„Es könnten Therapieplätze für gesetzlich Versicherte wegfallen“ – „15 Minuten. Der tagesschau-Podcast am Morgen“ spricht mit Andy Sharifatpour

Am Donnerstag hat ein gemeinsamer Ausschuss der Krankenkassen als Geldgeber und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) als Interessenvertretung der Ärzte und Psychotherapeuten festgelegt, dass ambulante Psychotherapeuten mit Kassensitz sollen ab April 4,5 Prozent weniger Honorar bekommen. Die Therapeuten selbst kritisieren das als Rückschritt – auch eine deutschlandweite Petition gibt es schon.

„15 Minuten. Der tagesschau-Podcast am Morgen“ hat über dieses Thema mit Andy Sharifatpour, selbst Psychotherapeut in Hamburg, gesprochen.

„Wer weiß, was in der Zukunft kommt, wie sich das jetzt entwickelt. Denn mit steigenden Praxiskosten, steigender Inflation und dieser Kürzung kann es wohl doch dazu kommen, dass wirklich einige Therapieplätze für gesetzlich Versicherte gestrichen werden.“

Die GKV argumentiert: „Der gesetzlich vorgesehene Honorarvergleich mit Vergleichsgruppen aus der Ärzteschaft hat gezeigt, dass die niedergelassenen Psychotherapeutinnen- und therapeuten mit einer eigenen Praxis in den vergangenen Jahren überproportionale Honorarerhöhungen erhalten haben.“

Außerdem würden die sogenannten Strukturzuschläge rückwirkend ab dem 1. Januar auf 14,5 Prozent erhöht wurden, so dass sich in Summe eine Honorarabsenkung von 2,3 Prozent für dieses Jahr ergebe.

Sharifatpour sagt, dass es für die Therapeuten auch um Wirtschaftlichkeit und Wertschätzung gehe.

„Das ist so schade, weil es ist eine so tolle Arbeit. Es ist eine so wichtige Arbeit. Ich liebe meinen Job, ich liebe meine Praxis, ich liebe die Arbeit mit den Menschen. Von politischer Seite und auch von den Seiten der Krankenkassen fehlt richtig Respekt uns gegenüber, weil wir sind eine tragende Säule des Gesundheitssystems und werden aber ständig mit Füßen getrampelt, so wie Ärzte zweiter Klasse.“

In der Branche und darüber hinaus sorgt der Beschluss für Aufregung, unter dem Hashtag #PsychotherapieRetten läuft eine Petition, die bereits über 260.000 Unterzeichner hat.

Auch Psychologe Dr. Leon Windscheid hat den Beschluss auf Instagram kritisiert. Für gesetzlich Versicherte, eh schon lange auf Therapieplätze warten müssten, würde es nochmal schwer. Er wies auch darauf hin, dass eine frühe Behandlung von psychischen Störungen, das Risiko verringere, dass sie chronisch würden.

Auch Therapeut Andy Sharifatpour prüft, was diese Absenkung für ihn konkret bedeutet und welche Schlüsse er daraus zieht.

„Ich bin ehrlich, ich habe mich im Zuge dessen jetzt auch informiert, was man sonst noch so machen kann. Also zum Beispiel Selbstzahler-Diagnostikleistungen, die ich anbieten kann, und die Zeit, die ich dafür aufwende, werde ich natürlich weniger Kapazitäten haben, um dort gesetzlich versicherte Patientinnen zu behandeln.“

Über dieses Thema berichtet „15 Minuten. Der tagesschau-Podcast am Morgen“ in seiner Folge am Montag, 16.3.2026 ab 6 Uhr.

https://www.ardsounds.de/episode/urn:ard:episode:33e8b0240143074b/

Pressekontakt:

WDR Newsroom
Telefon +49 (0)221 220-8787

Original-Content von: WDR Newsroom, übermittelt durch news aktuell