Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur Amokfahrt in Münster





Terror oder Amokfahrt: Für die Opfer von Münster
macht das keinen Unterschied. Zwei von ihnen wurden direkt am Tatort
aus dem Leben gerissen, andere kämpfen noch immer um ihr Leben.
Allesamt sind sie vollkommen unschuldig an den Umständen, die den
Täter an diesem herrlichen Frühlingstag zu einem so grauenhaften
Entschluss getrieben haben mögen. Zurück bleiben Fassungslosigkeit,
Wut und Trauer. Terror oder Amokfahrt: Mittlerweile wissen die
Sicherheitskräfte mit solchen Ereignissen professionell umzugehen.
Schnell wurden in Münster starke Einsatzkräfte zusammengezogen,
Straßensperren errichtet und Notfallteams in Kliniken aktiviert.
Zudem informierte die Polizei fortlaufend in den sozialen Medien über
die Lage. Das alles hat eine einerseits beruhigende, andererseits
aber auch erschreckende Routine. Terror oder Amokfahrt: Auch
diesmal gibt es politische Trittbrettfahrer, die noch während des
laufenden Einsatzes Kapital aus der Tat zu schlagen versuchten. »Wir
schaffen das«: Mit diesem zynischen Zitat, das auf die
Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel gemünzt war, meldete
sich die AfD-Politikerin Beatrix von Storch über Twitter zu Wort, als
noch nichts, aber auch gar nichts klar war. Das war in jeder Hinsicht
daneben. Terror oder Amokfahrt: Über Gefährder, die aus vermeintlich
politischen oder religiösen Gründen morden wollen, sammeln Polizei
und Geheimdienste mittlerweile zahlreiche Informationen – im Falle
des islamistisch begründeten Terrors immer wieder erschreckende. Der
Fall von Münster aber wirft die Frage auf, wie der Staat mit
Informationen über Menschen umgeht, die psychisch so schwer erkrankt
sind, dass sie zu einer Gefahr nicht nur für sich selbst, sondern
auch für Dritte werden können. Der Täter von Münster war in dieser
Hinsicht kein Unbekannter. Haben Ärzte und Behörden den Mann richtig
eingeschätzt? Auch auf diese Frage muss eine Antwort gegeben werden.
Terror oder Amokfahrt: So schwer es fällt – am Ende muss der Verstand
das mulmige Bauchgefühl besiegen. Ja, es gibt ein Anschlagsrisiko.
Ja, es gibt ein Risiko durch Gewalttaten. Statistisch gesehen sind
beide Risiken eher gering. Die Münsteraner haben vorgemacht, wie man
einer solchen Tat begegnet: mit bewegtem Herzen – und kühlem Kopf.

Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 – 585261

Original-Content von: Westfalen-Blatt, übermittelt durch news aktuell

veröffentlicht von am 8. Apr 2018. gespeichert unter Allgemein. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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