Das Narrenschiff der Baukultur

Das Narrenschiff der Baukultur

Glaubt man diesem Büchlein in Versen, mit dem Namen „Das Narrenschiff der Baukultur“, das gerade im Leipziger EINBUCH Buch- und Literaturverlag erschienen ist, geschrieben übrigens von einem Fachmann auf diesem Gebiet, dem Architekten Frank Deutschmann – der muss es also wissen – braucht es für die Planung und Errichtung eines Gebäudes, ob es nun ein Haus ist, eine Brücke oder was auch immer, wenigstens zehn Gewerke beziehungsweise Berufsgruppen, von denen die meisten mit dem Bau selbst eigentlich rein gar nichts zu tun haben, den eigentlich eher erschweren oder gar versuchen, das Bauen unmöglich zu machen. Das wären dann wohl in erster Linie die im Buch als Kammernarren von der Narrenkammer Bezeichneten, die wohlweislich gar nicht erst mit Namen (korrekte Berufsbezeichnung) genannt werden, wie auch der Amts- oder Eigennarr. Man merkt sehr schnell, es geht schon etwas in Richtung Karneval, bei dem ja auch die angestaubten, oder aus Sicht jedes Normaldenkenden völlig wirren Oberen in ihren Amtsstuben aufs Korn genommen werden. Als da wären – denn diese werden schon auch noch im Einzelnen genannt und abgehandelt, also mit Versen bedacht, hier in der Reihenfolge wie sie auch im Buch angelegt sind; der Sachverständige, der Laienplaner, der Fachanwalt, das Bauamt, der Politiker und natürlich der Architekturkritiker, der das Ganze von hinter heraus abwertet und in der Dreck zieht, ohne jedoch jemals selbst dreckig geworden zu sein. Man sieht hier überdeutlich, dass mit der Arbeit an sich nicht so viele Menschen zu tun haben, die allerdings aber trotzdem alle sehr gut daran verdienen. Genau genommen bleiben zwei Gruppen oder Gewerke für das eigentliche Schaffen und die Wertschöpfung, sowohl kulturell, sozial, strukturell als natürlich auch finanziell übrig. Denn Arbeit ist schon noch die Voraussetzung für Ertrag. Kurz, der Handwerker und der Architekt, die man natürlich auch Handwerkerin und Architektin nennen kann und muss, denn es gibt ja tatsächlich jede Menge Handwerkerinnen und Architektinnen. Und auch sonst sind Frauen, Gott sei Dank, mittlerweile fast überall gut und erfolgreich vertreten. Und ganz sicher auch in den Bereichen, die in diesem Buch, wie ja schon angedeutet, nicht so gut wegkommen. Es ist eben alles auch eine Frage der Perspektive.
Nicht genannt sind bislang die letzten drei Abschnitte des Buches; die Narrenbrücke, die Narrenfibeln und die Romantik. Die darf aber, wie auch die Kritik als auch das Lob der vorherigen Abschnitte im einzelnen jeder für sich selbst entdecken. Dafür sind Bücher ja da, dass man sie aufschlägt und liest. Geschaffen übrigens in diesem Fall von Verlag und Autor, der hier, wir erinnern uns schwach, ja auch noch Architekt ist, also vom Erschaffen was versteht.

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Honorarfreie Verwendung, Beleghinweis erbeten,
462 Wörter; 3015 Zeichen