Elterntaxi vor dem Schultor: 41 Prozent der beobachteten Fahrzeuge missachteten Verkehrsregeln– nach der Zeitumstellung endet der Schultag im Dunkeln

Elterntaxi vor dem Schultor: 41 Prozent der beobachteten Fahrzeuge missachteten Verkehrsregeln– nach der Zeitumstellung endet der Schultag im Dunkeln

In der Nacht zum Sonntag, 25. Oktober 2026, sind die Uhren um eine Stunde zurückgestellt worden. Für Grundschulkinder fällt der Heimweg aus Hort und Ganztag ab Montag, 26. Oktober 2026, in die Dämmerung, und vor den Schultoren nimmt der Bringverkehr erfahrungsgemäß zu. Wie riskant dieser Verkehr ist, hat die Deutsche Verkehrswacht in einer Mitteilung vom 6. August 2026 mit Zahlen des ACE Auto Club Europa beziffert. Laut dieser Erhebung missachteten 41 Prozent von 6.422 an 167 Grundschulen beobachteten Fahrzeugen Verkehrsregeln: 20 Prozent hielten im Halteverbot, 8 Prozent in Einfahrten, je 6 Prozent auf Gehwegen oder in zweiter Reihe. Verkehrswacht und ACE raten deshalb, Kinder den Schulweg möglichst selbstständig gehen zu lassen; warum das über den Schulweg hinaus trägt, erklärt das Fachportal der Provimedia GmbH in einem Beitrag zur Erziehung zur Selbstständigkeit bei Kindern.

Die Zahlen stammen aus dem ACE-Schulweg-Index 2025, den der Club am 15. Oktober 2025 veröffentlicht hat. Rund 700 ehrenamtliche Prüfer hatten vom 1. April bis zum 31. Juli 2025 den Bringverkehr jeweils 30 Minuten vor Schulbeginn beobachtet und anschließend die Infrastruktur im Umkreis von 200 Metern um das Schultor bewertet. Nach Angaben des ACE ging es dabei um die Schulwege von rund 49.000 Grundschulkindern.

Wann Elterntaxis vor dem Schultor zum Risiko werden

Der Bringverkehr ist nach Beobachtung der Prüfer dann gefährlich, wenn viele Fahrzeuge gleichzeitig eintreffen und Zeitdruck entsteht. Wild geparkte Autos versperren laut Verkehrswacht Wege und Sichtachsen, hinzu kommen Wendemanöver, Rückwärtsfahrten und Kinder, die zur Fahrbahnseite hin aussteigen. Der ACE bewertete den Bringverkehr an jeder Schule danach, wie oft Fahrzeuge fehlerfrei hielten, Kinder zur Gehwegseite ausstiegen und keine Rückwärts- oder Wendefahrt folgte. Komplett fehlerfrei verlief der Bringverkehr nur an zwei der 167 Schulen. Im Ländervergleich schnitt Sachsen mit 89 Prozent fehlerfreier Bringfahrten am besten ab, das Saarland mit 52 Prozent und Rheinland-Pfalz mit 57 Prozent am schlechtesten.

In der dunklen Jahreszeit verschärft sich die Lage, weil Sicht und Reaktionszeit sinken. Kinder im Grundschulalter können nach Darstellung des ACE komplexe Verkehrssituationen noch nicht einschätzen; erst etwa ab dem 14. Lebensjahr gelingt ihnen das ähnlich gut wie Erwachsenen. Ein Auto, das in zweiter Reihe hält, kann einem sieben Jahre alten Kind die Sicht auf die Fahrbahn vollständig nehmen.

Wie Kinder den Schulweg selbstständig lernen

Die Deutsche Verkehrswacht empfiehlt ein frühes und wiederholtes Schulwegtraining zu Fuß unter realistischen Bedingungen, also nicht nur in der verkehrsarmen Ferienzeit. Hilfreich ist laut Verkehrswacht ein Perspektivwechsel: Erklären Kinder ihren Schulweg selbst und benennen Gefahrenstellen, sehen Eltern, womit ihr Kind täglich umgeht. Der kürzeste Weg ist dabei nicht unbedingt der sicherste; ein kleiner Umweg lohnt sich, wenn er unübersichtliche Stellen vermeidet. Ein geeigneter Weg hat nach Angaben der Verkehrswacht breite, gut begehbare Gehwege, sichere Querungen wie Ampeln oder Zebrastreifen und eine übersichtliche Verkehrsführung; Schulwegpläne gibt es bei Schulen, Polizei und Straßenverkehrsbehörden. Wie der Wechsel in die Grundschule und der Umgang mit neuen Tagesstrukturen gelingen, beschreibt das Fachportal in einer Sammlung von Tipps zu Sicherheit und Unterstützung zum Schulstart.

Die Bewegung auf dem Weg hat einen Nebeneffekt, den die Verkehrswacht ausdrücklich nennt: Kinder kommen wach und fit in der Schule an. Wer dagegen überall hingefahren wird, entwickelt nach ihrer Einschätzung weniger Selbstständigkeit.

Warum nur 5 Prozent der geprüften Schulwege als sicher gelten

Der ACE-Schulweg-Index bewertet neben dem Verhalten der Eltern die Infrastruktur, und dort fällt das Urteil gemischt aus. Nur 5 Prozent der 167 untersuchten Schulwege stufte der ACE nach eigenen Angaben als sicher ein, 30 Prozent als mangelhaft, 6 Prozent als gefährlich. Vor 92 Prozent der Schulen gilt laut dem Index zwar Tempo 30, die sicherste Lösung, eine Spielstraße oder ein verkehrsberuhigter Bereich, fand sich aber nur an 6 Prozent der Schulen. An 8 Prozent fehlte jede Querungshilfe, ob Ampel, Zebrastreifen oder Mittelinsel. Im Ländervergleich erreichten Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg im Schnitt 9,6 von 14 möglichen Infrastrukturpunkten, Rheinland-Pfalz 7,7 und das Saarland 7,5. Beleuchtung war eines der Kriterien, für die der Club Punkte vergab, ein Aspekt, der von November 2026 an jeden Morgen zählt.

„Die Eltern, die vor dem Schultor in zweiter Reihe halten, sind meist dieselben, die abends über den Verkehr dort klagen. Der Schulweg-Index zeigt, dass Verhalten und Infrastruktur zwei getrennte Hebel sind, und den ersten hat jede Familie selbst in der Hand. Nach der Zeitumstellung ist ein guter Zeitpunkt, den Heimweg einmal in der Dämmerung mitzugehen“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.

Welche vier Schritte Eltern in der dunklen Jahreszeit gehen können

Vier Schritte leiten sich aus den Empfehlungen von Verkehrswacht und ACE für die Wochen nach dem 25. Oktober 2026 ab.

Den Schulweg einmal zur Dämmerung abgehen und prüfen, welche Querungen beleuchtet sind und wo parkende Autos die Sicht nehmen

Wenn das Auto unvermeidbar ist, das Kind mindestens 500 Meter vom Schulgelände entfernt aussteigen lassen, etwa an einer eingerichteten Elternhaltestelle

Einen Laufbus mit anderen Familien organisieren: Kinder gehen zu festen Zeiten auf einer festen Route und steigen an vereinbarten Haltestellen zu

Bei längeren Wegen gemeinsam mit dem Kind Rad fahren und die Strecke vorher zu Fuß üben

Die Verkehrswacht rät, Begleitgruppen vor allem im ersten Schuljahr zu bilden und auch den Weg von der Elternhaltestelle zur Schule sorgfältig auszuwählen und einzuüben.

Wo der Schulweg im Frühjahr 2027 wieder heller wird

Die Uhren werden am 28. März 2027 wieder auf Sommerzeit vorgestellt; bis dahin liegt der Heimweg vieler Hort- und Ganztagskinder im Dämmerlicht. Die Deutsche Verkehrswacht veröffentlicht ihre Hinweise zum Schulweg jeweils zum Schuljahresbeginn im Sommer, der ACE hat seinen Schulweg-Index bislang einmal, im Oktober 2025, vorgelegt. Eltern, die den Bringverkehr an der eigenen Schule beobachten, können sich an Schulleitung oder Straßenverkehrsbehörde wenden und eine Elternhaltestelle anregen; die Verkehrswacht nennt sie als Ausweg, wenn sich das Auto nicht vermeiden lässt.

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