Zuhören, Kontakt aufbauen und schwerstkranke Menschen einfühlsam in ihrer letzten Lebensphase begleiten. Die Aufgaben der über 950 ehrenamtlichen Hospizbegleitenden bei den Johannitern sind vielfältig. Dazu gehört Einsamkeit zu lindern, sich mit dem Thema Tod auseinanderzusetzen und darüber zu sprechen. Ängste, Sorgen und spirituelle Fragen zu bewältigen sowie Trauerprozesse zu durchleben. Für diese besondere Tätigkeit ist eine gute Ausbildung erforderlich. Wichtig sind außerdem Empathie für die Wünsche der zu begleitenden Menschen sowie die Fähigkeit, die eigenen Grenzen zu erkennen und einen gesunden emotionalen Abstand zu wahren.
Von persönlicher Erfahrung zum ehrenamtlichen Engagement
Die persönliche Erfahrung mit Verlust und Trauer hat Dietrich Heuer dazu motiviert, ehrenamtlicher Hospizbegleiter bei den Johannitern zu werden. „Als mein Schwager und sehr guter Freund plötzlich erkrankte und bald darauf starb, hat mich die Trauer zornig und sprachlos gemacht. Diese Sprachlosigkeit hat ihm am Ende überhaupt nicht geholfen. Das hat mich sehr beschäftigt, weshalb ich einen Kurs zum Hospizbegleiter bei den Johannitern belegt habe“, erinnert sich Dietrich Heuer. Das war vor gut zehn Jahren. Seitdem hat er viele Menschen begleitet. Zudem teilt er seine Erfahrungen im Rahmen der Ausbildung, die die Johanniter einmal jährlich anbieten. Seine ehrenamtliche Tätigkeit möchte er nicht mehr missen. „Sie tut mir gut. Mit jeder Begleitung lerne ich dazu, das baut mich auf und macht mir Freude.“
Hilfe, die über den Tod hinausreicht
Die meisten Menschen möchten in ihrer vertrauten Umgebung sterben. Ambulante Hospizdienste kommen deshalb zu den sterbenden Menschen nach Hause, ins Seniorenheim oder ins Krankenhaus. Anlässlich des Welthospiztags am 10. Oktober betont Helvi Seehafer, Stellv. Leiterin des Stabsbereichs Steuerung und Weiterentwicklung der Geschäftsbereiche: „Unsere Hospizarbeit unterstützt sterbende Menschen und ihre Angehörigen dabei, die verbleibende Zeit so angenehm wie möglich zu gestalten. Wir helfen ihnen, bis zum Schluss selbstbestimmt und in Würde zu leben. Wir beraten zu Unterstützungsmöglichkeiten zu Hause und arbeiten mit ärztlichen Fachkräften und Pflegediensten zusammen. Zudem entlastet unser Hospizdienst die Angehörigen in dieser herausfordernden Zeit – auch über den Tod hinaus – durch seine Anwesenheit und vielfältigen Unterstützungsangebote.“
Pflegereform: Entlastung für Familien schwerstkranker Kinder
Der vom Bundeskabinett beschlossene Entwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes (PNOG) sieht Verbesserungen für Familien mit schwerstkranken Kindern vor. Begleiten Eltern ihr Kind während eines Aufenthalts in einem Kinder- und Jugendhospiz, soll das Pflegegeld künftig weitergezahlt werden, wie bei einem Krankenhausaufenthalt. Zudem sollen Leistungen der Pflegeversicherung für Notfälle zu Hause nicht mehr mit den Hospizkosten verrechnet werden.
„Familien mit einem lebensverkürzend erkrankten Kind leisten Tag für Tag Außergewöhnliches. Dass ein Aufenthalt im Kinder- und Jugendhospiz für sie künftig nicht mehr mit finanziellen Einbußen verbunden sein soll, ist ein wichtiges Zeichen der Wertschätzung. In unserem Kinderhospiz erleben wir, wie viel Kraft diese Familien aufbringen. Deshalb zählt jede Entlastung. Wir setzen uns dafür ein, dass diese Verbesserungen im weiteren Gesetzgebungsverfahren erhalten bleiben“, so Helvi Seehafer.
Über die Hospizarbeit der Johanniter
In ihren bundesweit 19 ambulanten Hospizdiensten – davon vier ambulante Kinderhospizdienste – und vier stationären Hospizen leisten mehr als 1100 ehren- und hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Johanniter-Unfall-Hilfe wertvolle Arbeit.
Während des Welthospiztages informieren die Johanniter bei vielfältigen Veranstaltungen über ihre Unterstützungsangebote für schwerstkranke Menschen und ihre Angehörigen. Interessierte an einer Ausbildung zum ehrenamtlichen Hospizbegleiter sind ebenfalls herzlich willkommen. Weitere Informationen finden Sie unter:
– www.johanniter.de/dienste-leistungen/pflege-und-begleitung/hospize/
– https://www.johanniter.de/mitarbeiten-lernen/ehrenamt/sterbende-und-trauernde-menschen-ehrenamtlich-begleiten/
Über die Johanniter-Unfall-Hilfe
Die Johanniter-Unfall-Hilfe ist mit 35.000 Beschäftigten, mehr als 44.000 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern und 1,1 Millionen Fördermitgliedern eine der großen Hilfsorganisationen in Deutschland und zugleich ein bedeutendes Unternehmen der Sozialwirtschaft. Die Johanniter engagieren sich in den Bereichen Rettungs- und Sanitätsdienst, Katastrophenschutz, Betreuung und Pflege von alten und kranken Menschen, Fahrdienst für Menschen mit eingeschränkter Mobilität, Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, Hospizarbeit und anderen Hilfeleistungen im karitativen Bereich sowie in der humanitären Hilfe im Ausland.
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Juliane Flurschütz, Stellvertretende Pressesprecherin
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