Lokale Medien, globaler Druck: Zwischen Relevanz und Auffindbarkeit / Die 34. Lokalmedientage in Nürnberg

Lokale Medien, globaler Druck: Zwischen Relevanz und Auffindbarkeit / Die 34. Lokalmedientage in Nürnberg

800 Teilnehmende haben sich am 24. und 25. Juni in Nürnberg zu den 34. Lokalmedientagen getroffen. Mehr als 90 Speaker aus der Medienwelt diskutierten in Panels die Zukunft der lokalen Medienbranche und zeigten in Pitches und Masterclasses die neuesten Trends und Technologien. Trotz angespannter wirtschaftlicher Lage privater Anbieter wurde deutlich, wie wichtig Lokaljournalismus und lokale Angebote sind.

Lokale Angebote sind kein „Nice-to-have“

Die Bedeutung von Lokaljournalismus hob Dr. Thorsten Schmiege, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM), in seiner Eröffnungsrede hervor. Lokale Angebote seien „demokratische Infrastruktur“. Diese gelte es zu schützen – besonders vor dem wachsenden Einfluss von Big Tech, so Schmiege: „Was hilft es uns, wenn wir gute Inhalte haben, wenn inzwischen Algorithmen darüber entscheiden, welche Inhalte den Nutzenden ausgespielt werden?“

Auch Bayerns Ministerpräsident Dr. Markus Söder machte deutlich, dass das Lokale ein Fundament in einer Zeit sei, in der die Menschen über ihre Smartphones „täglich fiebrig“ gemacht würden: „Es erdet Dich. Ich bin auf ewig ein Fan des Lokalen.“ Hinsichtlich der Herausforderungen, vor der lokale Medienhäuser aktuell stehen, ermutigte Söder, Effizienz beispielsweise durch den Einsatz von KI zu steigern.

Themenschwerpunkte rund um Lokaljournalismus, Algorithmen & Innovationen

Lokaljournalismus wird zunehmend von Big Tech ausgebremst. Diese beängstigende Entwicklung war ein zentrales Thema der Lokalmedientage. Alexander von Streit, (Herausgeber, Krautreporter), brachte es auf den Punkt: Die Medien kämen kaum noch durch die Algorithmen des Internets und drohten, unsichtbar zu werden. Verschärft wird diese Entwicklung durch eine politische Kommunikation, die Plattformen direkt nutzt. „Wir sehen, dass Politik zum Sender geworden ist. Das bedeutet, wir Journalist:innen sind nicht mehr die Gatekeeper“, warnte Katharina Hamberger (Journalistin, Deutschlandfunk).

Um ihre demokratische Funktion auch in Zukunft erfüllen zu können, fordert die Branche faire Wettbewerbsbedingungen im Ringen mit den globalen Tech-Giganten. Corinna Drumm (Geschäftsführerin, Verbands Österreichischer Privatsender) formulierte einen klaren politischen Arbeitsauftrag. Sie plädierte für wesentlich mehr Regulierung der großen digitalen Plattformen, während dem klassischen Rundfunk zugleich ein maximaler Regulierungsfreiraum eingeräumt werden müsse.

Trotz der digitalen Übermacht der Plattformen blickt die Rundfunkbranche selbstbewusst in die Zukunft. Falk Zimmermann (Geschäftsführer, Die Neue Welle), sieht für Lokalradio sogar einen entscheidenden strategischen Vorteil: „Wir sind nicht nur Begleitmedium, wir sind das einzig verbleibende Massenmedium. Wir haben die Lokalität. Das ist unsere Chance gegenüber Big Tech.“

Doch die Metriken des Erfolgs verschieben sich. Im Kampf um Aufmerksamkeit rückt die reine Reichweite in den Hintergrund. Laut Giulia Cresta (Leiterin Digital & Audience Development TV-Regional und Radio, CH Media) wird Loyalität zukünftig die wichtigste Währung sein. Eine enge Community-Bindung – unter anderem gestärkt durch interaktive Live-Formate – ist der Schlüssel, um das Publikum dauerhaft zu binden. Letztlich gilt, was Keynote-Speaker Dave Sturgeon (Radio-Manager) treffend zusammenfasste: Die Technologie verändere sich zwar, die menschliche Natur jedoch nicht. Das Radio müsse lediglich seine unersetzbaren Stärken effektiv ausspielen.

Die technologische Transformation, insbesondere durch Künstliche Intelligenz, betrifft die lokalen Medienhäuser in all ihren Strukturen. Während KI kleinen Redaktionen helfen kann, schlagkräftiger zu werden, liegt die wahre Herausforderung im Change-Management. „Wir haben die tollsten Werkzeuge und denken in alten Strukturen“, merkte Alexander Woldrich (Programmchef, Radio Fantasy) selbstkritisch an.

Verleihung der BLM-Preise und Präsentation der Funkanalyse Bayern

Im Rahmen der Lokalmedientage wurde auch der BLM-Medienpreis in verschiedenen Kategorien verliehen. Sängerin Loi wurde mit dem Radio Galaxy Award 2026 ausgezeichnet.

Außerdem wurden die Ergebnisse der Funkanalyse Bayern 2026 präsentiert. Die Zahlen zeigen: Das Publikum nimmt das lokale Angebot an. Die Lokalradios im Freistaat erreichen täglich mehr als 2,4 Millionen Hörende ab 14 Jahren. Auch die bayerischen Lokal-TV-Stationen sind für viele Menschen eine wichtige Informationsquelle und erreichen unter der Woche durchschnittlich 620.000 Zuschauende am Tag.

Die Lokalmedientage 2027 finden am 07. und 08. Juli wieder im NCC Mitte der NürnbergMesse statt.

Pressekontakt: Beate Hones, presse@medientage.de

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