Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Filmfest Venedig





Was »Joker« kann, der Gruselfilm vom Rande des
Superhelden-Universums, wird sich im Oktober weisen, wenn er bei uns
ins Kino kommt. Aber dass die Jury in Venedig gute alte
Hollywood-Ware auf den Schild hob, ist schon mal ein Statement.
Noch glücklicher aber stimmt den Filmfreund der »Löwe« für Roman
Polanski. Nicht nur weil »J–accuse« ganz großes Kino ist. Sondern
deswegen, weil – endlich! – all jene anmaßenden Zeitgenossen
abgewatscht werden, die glauben, sie dürften sich zu Zensoren über
die Kunst aufschwingen. Die fordern, politisch unkorrekte Passagen
in der Literatur zu schwärzen. Die erotische Gemälde in Museen
abhängen wollen. Die von der Straftat eines Künstlers auf moralische
Defekte in seinem Werk schließen. Diese die demokratische Freiheit
aushöhlende Attitüde ist ja bekanntlich, Nolde lässt grüßen, schon
im Kanzleramt angekommen. Das Votum von Venedig ist mehr als nur
eine Preisvergabe. Es feiert die Autonomie der Kunst. In Zeiten, in
denen die Social-Media-Dämonen bestrebt sind, die in Jahrhunderten
des Kampfes mühevoll überwundenen Zumutungen der Vormoderne zu
restaurieren, keine Kleinigkeit.

Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 – 585261

Original-Content von: Westfalen-Blatt, übermittelt durch news aktuell

veröffentlicht von am 8. Sep 2019. gespeichert unter Allgemein. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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