Das teuerste Großprojekt Deutschlands: Stuttgart 21. Für die einen ist und bleibt es wirtschaftlich unsinnig und voller Fehlplanungen. Andere betrachten es als ein beeindruckendes Zeugnis deutscher Ingenieurskunst. Nur: Züge fahren dort über 30 Jahre nach Projektbeginn immer noch nicht. Stattdessen ist der Stuttgarter Hauptbahnhof und das Schienennetz drumherum ein Dauerprovisorium, das täglich unzähligen Reisenden Geduld abverlangt. Warum dauert der Bau so lange? Und wieso baut die Bahn den Bahnhof überhaupt? Die Doku „Stuttgart 21 – Die Jahrhundertbaustelle“ von Helmar Büchel und Michael Fräntzel gibt die Antwort. Am 28. September 2026 um 23:50 Uhr im Ersten und in der ARD Mediathek.
Immer wieder wurde die Eröffnung angekündigt, immer wieder verschoben: Der neue, unterirdische Stuttgarter Hauptbahnhof wird auch dieses Jahr nicht fertig. Neuer Eröffnungstermin: frühestens Ende 2031. Und auch dann nicht in Gänze. Die Gründe für die erneute Verzögerung: Probleme mit der Digitalisierung, beim Tunnelbau, beim Brandschutz, mit den Fluchtwegen, mit falsch verlegten Kabeln und vielen anderen Punkten. Die Kosten steigen weiter – jetzt auf 14,5 Milliarden Euro, inklusive aller zugehörigen Baustellen im Umland sogar auf 25,4 Milliarden. Die Frage drängt sich auf: Warum nur hat sich die Bahn dieses Projekt überhaupt aufgehalst? Und warum dauert der Bau so lange und bringt so viele Probleme mit sich?
Umstritten von Anfang an
Warum polarisiert Stuttgart 21 so sehr? Es gibt viele Kritiker, die den neuen Bahnhof ablehnen. Seit 2009 wird montags demonstriert. Ein Gegner der ersten Stunde ist Stadtplaner und Kommunalpolitiker Hannes Rockenbauch, der seit seiner Jugend gegen das Infrastrukturprojekt kämpft. Er kritisiert unter anderem, dass überall das Geld fehle, außer für den immer teurer werdenden Bahnhof. Ein anderer Kritiker ist Boris Palmer. Der heutige Tübinger Oberbürgermeister stellte sich 2004 sogar als Stuttgarter Oberbürgermeisterkandidat der Grünen zur Wahl, mit dem Ziel, Stuttgart 21 zu verhindern. Er hielt und hält bis heute das Projekt für wirtschaftlich unsinnig. Aber es gibt auch Projektbefürworter, die von der visionären Architektur schwärmen, vom Aufbruch der Schwabenmetropole ins 21. Jahrhundert. Einer davon ist der ehemalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg Günther Oettinger. Ein anderer, der ehemalige Stuttgarter Oberbürgermeister Wolfgang Schuster, begrüßt, dass in dem neuen, unterirdischen Durchgangsbahnhof die Züge schneller ein- und ausfahren können als in dem alten, überirdischen Kopfbahnhof. Alle Seiten kommen in der Doku zu Wort.
Auch innerhalb der DB umstritten
Neben vielen politisch Verantwortlichen äußern sich auch die der Deutschen Bahn. Hartmut Mehdorn zum Beispiel, einer der Ex-Bahnchefs, der das Projekt vorangetrieben hat, sagt: „Ich bin heute noch überzeugt, in nicht zu langer Zeit werden die Stuttgarter stolz auf ihren Bahnhof sein.“ Gab es interne Kritik an S21? Ja, die gab es, sagt Ex-Bahn-Manager Thilo Sarrazin und macht der Bahn in der Doku schwere Vorwürfe. Er sei „fast schon schockiert“ gewesen, dass die Bahn das „absolut unrentable“ Projekt wirklich umsetzen wollte. Am Ende war es eine Entscheidung der Bahn und vor allem der Politik. Beide Seiten gingen erheblich ins Risiko – zu Lasten des Steuerzahlers.
DB-Chefin Evelyn Palla wird deutlich
Aber war zu erwarten, dass es am Ende so teuer wird, wie es sich abzeichnet? Evelyn Palla, die aktuelle Bahnchefin, findet deutliche Worte: „Die Konzernrevision hat in ihrem Bericht zu Stuttgart 21 erhebliche Projektversäumnisse festgestellt und offengelegt. Der Bericht zeigt gravierende Mängel in Planung, in Steuerung und auch im Risikomanagement. Das bisherige Projektmanagement hat nicht ausgereicht, um ein Projekt dieser Größenordnung zu steuern.“ Mit anderen Worten: Beim Bau von Stuttgart 21 hakt es an allen Ecken und Enden und das schon seit Beginn. Was sagt das über die Zukunftsfähigkeit Deutschlands aus?
30 Jahre und kein Ende in Sicht
Die Doku „Stuttgart 21 – Die Jahrhundertbaustelle“ blickt zurück auf über 30 Jahre Stuttgart 21 – die geprägt sind von einschneidenden Ereignissen. Dazu gehört auch der so genannte „Schwarze Donnerstag“, der Tag, an dem die Polizei mit Wasserwerfern gegen friedliche Demonstranten vorging. In der Folge kam es zu einer Schlichtung zwischen Gegnern und Befürwortern des Bauvorhabens. Ergebnis: Das Projekt geht weiter.
„Stuttgart 21 – Die Jahrhundertbaustelle“
Die Dokumentation läuft am 28. September um 23:50 Uhr im Ersten und ist bereits am selben Tag vorab in der ARD Mediathek (https://www.ardmediathek.de/sendung/swr-story/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9zZGIvc3RJZC8xNTU2) zu sehen.
Pressefotos zum Download: www.ARD-Foto.de
Die Doku wird erst kurz vor der Ausstrahlung fertig und dann hier im ARD-Vorführraum (https://www.ard.de/die-ard/ard-programmdirektion/programmpresse/vorfuehrraum) zur Verfügung gestellt.
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