Westdeutsche Zeitung: Manfred Rekowski ist der neue Präses der rheinischen Kirche = von Frank Uferkamp





Man darf es getrost als Überraschung werten,
dass Manfred Rekowski der neue Präses der rheinischen Kirche wird.
Klare Favoritin war schließlich für Außenstehende Petra Bosse-Huber,
die lange Jahre Vize-Präses und in der Öffentlichkeit deutlich
präsenter war als Rekowski. Doch der Wuppertaler setzte sich gegen
die Wuppertalerin durch. Die dritte Bewerberin, die Ostberlinerin
Ellen Ueberschär, hatte wie erwartet keine realistische Chance.

Nun also Rekowski. Er hat das Vertrauen der Mehrheit gerade auch
deshalb, weil er in den vergangenen Jahren nicht so eng mit der
Kirchenleitung betraut war wie Bosse-Huber. Nichts hat die Basis so
erschüttert wie der Immobilienskandal der rheinischen Kirche. Bei
spekulativen Geschäften wurden 21 Millionen Euro in den Sand gesetzt.
Das ist verheerend in ethischer Hinsicht, das bedeutet ein Kahlschlag
unter finanziellen Aspekten – schließlich müssen die Gemeinden
gleichzeitig Einrichtungen schließen, Personal abbauen und Gebäude
verkaufen.

Der langjährige Wuppertaler Superintendent Rekowski tritt in
dieser Hinsicht sein Amt unbelastet an. Gleichwohl ist es eine große
Herausforderung. Sein Vorgänger Nikolaus Schneider war ungemein
populär, war ein Menschenfischer, verschaffte der Stimme der Kirche
Gehör und verfügte über ein sehr gut funktionierendes Netzwerk.
Rekowski hat bislang eher hinter den Kulissen gewirkt und muss nun an
der Aufgabe wachsen. Der Präses ist das Gesicht der rheinischen
Kirche, er darf den öffentlichen Auftritt nicht scheuen, er muss auch
einmal die Zuspitzung wagen.

Die Zeiten sind nicht eben kirchenfreundlich. Wie die katholische
Kirche auch verlieren die Protestanten weiter Mitglieder, in den
Kassen herrscht häufig ebenso gähnende Leere wie auf den
Kirchenbänken. Unter sich verschlechternden äußeren Rahmenbedingungen
muss die Kirche immer wieder erneut beweisen, dass sie in der vom
Materialismus geprägten Welt eine Zuflucht ist, dass sie eine
Institution ist, die sinnstiftend sein kann – in ihren besten
Momenten.

Es ist also viel zu tun für Manfred Rekowski. Er wird das nicht
allein stemmen können und Unterstützung benötigen. Vielleicht kann er
dabei ja auf Petra Bosse-Huber setzen. Es wäre beiden zu wünschen.

Pressekontakt:
Westdeutsche Zeitung
Nachrichtenredaktion
Telefon: 0211/ 8382-2370
redaktion.nachrichten@westdeutsche-zeitung.de
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veröffentlicht von am 10. Jan 2013. gespeichert unter Allgemein. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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