Rumi gehört zu den meistzitierten Dichtern der Welt. Seine Worte begegnen uns in sozialen Netzwerken, auf Postkarten, in Kalendern und Zitatsammlungen. Doch viele der Sätze, die heute unter seinem Namen verbreitet werden, lassen sich in seinen tatsächlichen Werken nicht nachweisen. Mit seinem neuen Buch „Rumi – Geschichten und Verse“ geht der Berliner Autor Salih Daglar deshalb zurück zur Quelle.
Der Band versammelt 17 Geschichten und 26 ausgewählte Verse aus dem Mesnevi des persischen Dichters und Mystikers Dschalal ad-Din Muhammad Rumi. Das im 13. Jahrhundert entstandene Werk umfasst mehr als 25.000 Doppelverse und gehört zu den bedeutendsten Werken der persischen Literatur.
Daglar verfolgt bei seiner Ausgabe einen klaren Grundsatz: Kein Rumi zugeschriebener Satz soll ohne nachvollziehbare Quelle erscheinen. Die deutschen Fassungen wurden auf Grundlage der wörtlichen englischen Übersetzung des Rumi-Forschers Reynold A. Nicholson erarbeitet und am persischen Ausgangstext geprüft. Die jeweiligen Stellen sind anhand der angegebenen Buch- und Versnummern im Mesnevi nachvollziehbar.
Im Mittelpunkt stehen einige der eindrücklichsten Geschichten Rumis. Ein Elefant steht in einem dunklen Haus und wird von mehreren Menschen ertastet. Jeder hält den Teil, den er berührt, für das Ganze. Vier Männer streiten über verschiedene Wörter und bemerken nicht, dass sie alle dieselbe Traube meinen. Ein Löwe sieht sein eigenes Spiegelbild in einem Brunnen, hält es für seinen Feind und stürzt sich darauf. Ein Grammatiker verspottet einen ungebildeten Bootsmann, bis das Boot in einen Strudel gerät und plötzlich nicht mehr Grammatik, sondern Schwimmen entscheidend ist.
Rumis Geschichten handeln von Wahrnehmung und Irrtum, Liebe und Trennung, Hochmut und Erkenntnis, Sehnsucht, Wahrheit und der Schwierigkeit des Menschen, sich selbst zu erkennen. Daglar verzichtet bewusst darauf, den Geschichten eine fertige moderne Moral aufzuzwingen. Die Texte sollen Raum lassen, damit Leser ihre eigenen Schlüsse ziehen können.
Für Salih Daglar ist das Buch zugleich eine persönliche Rückkehr zu Rumi. Der 1984 in Istanbul geborene Autor wuchs mit der religiösen und kulturellen Überlieferung seiner Familie auf. Eine besondere Rolle spielte seine Großmutter.
Als Daglar fünf Jahre alt war, plante sie eine Reise nach Konya. Er wollte unbedingt mitfahren und versuchte, die ganze Nacht wach zu bleiben, damit sie nicht ohne ihn aufbrechen konnte. Doch er schlief ein. Als er am nächsten Morgen erwachte, war seine Großmutter bereits fort.
Fast vier Jahrzehnte später erkannte er in dieser Kindheitserinnerung eine Verbindung zu den berühmten ersten Zeilen des Mesnevi: dem Rohr, das klagt, weil es aus dem Röhricht geschnitten und von seinem Ursprung getrennt wurde.
Im Buch schreibt Daglar dazu: „Dieses Buch ist die Erinnerung an meine Großmutter.“
„Rumi – Geschichten und Verse“ versteht sich nicht als vollständige Ausgabe des Mesnevi, sondern als konzentrierter Einstieg in Rumis Denken und Erzählen. Das Buch richtet sich an Leserinnen und Leser, die Rumi jenseits moderner Zitatsammlungen kennenlernen möchten und wissen wollen, welche Geschichten und Verse tatsächlich auf sein Werk zurückgehen.
Das Hardcover umfasst 88 Seiten und erschien am 11. September 2026 bei BoD – Books on Demand. Der Verkaufspreis beträgt 24,99 Euro. ISBN: 978-3-6967-3131-1.
Weitere Informationen zum Buch und zum Autor:
artbeatfeastverse.com
Das Buch direkt bei BoD:
Rumi – Geschichten und Verse bei BoD
