de/) für alle 27 EU-Länder.
Die wichtigsten Ergebnisse
– Platz 7 von 27: Auf rund 760 Einwohner kommt in Deutschland eine Vollzeitstelle der Steuerverwaltung. In Italien sind es 1.850 Einwohner, in Spanien 2.330.
– Platz 3 beim Personal je Einwohner unter den 14 Steuerverwaltungen, die keine Sozialversicherungsbeiträge einziehen: Deutschland liegt hinter Luxemburg und Belgien. In Deutschland übernehmen die Krankenkassen den Beitragseinzug.
– Mehr vorgesehene Stellen, weniger Personal: In den Finanzämtern stiegen die vorgesehenen Stellen von 109.060 im Jahr 2017 auf 110.752 im Jahr 2023. Ihr Personal sank von 2014 bis 2025 um 3,5 % auf 96.736 Vollzeitäquivalente.
– 1,2 Euro Verwaltungskosten je 100 Euro Steuereinnahmen: Damit liegt Deutschland auf Platz 3 von 27, hinter Polen und der Slowakei. Die Quote ist allerdings nur eingeschränkt vergleichbar: Die vom Zoll erhobenen Verbrauchsteuern fehlen in den für Deutschland gemeldeten Einnahmen. Ihre Einbeziehung würde die Quote rechnerisch senken.
– 28% Beschäftigungswachstum in der privaten Branche: Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Steuerberatung, Buchführung und Wirtschaftsprüfung stieg zwischen 2014 und 2025 um 28%. Die sozialversicherungspflichtige Gesamtbeschäftigung in Deutschland wuchs im selben Zeitraum um 16%.
Grundlage sind die für 2024 an die OECD gemeldeten Personal- und Kostenzahlen der Steuerverwaltungen, ohne reine Zollstellen. Für den EU-Vergleich der privaten Branche nutzt die Studie die Unternehmensstatistik von Eurostat für 2023, für die Beschäftigungsentwicklung in Deutschland Daten der Bundesagentur für Arbeit sowie Angaben der Bundesregierung zum Personal der Finanzämter. Die Auswertung zeigt, wie groß die Verwaltungen sind und was ihr Betrieb kostet – nicht aber, wie effizient sie arbeiten.
Beim Personal je Einwohner liegt Deutschland auf Platz 7
Die Steuerverwaltungen der EU zählten 2024 insgesamt 416.274 Vollzeitstellen, davon 110.024 in Deutschland. Je 10.000 Einwohner reicht die Spanne von 4,3 Stellen in Spanien bis 21,6 in Luxemburg. Deutschland liegt mit 13,2 Stellen auf Platz 7. Vier der sechs Länder mit höheren Personalwerten je Einwohner ziehen über ihre Steuerverwaltung auch Sozialversicherungsbeiträge ein.
128 Euro je Einwohner: Deutschlands Steuerverwaltung bei den laufenden Kosten auf Platz 4 der EU
Für den laufenden Betrieb gab die deutsche Steuerverwaltung 2024 insgesamt 10,7 Milliarden Euro aus. Das entspricht 128 Euro je Einwohner und damit Platz 4 in der EU. Frankreich kam auf 64 Euro je Einwohner, Spanien auf 28 Euro.
Gemessen an den Steuereinnahmen liegt der mittlere Wert der EU-Länder bei 0,7 Euro Verwaltungskosten je 100 Euro Steuern. Die deutsche Quote bewegt sich seit 2018 in jedem Jahr zwischen 1,2 und 1,4 Euro.
Fast 6.900 unbesetzte Stellen in den Finanzämtern im Jahr 2024
2024 waren in den deutschen Finanzämtern 6.869 Stellen unbesetzt, nach 6.828 im Vorjahr. Diese Angaben beziehen sich ausschließlich auf die Finanzämter – und damit auf einen Teil der im EU-Vergleich erfassten Steuerverwaltung.
Deutschlands private Steuerbranche hat die meisten Beschäftigten der EU – je Einwohner liegt sie im Mittelfeld
2023 arbeiteten in Deutschland 464.000 Menschen in Steuerberatung, Buchführung und Wirtschaftsprüfung – mehr als in jedem anderen EU-Land. Ihr Arbeitsumfang entsprach rund 397.000 Vollzeitstellen. Gemessen an den Vollzeitstellen je Einwohner lag die deutsche Branche auf Platz 11 von 27 und damit im EU-Mittelfeld.
Digitale Buchhaltung als Ansatzpunkt für kleine Betriebe
Für Selbstständige und kleine Unternehmen gehören das Sammeln von Belegen, das Buchen von Geschäftsvorfällen und die Vorbereitung der Steuererklärung zum betrieblichen Alltag – häufig in Zusammenarbeit mit einer Steuerkanzlei. Digitale Abläufe können diese Zusammenarbeit erleichtern. Einen Ansatzpunkt bietet die E-Rechnung: Ihre strukturierten Daten lassen sich automatisch auslesen und für die Buchhaltung weiterverarbeiten.
Die vollständige Studie befindet sich unter: https://www.buchhaltungsbutler.de/steuerverwaltung-eu-vergleich/
Sie zeigt für alle 27 EU-Länder den Personalbestand und die laufenden Kosten der Steuerverwaltung sowie die Größe der Branche für Steuerberatung, Buchführung und Wirtschaftsprüfung. Hinzu kommen Vergleichswerte zur Steuerverwaltung im Vereinigten Königreich und in Norwegen. Ein interaktiver Kassenbon fasst die Kennzahlen je Land zusammen.
Methodik
Steuerverwaltungen: Grundlage ist die Erhebung International Survey on Revenue Administration (ISORA), abgerufen über die Datenbank des IWF, für das Haushaltsjahr 2024. Verglichen werden Vollzeitäquivalente ohne reine Zollstellen je 10.000 Einwohner sowie laufende Verwaltungsausgaben je 100 Euro Nettoeinnahmen. Als „mittlerer Wert“ wird der Median der EU-Länder bezeichnet.
Private Branche: Grundlage ist die Eurostat-Unternehmensstatistik für Steuerberatung, Buchführung und Wirtschaftsprüfung (NACE 69.2), Berichtsjahr 2023. Die Auswertung unterscheidet zwischen der Zahl der beschäftigten Personen und ihrem Arbeitsumfang in Vollzeitäquivalenten.
Deutschland: Ergänzend nutzt die Studie Antworten der Bundesregierung auf Bundestagsanfragen sowie Angaben des Bundesministeriums der Finanzen, der Bundesagentur für Arbeit und von Destatis. Die Beschäftigungsentwicklung der privaten Branche beruht auf den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Wirtschaftszweig 69.2. Die Zeitreihe zum Personal der Finanzämter misst das tatsächlich eingesetzte Personal in Vollzeitäquivalenten, nicht die Zahl der vorgesehenen Stellen.
Vergleichsgrenzen: 13 der 27 Steuerverwaltungen ziehen auch Sozialversicherungsbeiträge ein. Diese Zusatzaufgabe sowie Unterschiede im Aufgabenzuschnitt, in der Abgrenzung der gemeldeten Einnahmen und in der Rechnungslegung schränken direkte Ländervergleiche ein.
Über BuchhaltungsButler
BuchhaltungsButler ist ein innovativer Anbieter einer Buchhaltungssoftware für wachsende Unternehmen. Mit hoher Automatisierung, Individualisierung und Echtzeit-Einblicken in Finanz-KPIs hilft BuchhaltungsButler Unternehmen, ihre Buchhaltung effizient und stressfrei zu erledigen.
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