Das Stresa Festival zählt zu den traditionsreichsten Musikfestivals Italiens und verbindet in seiner 65. Ausgabe hochkarätige Konzerte mit außergewöhnlichen Schauplätzen. Neben der Konzerthalle in Stresa werden die Isola Bella, die Isola Madre und die Isola dei Pescatori, die drei zugänglichen Inseln der Borromäischen Bucht, zu Kulissen der Klangkunst. Auch die Rocca di Angera, eine nahezu vollständig erhaltene mittelalterliche Festung hoch über der Südspitze des Lago Maggiore, bildet einen stimmungsvollen Rahmen. In ihrer mit prachtvollen Fresken aus dem späten 13. Jahrhundert geschmückten Sala della Giustizia verschmelzen Musik, Geschichte und Kunst zu einem besonderen Erlebnis.
Von Barock bis Jazz – und Traviata zum Abendessen
Jazz, Young, Antiqua und Classic – auch in diesem Jahr gliedert sich das Festival in vier musikalische Welten. Sie richten sich an ganz unterschiedliche Musikliebhaber und schlagen zugleich Brücken zwischen Epochen, Kulturen und Stilrichtungen.
Dirigenten, Ensembles und Solisten zeigen, wie Musik Zeiten und Räume überwindet und immer wieder überraschende Verbindungen schafft. So treffen frühe Werke von Haydn und Mozart auf die Klangwelt Dmitri Schostakowitschs, während der türkische Pianist Faz?l Say gemeinsam mit dem Kammerorchester Basel unter der Leitung der jungen Dirigentin Bar Avni klassische Musik neu interpretiert. Einen besonderen Höhepunkt verspricht außerdem das Belcea Quartet mit Beethovens frühen und späten Streichquartetten, die einen eindrucksvollen Bogen über das Schaffen des Wiener Klassikers spannen.
Originelle Konzertformate setzen zusätzliche Akzente. Giovanni Sollima widmet sich gemeinsam mit Il Pomo d Oro der überraschenden Verbindung zwischen dem Komponisten Francesco Zappa aus dem 18. Jahrhundert und dessen berühmtem Namensvetter Frank Zappa, dem legendären US-amerikanischen Rockmusiker und Avantgarde-Komponisten. Pianist Francesco Tristano verbindet in seinem Projekt Bach & Beyond barocke Meisterwerke mit modernen Klangwelten, während Lukas Geniušas und Anna Geniushene Werke von Rachmaninow und Gershwin miteinander ins Gespräch bringen.
Zu den außergewöhnlichsten Veranstaltungen zählt „A cena con Traviata“ auf der Isola dei Pescatori. Im Restaurant Il Verbano verschmelzen Oper und Kulinarik zu einem Gesamterlebnis: Ein eigens kreiertes Menü folgt den drei Akten von Giuseppe Verdis La Traviata. Zwischen den Gängen interpretieren Solistinnen und Solisten des Ensembles _Musica a Palazzo_ die berühmtesten Arien der Oper, ausgewählte Weine runden das Erlebnis ab.
Romantische Harfe und eine Prise Orient
Die Reihe Antiqua richtet den Blick auf historische Aufführungspraxis und selten zu hörende Instrumente. Sergey Malov interpretiert Bachs Cellosuiten auf dem historischen Violoncello da spalla, Ilya Gringolts und Francesco Corti widmen sich Sonaten für Violine und Cembalo des 18. Jahrhunderts, während das Trio Lisci, Spagnolo und Pascal den romantischen Klang der Harfe in der Kammermusik des frühen 20. Jahrhunderts aufleben lässt.
Die Reihe Jazz spannt den Bogen vom italienischen Pianisten Raphael Gualazzi über den deutschen Jazzpianisten Luca Sestak bis zum tunesischen Oud-Meister Dhafer Youssef, dessen Musik orientalische Traditionen mit modernem Jazz verbindet. Die Reihe Young versteht sich als Festival im Festival und widmet sich aktueller elektronischer Musik sowie neuen Formen musikalischer Kreativität.
Große sinfonische Werke gehören ebenso zum Programm wie Oper. Zu den Höhepunkten zählen Tschaikowskys Violinkonzert mit dem jungen Solisten Andrea Cicalese, Dvo?áks Cellokonzert sowie Beethovens „Eroica“ und Dvo?áks Siebte Sinfonie mit renommierten europäischen Orchestern. Den glanzvollen Abschluss bildet ein Gastspiel im Teatro alla Scala in Mailand: Dort interpretiert die Mahler Academy Orchestra unter der Leitung von Philipp von Steinaecker Gustav Mahlers Neunte Sinfonie auf historischen Instrumenten.
Karten kosten – je nach Veranstaltung und Platzkategorie – rund 20 bis 40 Euro. Weitere Informationen und das vollständige Programm unter www.stresafestival.eu
