Wer sich von einem Chatbot über das Nachrichtengeschehen informieren lässt, folgt den angegebenen Belegen nur unregelmäßig. Laut dem Reuters Institute Digital News Report 2026 klicken 38 Prozent dieser Nutzenden manchmal auf eine verlinkte Fundstelle. Die deutschen Ergebnisse hat das Leibniz-Institut für Medienforschung in Hamburg am 16. Juni 2026 vorgelegt; befragt wurden rund 2.000 erwachsene Internetnutzende zwischen dem 9. und 22. Januar 2026. Wie ein Sprachmodell überhaupt an belegbares Wissen aus einem bestimmten Bestand kommt, erklärt ein Vergleich zweier Wege zur Anreicherung von Sprachmodellen.
Warum soziale Medien für junge Erwachsene die wichtigste Nachrichtenquelle sind
Soziale Netzwerke sind in Deutschland die reichweitenstärkste Nachrichtenquelle im Netz. Nach Angaben des Leibniz-Instituts kommen 36 Prozent der erwachsenen Onliner dort in einer gewöhnlichen Woche mit Nachrichten in Kontakt. Bei den 18- bis 24-Jährigen sind es 60 Prozent, und 17 Prozent dieser Altersgruppe nutzen keine andere Quelle. Die Autorinnen und Autoren weisen für den aktuellen Jahrgang allerdings auf ein technisches Problem bei der Erhebung hin und raten, die Werte zur Nutzung sozialer Medien vorsichtig zu lesen.
Generative Chatbots spielen der Erhebung zufolge daneben eine kleine Rolle. Nur 5 Prozent der erwachsenen Onliner gaben an, in der Vorwoche einen Chatbot genutzt zu haben, um sich über Nachrichten zu informieren. Auch bei den jüngsten Befragten bleibt dieser Anteil niedrig. Die Fallzahl von 99 Personen ist entsprechend klein, weshalb sich Aussagen über einzelne Altersgruppen aus diesen Daten nicht belastbar ableiten lassen.
Wofür die wenigen Chatbot-Nutzenden ihre Anwendung einsetzen
Das Nutzungsmuster ist enger, als die Debatte über Antwortmaschinen vermuten lässt. Die Untersuchung fragte erstmals ab, wozu ein Chatbot im Zusammenhang mit Nachrichten verwendet wird. Die Antworten verteilen sich wie folgt auf die 99 Befragten dieser Gruppe:
Nachfrage zu einem Nachrichtenthema stellen: 48 Prozent
ein Thema verständlicher machen lassen: 28 Prozent
ein Thema zusammenfassen lassen: 27 Prozent
eine Nachrichtenquelle finden oder bewerten lassen: 25 Prozent
Die Rückfrage steht laut der Untersuchung klar an erster Stelle, nicht der Abruf der neuesten Meldungen. Als Grund für die Nutzung nannte die Hälfte dieser Gruppe die Möglichkeit, nachhaken zu können. 42 Prozent führten die Zusammenfassung komplizierter Themen an, ein Drittel den Zeitgewinn.
„Ein System, das Rückfragen beantwortet, wird an seiner Belegbarkeit gemessen und nicht an seiner Sprachqualität. Wer Antworten ausliefert, ohne die Fundstelle mitzuliefern, verlagert die Prüfarbeit auf den Leser und darf sich über Misstrauen nicht wundern“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.
Wie oft die Nutzenden der verlinkten Fundstelle tatsächlich nachgehen
Laut dem Digital News Report unterscheidet sich das Klickverhalten zwischen den drei Zugangswegen kaum. Bei Chatbots klicken 38 Prozent manchmal auf eine angegebene Fundstelle, bei sozialen Medien 40 Prozent und bei Suchmaschinen 41 Prozent. Nie oder nur selten prüfen 19 Prozent der Chatbot-Nutzenden, 18 Prozent der Suchmaschinen-Nutzenden und 24 Prozent derjenigen, die Nachrichten in sozialen Medien sehen.
Der Grund für den Klick fällt bei Chatbots laut der Erhebung anders aus. 46 Prozent wollen mehr über die verwendeten Nachrichtenquellen erfahren, 42 Prozent prüfen, ob die Aussage stimmt. Bei sozialen Medien und Suchmaschinen überwiegt das Interesse an weiteren Einzelheiten zur Meldung selbst. Wer ein solches Antwortsystem im eigenen Haus aufsetzen will, findet die technischen Grundlagen in einer Anleitung zu den ersten Schritten mit der Sprachmodell-Schnittstelle.
Woran sich die Entwicklung im kommenden Jahr ablesen lässt
Das Vertrauen in maschinell erzeugte Antworten liegt den Befragungsdaten zufolge niedrig. 13 Prozent der erwachsenen Onliner halten Nachrichten in Antworten von KI-Chatbots für meist vertrauenswürdig, ebenso viele die Nachrichten in sozialen Medien. Suchmaschinen kommen auf 24 Prozent. Fast die Hälfte der Befragten äußert im Jahr 2026 die Sorge, bei Online-Nachrichten Fakten und Falschmeldungen nicht auseinanderhalten zu können.
Der nächste Vergleichswert entsteht mit der Befragungswelle im Januar 2027. Bis dahin bleibt für Betreiber von Websites im September 2026 eine praktische Aufgabe: Wer möchte, dass eine maschinelle Antwort die eigene Seite als Beleg nennt, muss die Aussage samt Datum, Zahl und Herkunft auffindbar hinterlegen. Originalquellen werden nur dann angeklickt, wenn sie überhaupt sichtbar sind.
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