Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur Bombenentschärfung in Paderborn





Faul, lustlos, inkompetent – wer solche und
ähnliche Vorurteile über Beamte und andere Staatsbeschäftigte hat,
muss an diesem Montagmorgen Abbitte leisten, wenn er es denn ehrlich
meint. Was Stadt, Kreis, Polizei und Feuerwehr in Paderborn auf die
Beine gestellt haben, um mehr als 26.000 Menschen in Sicherheit zu
bringen, verdient ein riesiges Lob. Doch das große Werk konnte nur
gelingen, weil auch viele Ehrenamtliche an einem Strang zogen und
sich die unterschiedlichsten Menschen wie Pfleger, Hausmeister,
Ärzte und Busfahrer engagierten. Nicht zu vergessen die drei
Entschärfer, die den gefährlichsten Job aller Beteiligten hatten.
Blindgänger sind auch mehr als sieben Jahrzehnte nach Ende des
Zweiten Weltkriegs keine Seltenheit. Vier dieser tückischen Bomben
werden im Durchschnitt jeden Tag in NRW entdeckt und meistens ohne
größere Beeinträchtigung der Bevölkerung entschärft. Das war in
Paderborn ganz anders. Ein dicht besiedeltes Gebiet, in dem eine
Universität, Krankenhäuser und Altenheime liegen – das war die
Herausforderung, vor der der Krisenstab und alle Beteiligten in den
vergangenen zehn Tagen standen. Von Anfang an war da ein riesiges
Wir-Gefühl. Es gab nicht nur offizielle Hilfsangebote wie das des
Edith-Stein-Berufskollegs, Senioren, die sonst zu Hause gepflegt
werden, zu betreuen. Menschen boten Wildfremden an, sie aufzunehmen,
sich um ihre Haustiere zu kümmern, etwas mit ihnen zu unternehmen.
Nicht alle Angebote – ob private oder staatliche – wurden genutzt,
was aber den Dank an die vielen Hilfsbereiten nicht schmälert. Ganz
klar: Bei einem Riesenunterfangen wie dem vom Wochenende hakt es
auch mal an der einen oder anderen Stelle. Es war für ältere
Angehörige von Schwerkranken beschwerlich, in andere Städte fahren
zu müssen, um den geliebten Menschen besuchen zu können. Und auch der
Tod einer Patientin überschattete den Tag – wenn auch ihr Sterben
nach allem, was bekannt ist, nichts mit ihrer Verlegung zu tun hatte.
Aber es gab nun einmal keine Alternative zur Evakuierung. Wir müssen
dankbar sein, dass an diesem Sonntag in Paderborn alles gutgegangen
ist, während die Menschen im nur 85 Kilometer Luftlinie entfernten
Münster ein schwarzes Wochenende mit Toten und Verletzten erleben
mussten.

Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 – 585261

Original-Content von: Westfalen-Blatt, übermittelt durch news aktuell

veröffentlicht von am 8. Apr 2018. gespeichert unter Allgemein. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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