München, Englischer Garten, ein Samstagnachmittag im August 1997. Sechs alte Freunde – ein Mathematiker, ein Biologe, eine Archäologin, eine Lehrerin, ein Stadtarchäologe und eine Mutter – picknicken auf einer Wiese. Als die Brieftasche des Biologen vor aller Augen verschwindet und trotz systematischer Suche nicht wieder auftaucht, entspinnt sich aus diesem kleinen, hartnäckigen Rätsel eine Debatte, die den ganzen Nachmittag dauert: über Vernunft, über Staunen, über Bewusstsein, über Gott, über das, was Argumente leisten können – und was nicht.
Mit dieser Novelle eröffnet die Edition BOA, die im Mai als Teil von BOA.ART angekündigt wurde, ihre erste Ausgabe. Das Projekt des gemeinnützigen MARAMAX art & culture e. V. hatte seinerzeit dafür plädiert, Polarisierung nicht bei den Antworten, sondern bei den Denkrahmen anzusetzen, unter denen Antworten überhaupt entstehen. „Die Verwunderung“ überträgt diese Frage in eine literarische Form: Sechs Figuren streiten wirklich in der Sache, nicht zur Unterhaltung. Niemand gewinnt, niemand verliert – aber niemand geht am Abend ganz als derselbe nach Hause.
Das Epigraph der Novelle stammt von Aristoteles: Durch Verwunderung seien die Menschen zum Philosophieren angetrieben worden. Früh im Gespräch der Figuren erhält dieser Satz eine Entgegnung: Staunen sei kein Argument, sondern eine Erfahrung. Das Buch gibt keiner der beiden Positionen das letzte Wort, sondern zeigt, wie das Staunen – über das, was geschieht, über das Bewusstsein, über das, was Menschen einander nicht sagen können – der Ort ist, an dem Denken anfängt, nicht aufhört.
„Wir haben nach einem Buch gesucht, das nicht illustriert, was wir denken, sondern dieselben Fragen stellt, die wir stellen“, so der Vorstand von MARAMAX art & culture e. V., Dr. Michael W. Driesch. “ Die Verwunderung tut das auf einer Picknickdecke, zwischen Kartoffelsalat und einem verschwundenen Stück Leder – und genau deshalb passt sie an den Anfang der Reihe.“
Eine Besonderheit der Entstehungsgeschichte: Miguel G. Baldío ist das schriftstellerische Pseudonym von Michael W. Driesch. Aus der Arbeit an dieser Novelle wuchs die Idee zu BOA – „Die Verwunderung“ steht insofern nicht nur am Anfang der Edition, sondern auch am Anfang des gesamten Projekts.
„Die Verwunderung“ erscheint im August 2026 als Taschenbuch (101 Seiten, 9,80 Euro, ISBN 978-3-00-087021-7) und als E-Book (5,99 Euro, ISBN 978-3-00-087022-4) in der Edition BOA.
Weitere Informationen unter www.boa.art.
