ZDF-Magazin „Frontal 21“: Gepanschte Wurst erhält Silbermedaille der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft / Wurst mit neun Prozent Fleischanteil ausgezeichnet – Foodwatch: „Blamage für DLG“ (FOTO)





Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) hat eine
gepanschte Wurst aus Fleischabfällen mit dem silbernen DLG-Preis
prämiert. Das berichtet das ZDF-Magazin „Frontal 21“ in seiner
Ausgabe am Dienstag, 10. April 2018, 21.00 Uhr. Die Geflügelwurst
bestand nur zu neun Prozent aus Fleisch, zu 27 Prozent aus Wasser und
zu 46 Prozent aus so genanntem Separatorenfleisch, das sind Abfälle
aus der Fleischproduktion. Der vom Knochen abgepresste Brei gilt laut
Lebensmittelrecht nicht als Fleisch und muss gekennzeichnet werden.
Außerdem war der Wurst ein handelsübliches Pulver aus
Schlachtblutplasma beigemengt, das eine hohe Wasserzugabe kaschiert.
Die Zutaten wurden gegenüber der DLG verschwiegen.

Ein DLG-Sprecher betonte, dass der Lebensmittelhersteller die
Verantwortung für seine Produkte trage. Separatorenfleisch sei bei
der DLG-Qualitätsprüfung von vorneherein ausgeschlossen. Warum die
gepanschte Wurst nicht auffiel, sondern mit Silber prämiert wurde,
konnte die DLG nicht erklären. Die DLG ist nach eigenen Angaben die
führende Organisation der Land-, Agrar- und Lebensmittelwirtschaft.
Sie zeichnet jährlich Lebensmittel in Gold, Silber und Bronze aus.
Alle ausgezeichneten Produkte müssen Labortests sowie Zubereitungs-,
Verpackungs- und Kennzeichnungsprüfungen bestehen.

„Wenn man so ein Machwerk auszeichnet, dann stellt sich schon die
Frage, wie vertrauenswürdig ist dieser Preis“, kommentierte Johannes
Fechner, Sprecher für Verbraucherschutz der SPD-Bundestagsfraktion,
die Wurstprämierung. Die DLG verlasse sich offenbar auf die
Herstellerangaben, kritisierte Fechner. „Das ist eine Blamage für die
DLG“, urteilte Luise Molling von Foodwatch. Die
Verbraucherschutzorganisation vermutet, dass in vielen Fleischwaren
billiges Separatorenfleisch verarbeitet wird, ohne es zu deklarieren.
Diese Befürchtung teilt der verbraucherschutzpolitische Sprecher der
CSU im Bundestag, Volker Ullrich: „Ich gehe davon aus, dass die
meisten Betriebe nicht nennen wollen, wo Separatorenfleisch drin
ist.“ Ullrich forderte gegenüber „Frontal 21“: „Der Verbraucher muss
klar und deutlich erkennen können, was denn tatsächlich in der Wurst
ist.“ Dafür reiche das DLG-Siegel nicht aus. „Wir brauchen andere und
bessere Siegel.“

Nach offiziellen Angaben werden in Deutschland rund 70.000 Tonnen
Separatorenfleisch pro Jahr verarbeitet. „Frontal 21“ hat alle
verarbeitenden Betriebe angefragt. Kein Unternehmen wollte
offenlegen, in welchen Produkten der billige Fleischbrei landet. Die
gepanschte, aber mit Silber prämierte Geflügelwurst hatte aufgrund
des hohen Wasseranteils und des billigen Separatorenfleisches einen
Materialwert von lediglich 59 Cent pro Kilo. Im Supermarkt könnte sie
aber für mehr als sieben Euro über die Theke gehen, sagen Fachleute.
„Frontal 21“ hat die Herstellung der Wurst in einer Reportage
begleitet.

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Ansprechpartner: ZDF-Redaktion „Frontal 21“, Steffen Judzikowski,
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veröffentlicht von am 10. Apr 2018. gespeichert unter Fernsehen, Medien/Unterhaltung. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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