Mehrfachnutzen statt Mehrkosten: unterschätzte Rendite nachhaltiger Lösungen

Mehrfachnutzen statt Mehrkosten: unterschätzte Rendite nachhaltiger Lösungen

Nachhaltige Investitionen bringen Multiple Benefits – für Standort, Versorgungssicherheit und Gesundheit

In der aktuellen Haushaltsdebatte werden Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz häufig als verzichtbarer Luxus abgetan. Der neue Zukunftsimpuls des Wuppertal Instituts zeigt das Gegenteil: Nachhaltige Lösungen sind mit einem Mehrfachnutzen verbunden. Sie stärken zugleich Wettbewerbsfähigkeit und Versorgungssicherheit, wirken häufig gesundheitsfördernd und entlasten öffentliche Kassen und vieles mehr. Wer hier kürzt, spart an der falschen Stelle und lässt vielversprechende Chancen aus.

Am 27. November entscheidet der Deutsche Bundestag endgültig über den Haushalt für das kommende Jahr. Haushaltslöcher erhöhen dabei den Spardruck. Gerade Ausgaben für den Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz geraten in der öffentlichen Debatte schnell in den Verdacht, ein verzichtbarer Luxus zu sein. Mit dem heute veröffentlichten Zukunftsimpuls „Multiple Benefits: die unterschätzte Rendite nachhaltiger Lösungen“ zeigt das Wuppertal Institut jedoch: Es sind einerseits die hohen Folgekosten des Nicht-Handelns, die sich Deutschland nicht leisten kann. Allein das Niedrigwasser 2026 kostet die deutsche Wirtschaft nach Schätzungen von Fachleuten fast 18 Milliarden Euro. Andererseits sind nachhaltige Lösungen häufig mit einem Mehrfachnutzen verbunden, die in den politischen Abwägungsprozessen kaum Berücksichtigung finden – zu unrecht.

„Wer jetzt bei Klima- und Ressourcenschutz spart, spart an der falschen Stelle“, sagt Prof. Dr. Henning Wilts, Mitglied der Institutsleitung des Wuppertal Instituts und Co-Autor des Zukunftsimpulses. „Nachhaltige Lösungen zahlen direkt auf das ein, was Politik und Wirtschaft gerade am meisten umtreibt: Wettbewerbsfähigkeit, Versorgungssicherheit, die Gesundheit der Menschen und die Entlastung öffentlicher Kassen. Die mit nachhaltigen Lösungen verbundenen Vorteile nicht aufzugreifen, ist aus ökologischer wie volkswirtschaftlicher Perspektive kurzsichtig.“

Die Autor*innen des Zukunftsimpulses plädieren für integrierte Ansätze, die mehrere Probleme gleichzeitig lösen. Für fünf Handlungsfelder – Energiewende, Mobilität, Kreislaufwirtschaft, Klimaanpassung und Gesundheit – zeigen sie jeweils konkrete Ansätze, deren Nutzen weit über den Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz hinausgeht. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Digitalisierung, die unterschiedliche Handlungsfelder integrieren kann. Zugleich stärken Investitionen in die Digitalisierung die Innovationskraft des Wirtschaftsstandorts Deutschland.

Weniger Importabhängigkeit, mehr Wertschöpfung

Ein Beispiel für einen integrierten Ansatz ist die Weiterentwicklung der Energiewende, die Europa unabhängiger von fossilen Importen macht: Analysen zufolge können die Importkosten der EU für Öl, Gas und Kohle bis 2030 um fast 60 Milliarden Euro pro Jahr gesenkt werden. Mit dem Umbau des Energiesystems können zudem hohe Innovationsimpulse ausgelöst werden, die die GreenTech-Branche weiter stärken. Sie hat sich in den vergangenen Jahrzehnten längst zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor Deutschlands entwickelt: Hier arbeiten mittlerweile rund 3,4 Millionen Erwerbstätige – etwa dreimal so viel wie in der Automobilindustrie. Die Unternehmen sorgen für rund neun Prozent der deutschen Bruttowertschöpfung und für 8,4 Prozent der Exporte.

Ähnlich wirkt die Kreislaufwirtschaft. Sie macht Betriebe unabhängiger von kritischen Rohstoffen, deren Export durch Länder wie China zunehmend eingeschränkt wird. Studien zufolge könnten deutsche Unternehmen mithilfe zirkulärer Strategien auf bis zu 40 Prozent der Rohstoffimporte verzichten, ihre damit verbundenen Verletzlichkeiten substanziell reduzieren und auch hohe Kosten einsparen. Die Industrie selbst schätzt das zusätzliche Wertschöpfungspotenzial bis 2045 auf rund 700 Milliarden Euro.

Entlastung für öffentliche Kassen

Auch die öffentliche Hand profitiert von Klima- und Ressourcenschutz: Ein einziger 40-Tonner verschleißt eine Fahrbahn nach einer Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen ähnlich stark wie mehrere zehntausend Pkw. Mehr Güterverkehr auf der Schiene entlastet daher Straßen und Brücken und senkt den Wartungsaufwand. Für die Klimaanpassung sind naturbasierte Lösungen wie renaturierte Flussauen langfristig oft kosteneffizienter als technische Maßnahmen. Begrünte, entsiegelte Flächen schützen vor Hitze und Starkregen, fördern Bewegung und stärken den Zusammenhalt im Stadtquartier. So können Kommunen knappe Mittel wirkungsvoll einsetzen und gesundheitliche Folgekosten senken. Und nebenbei erhöhen sie die Aufenthalts- und Lebensqualität.

Damit diese Vorteile zum Tragen kommen, schlagen die Autor*innen unter anderem Förderprogramme vor, die verlässlich über mehrere Wahlperioden hinweg gelten und sich gezielt auf integrative Maßnahmen ausrichten. Um Geschwindigkeit aufzunehmen, wären pauschale Investitionsbudgets wirkungsvoll und vereinfachte Antragsverfahren für Kommunen, denn gerade vor Ort müssen viele Maßnahmen ansetzen.

„Der Fokus auf Mehrfachnutzen relativiert dabei nicht den Handlungsdruck im Bereich des Klima- und Ressourcenschutzes, aus dem heraus die dringliche Umsetzung von Maßnahmen bereits abgeleitet werden kann, sondern sei vielmehr die Reaktion auf eine Debatte, die sich zunehmend auf vorwiegend volkswirtschaftliche Argumente konzentriert und eine rein kurzfristige Perspektive einnimmt“, betont Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick, Präsident und wissenschaftlicher Geschäftsführer des Wuppertal Instituts.

Der Zukunftsimpuls steht ab sofort hier (https://wupperinst.org/a/wi/a/s/ad/9447/) kostenfrei zum Download bereit.

Am 4. November ist „Multiple Benefits“ zudem Thema des Wissenschaftlichen Wuppertaler Nachhaltigkeitskongresses (https://wupperinst.org/a/wi/a/s/ad/9410/), den das Wuppertal Institut gemeinsam mit der Sparkasse Wuppertal organisiert. Interessierte Medienvertreter*innen können sich unter pr@wupperinst.org anmelden.

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Christin Hasken, Leiterin Kommunikation, Pressesprecherin
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