SPITZE!

SPITZE!
Studiensaal und DAS Forum | 11.11.2026–18.04.2027

In der Doppelausstellung SPITZE! steht eine kostbare textile Schöpfung im Mittelpunkt, die im 16. und 17. Jahrhundert weit mehr als dekoratives Beiwerk war: Spitze. Sie galt als Ausdruck von Luxus, Modebewusstsein und gesellschaftlichem Rang. Besonders eindrucksvoll kam ihre Bedeutung an den kunstvoll gestalteten Kragen zur Geltung. Im Studiensaal und in DAS Forum verbindet die Ausstellung historische Porträts mit den textilen Kostbarkeiten und vermittelt Einblicke in traditionelle Herstellungstechniken. Zeitgenössische Kreationen und künstlerische Positionen ergänzen die Präsentation.

Kragen als Zeichen von Status und Luxus
Der Ausstellungsteil im Studiensaal beleuchtet die historische „Kragenmode“ anhand zweier bedeutender Porträtsammlungen: der Iconographie Anton van Dycks (1599–1641) aus der Liberna Collection sowie der Gemälde- und Miniatursammlung des Verlegerehepaares Frieda und Franz Lipperheide aus der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin. Im Dialog mit den Porträts offenbaren historische Spitzen und Kragen ihre Kostbarkeit, zarte Haptik und meisterhafte Verarbeitung. Ihre Herstellung und Pflege waren aufwendig, kostspielig, was zum Teil durchaus kritisch betrachtet wurde. Zugleich regelten strenge gesetzliche Vorschriften, wer die luxuriösen Textilien tragen durfte. Wie begehrt sie dennoch waren, zeigen historische Testamente und Inventare.

Historisches Handwerk damals und heute
In DAS Forum stellt die Ausstellung die Kunst der Nadel- und Klöppelspitze in den Mittelpunkt. Modelle und Videos vermitteln Einblicke in die meisterhafte Handwerkskunst, während zeitgenössische Interpretationen ihr kreatives Potenzial für die Gegenwart sichtbar machen. Innovative Materialexperimente und neue Formen der Gestaltung zeigen, dass Spitze bis heute Ausgangspunkt für künstlerische Auseinandersetzungen ist.

Spitze zwischen Vergangenheit und Gegenwart
Die Ausstellung schlägt den Bogen von historischen Kragen zur zeitgenössischen Mode. Ein Kleid von Louis Vuitton aus der aktuellen Herbst/Winter-Kollektion zeigt die anhaltende Bedeutung des Kragens als gestalterisches Element, während ein Entwurf der Designerin Melanie Parzenczewski von Inlé Studio und des Designers Lennart Bohle die traditionsreiche Spitzentechnik neu interpretiert.

Die poetischen Arbeiten von Gertrud Riethmüller richten den Blick auf jene Frauen, die oft schwierigen Bedingungen die filigranen Spitzen schufen. Indem sie ihr verborgenes Wirken würdigt, setzt sie den Klöpplerinnen ein eindrucksvolles Denkmal. So entsteht eine Verbindung zwischen Spitze und Kragen, Handwerk und Repräsentation, Mühsal und Pracht, Vergangenheit und Gegenwart.