Notgepäck haben nur 18 Prozent griffbereit – die Warntag-Auswertung des Bundesamts für Bevölkerungsschutz umfasst 117.073 Fragebögen

Notgepäck haben nur 18 Prozent griffbereit – die Warntag-Auswertung des Bundesamts für Bevölkerungsschutz umfasst 117.073 Fragebögen

Die Warnung der Bevölkerung erreicht in Deutschland fast alle, die Vorbereitung darauf jedoch nicht. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat am 20. April 2026 den Ergebnisbericht zur Umfrage über den Bundesweiten Warntag 2025 veröffentlicht. Laut dem Bericht empfingen 97 Prozent der Teilnehmenden mindestens eine Probewarnung, ein gepacktes und griffbereites Notgepäck hatten dagegen 18 Prozent. Wer damit anfangen will, findet einen Leitfaden für einen eigenen Notfallplan.

Welche Kanäle die Probewarnung im September 2025 tatsächlich erreicht hat

Die Online-Umfrage lief vom 11. bis 18. September 2025. Laut dem Bericht des Bundesamts gingen nach der Datenbereinigung 117.073 Fragebögen in die Auswertung ein. Cell Broadcast, also die Rundsendung einer Textmeldung an alle Mobilfunkgeräte in einer Funkzelle, erreichte 73 Prozent der Teilnehmenden, Warn-Apps 67 Prozent und Sirenensignale 65 Prozent. Für 8 Prozent war Cell Broadcast der einzige Kanal, über den die Warnung ankam.

Die Reichweite eines Signals sagt nichts darüber, ob es verstanden wird. Nur 50 Prozent der Befragten sind nach Angaben des Bundesamts die Sirenensignale für Warnung und Entwarnung bekannt, während 76 Prozent angeben zu wissen, auf welchem Weg sie überhaupt gewarnt werden. Die parallel geführte repräsentative Gegenprobe mit 1.014 Befragten kam auf deutlich niedrigere Wahrnehmungswerte, weil an der Online-Umfrage überdurchschnittlich viele Nutzende der Warn-App teilnahmen.

Wo die Ausstattung der Haushalte am weitesten auseinandergeht

Sechs Ausstattungsfragen des Berichts zeigen ein klares Gefälle zwischen dem Vorrat im Schrank und der gepackten Tasche. Alle Werte stammen aus derselben Erhebung vom September 2025:

81 Prozent achten auf eine vollständige Hausapotheke.

76 Prozent halten Kerzen, Taschenlampen und Batterien vor.

68 Prozent haben Lebensmittel und Getränke für mehrere Tage im Haus.

52 Prozent haben wichtige Dokumente griffbereit.

42 Prozent besitzen ein netzunabhängiges Radio.

18 Prozent haben ein Notgepäck gepackt und griffbereit.

Wie die Befragten das eigene Risiko einschätzen

Die Erwartung an die allgemeine Lage und die Erwartung an die eigene Betroffenheit fallen auseinander. 72 Prozent der Befragten rechnen laut dem Bericht künftig mit mehr und folgenreicheren Notfällen in Deutschland, nur 31 Prozent halten sich selbst für betroffen. Für die kommenden drei Jahre erwarten 82 Prozent Starkregen, 74 Prozent Cyberangriffe auf Infrastruktur und 35 Prozent einen Krieg.

Erlebt hat die Mehrheit dagegen längst etwas. Nach Angaben des Bundesamts waren 74 Prozent schon einmal von einem der abgefragten Schadensfälle betroffen, mit Abstand am häufigsten von einem Stromausfall mit 69 Prozent. 69 Prozent wünschen sich zudem Informationen darüber, wie man sich auf die Auswirkungen eines Kriegs vorbereitet.

Womit der Bund den Pakt für den Bevölkerungsschutz unterlegt

Die Bundesregierung hat die Mittel im Sommer 2026 offengelegt. Nach der Bundestagsdrucksache 21/7126 vom 9. Juli 2026 investiert der Bund von 2025 bis 2029 rund 10,2 Milliarden Euro in den Bevölkerungsschutz. Davon entfallen etwa 6,4 Milliarden Euro auf das Bundesamt und das Technische Hilfswerk und rund 3,3 Milliarden Euro auf den Digitalfunk. Für die Sirenenförderung sind über 30 Millionen Euro bis 2029 vorgesehen, langfristig acht Millionen Euro im Jahr.

Wie viele Sirenen für eine flächendeckende Warnung fehlen, ist bislang offen. Der bundesweite Bestand wird nach derselben Drucksache derzeit erst erfasst, und die zentrale Ansteuerung über das modulare Warnsystem ist für 2027 geplant. Vom Ratgeber des Bundesamts wurden seit Oktober 2025 rund drei Millionen gedruckte Exemplare verschickt; welche Angebote dahinterstehen, zeigt die Unterstützung des Bundesamts bei der Krisenvorbereitung.

Welche Termine nach dem Warntag vom 10. September 2026 anstehen

Der sechste Bundesweite Warntag fand am 10. September 2026 statt, die zugehörige Online-Umfrage lief bis zum 17. September 2026. Ergebnisse dazu liegen noch nicht vor; der Bericht zum Warntag 2025 erschien erst rund sieben Monate nach der Erhebung.

„Die Warnung funktioniert inzwischen besser als die Vorbereitung. Wer eine Warnung empfängt und dann erst überlegt, wo die Papiere liegen, hat die gewonnene Zeit bereits verloren“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.

Der nächste feste Termin ist die Übung Lükex 26 vom 4. bis 6. November 2026, die das Szenario Dürre und Hitzewelle durchspielt und an der fast einhundert Organisationen teilnehmen. Für den einzelnen Haushalt ist der Herbst 2026 der praktische Zeitpunkt, den Wert von 18 Prozent nach oben zu korrigieren: eine Tasche mit Papieren, Medikamenten und Wechselkleidung und ein fester Platz dafür in der Wohnung.

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