Weltkunst in der Hauptstadt der Schönheit: Die große Fritz-Koenig-Retrospektive in Florenz (FOTO)





Eine Kunst-Ausstellung als Wiedergeburt: Fritz Koenig (1924-2017),
einer der bedeutendsten Bildhauer des 20. Jahrhunderts, ist
gegenwärtig in Florenz zu bewundern. Es ist eine Präsentation der
Superlative: An zwei Orten zugleich, in den Uffizien und im
Boboli-Garten, begegnen Besucher den Skulpturen und Zeichnungen eines
Mannes, der zwar weltberühmt ist, sich aber zeitlebens ganz bewusst
dem Kunstmarkt entzogen hat.

Seine modernen Meisterwerke im Zentrum der Renaissance – das ist
im Sommer 2018 „ein einmaliges und bewegendes Kunst- und
Kulturerlebnis“, wie es Dr. Eike Schmidt, der Direktor der Uffizien,
zusammenfasst: „Wir präsentieren die umfangreichste, bisher gezeigte
Retrospektive von Fritz Koenig. Sie ist die größte
Skulpturenausstellung für einen einzelnen Künstler, die es in Florenz
und ganz Italien je gab!“

„Fritz Koenig, 1924-2017, die Retrospektive“ umfasst elf Säle in
den Uffizien und 25 großformatige Skulpturen im Boboli-Garten. Die
Ausstellung ist unter der Leitung von Dr. Eike Schmidt (Direktor der
Uffizien), dem Kunsthistoriker Alexander Rudigier und Stefanje
Weinmayr (Leiterin des Landshuter Skulpturenmuseums im Hofberg)
entstanden.

Im Boboli-Garten mit seiner immergrünen Vegetation, seinen
Terrassen und Brunnenanlagen sind Koenigs Skulpturen teils mit großen
Höhenunterschieden aufgestellt – wie bis vor kurzem am Ganslberg.
Dort, in Niederbayern, hatte der Künstler sein eigenes Paradies
geschaffen: Wohn- und Ateliergebäude, Stallungen und große Hallen für
seine berühmte Sammlung afrikanischer Kunst, inmitten einer von ihm
modellierten Landschaft.

Vor dem Panorama von Florenz bestechen seine Figuren durch ihre
geometrische Klarheit und ihre formale Disziplin. Sie fügen sich so
harmonisch ein, als wären sie schon immer da gewesen. Die Werke aus
Stein: „Zwei Rinder“, geschaffen im Jahr 1955, ruhen sich im Gras
aus. Daneben fängt der „Himmelsspiegel“, ein Findling, mit seiner
glatt polierten Schnittfläche die Sonnenstrahlen ein, reflektiert das
Licht und die Wolken. Die Werke aus Stahl und Bronze: Hinter dem
„Großen Stufenepitaph“ (1985) staffeln sich eine antik römische
Granitwanne und die Figur eines Pegasus aus dem 19. Jahrhundert in
die Höhe. Die „Große Blattfigur“ (2012) entfaltet sich auf einer
Wiese, umstanden von hohen Laubbäumen und auf einem Stufensockel, der
die benachbarten Säulenmonumente zu zitieren scheint. Und im
Amphitheater des Boboli-Gartens, vor dem Obelisken mit seinen
Hieroglyphen und Sonnensymbolen, steht der „Große Ikarus“ aus dem
Jahr 1984/85 mit seiner gewaltigen Sonnenscheibe – altägyptische und
moderne Zeichensprache im Dialog.

Am 11. September 2001 wurde die Kunst von Fritz Koenig schlagartig
rund um den Erdball bekannt. Im Schutt der Ruinenlandschaft des New
Yorker World Trade Center hatte ein Kunstwerk den Terror überstanden:
seine „Große Kugelkaryatide“, bekannt als „The Sphere“, schwer
beschädigt, aber nicht zerstört. Die Skulptur war die größte nach dem
Zweiten Weltkrieg in Europa gefertigte Bronzeplastik; Koenig hatte
den Auftrag in Konkurrenz mit Henry Moore (1898-1986) zugeteilt
bekommen. Heute ist sie das Symbol für den Überlebenswillen von New
York, steht für das Erinnern und zugleich für den Neuanfang. „Sie war
eine Skulptur, jetzt ist sie ein Monument“, wie es Fritz Koenig
selbst ausdrückte. Erschütternd ist Koenigs Auseinandersetzung mit
der Shoah: Für das Berliner Denkmal der ermordeten Juden in Europa
entwarf er einen riesigen Brandofen, umgeben von unüberwindbaren
Wällen – in dessen Mitte, wie zusammengekehrt, ein gewaltiger
Leichenberg.

Diese und andere Kapitel aus Koenigs Schaffen werden in den
Innenräumen der Uffizien vermittelt. Hier taucht der Betrachter in
Koenigs glaubens- und ideologiefreie Inhalte ein. Im Zentrum stehen
Sexualität und das Verhältnis von Mann und Frau. Vitalität und Eros
fließen in eins. Für Koenig, selbst begeisterter Züchter schönster
Araberpferde, war das Pferd mehr als bloß ein Motiv – es war die
Maske seiner sexuellen Fantasien. Sein zweiter großer Stoff war der
Tod, vor dem er in seiner Kunst Zuflucht fand. „Das menschliche
Schicksal ist sein übergeordnetes Thema. Seine Figuren haben keine
Gesichtszüge. Nicht Individualität, sondern Allgemeingültigkeit
verlieh er ihnen. Alle seine Werke tragen ihren Schlüssel in sich
selbst. Es ist die eigene Lebenserfahrung, die sie jedermann
verständlich macht“, so Alexander Rudigier, der mit dem Künstler
befreundet war und das Werk Koenigs im Katalog zur Ausstellung
inhaltlich einordnet. Sämtliche Autoren dieses Kataloges kannten
Fritz Koenig persönlich. In seiner umfangreichen Bebilderung ist er
ein einzigartiges Dokument zu Leben und Schaffen des Bildhauers, der
die deutsche Skulptur in die Moderne führte.

Florenz-Besucher können „Fritz Koenig, 1924-2017, die
Retrospektive“ noch bis zum 7. Oktober 2018 erleben.

Pressekontakt:
Dr. Sascha Priester
Tel.: 0049/151/51297105
Mail: saschaprie@yahoo.de

Original-Content von: Uffizien, übermittelt durch news aktuell

veröffentlicht von am 30. Aug 2018. gespeichert unter Allgemein. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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