Welche Themen entscheiden in diesem Jahr die Präsidentschaftswahlen in den USA? (AUDIO)





Die ZDF-Experten Claus Kleber, Theo Koll und Ulf-Jensen Röller mit
ihren Einschätzungen zu den Punkten, die den Amerikanern unter den
Nägeln brennen – am 6. November wird in den USA gewählt

MANUSKRIPT MIT O-TÖNEN

Anmoderation:

Der finale Countdown für die amerikanischen Präsidentschaftswahlen
läuft. Die TV-Duelle des Präsidenten Barack Obama und seines
Herausforderers Mitt Romney sind vorbei, jetzt geht es darum, noch
entscheidende Stimmen auf großer Wahlkampftour zu sammeln. Dabei
spielen vor allem die so genannten Swing States eine große Rolle, das
sind die Staaten, bei denen es noch nicht klar ist, für wen sie in
diesem Jahr votieren werden. Dadurch ist auch der Wahlausgang am 6.
November in den USA noch völlig offen. Vor allem ein Thema könnte
Präsident Barack Obama gefährlich werden, so Theo Koll, Leiter der
ZDF-Hauptredaktion Politik und Zeitgeschehen:

O-Ton Theo Koll

Ganz wesentlich natürlich die Arbeitslosigkeit. Generell gilt ja
die alte Regel, dass noch nie ein Präsident wiedergewählt wurde, wenn
die Arbeitslosigkeit höher war als sieben Prozent. Mit der kleinen
Ausnahme von Reagan 1984. Der hat mit einer Arbeitslosigkeit von 7,4
Prozent die Wiederwahl geschafft. Aber das wird für Obama eine Hürde
sein, weil die Arbeitslosigkeit bei ihm deutlich höher ist. Wenn die
eiserne Regel gilt, dann dürfte ihn das die Wiederwahl kosten. Aber:
keine Regel ohne Ausnahme. (0:32)

Die hohe Arbeitslosigkeit ist aber nicht das Einzige, was eine
Wiederwahl des Präsidenten gefährdet. Laut dem Leiter des
ZDF-Studioleiters in Washington, Ulf-Jensen Röller, gibt es in den
USA noch ein anderes, eher gefühltes beherrschendes Thema, das Obama
diesen Wahlkampf schwierig macht:

O-Ton Ulf-Jensen Röller

Eine große Mehrheit der Amerikaner hat zum ersten Mal das Gefühl,
dass dieser amerikanische Traum, dass jeder eine Chance hat, seine
Träume zu erfüllen, nicht mehr funktioniert. Dass sie, obwohl sie
sich anstrengen, obwohl sie hart arbeiten, obwohl sie pünktlich sind,
obwohl sie Leistung bringen, sie trotzdem hinten runter fallen. Dann
werden sie auch stinkig, weil eigentlich die Idee dieser ganzen
Nation, dass hier jeder herkommen kann, egal welche Hautfarbe, egal,
welche Sprache er ursprünglich spricht, egal, was seine Eltern vorher
gemacht haben, jeder die Chance hat, ganz nach oben zu kommen. (0:35)

Das Funktionieren des amerikanischen Traums gehört schon immer zu
den elementaren Bedürfnissen der Bevölkerung. Doch vor allem ein
weltweit beherrschendes Ereignis erschwert den Amerikanern derzeit
den Alltag und könnte so für viele auch bei der Stimmabgabe
Auswirkungen auf ihre Entscheidung haben, so Ulf-Jensen Röller:

O-Ton Ulf-Jensen Röller

Die Finanzkrise hat, noch dramatischer als in Deutschland, die
Menschen wirklich ärmer gemacht. Die haben ihre Häuser hier verloren,
die Mittelschicht ist wirklich sichtbar ärmer geworden, die soziale
Spaltung ist sichtbar größer geworden und vielleicht noch ein Punkt
dazu: Die Amerikaner glauben eigentlich, dass sie im Kapitalismus
unschlagbar sind. Nun müssen sie erfahren, dass ein kommunistisches
Land wie China sie quasi in ihrer Lieblingssportart, nämlich im
Kapitalismus schlägt. Man muss ja sehen, die ganze Gesellschaft hier
in Amerika hängt vom chinesischen Geld ab. Wenn die Chinesen hier
kein Geld mehr in die amerikanische Wirtschaft pumpen, dann wird–s
richtig bitter! Natürlich haben die auch Interesse, hier Geld rein zu
pumpen, die Chinesen, damit die Amerikaner weiterhin das Billigzeug
kaufen. (0:45)

Doch ob die Amerikaner Mitt Romney zutrauen, diese Probleme besser
zu lösen als dem Präsidenten Barack Obama, das wird wohl erst der 6.
November zeigen. Überhaupt kann in den letzten Tagen noch vieles die
Wahlentscheidung in die eine oder in die andere Richtung tendieren
lassen, so Claus Kleber. Der Leiter des ZDF heute-journals hat selbst
15 Jahre lang in den USA gelebt und kennt die Befindlichkeiten der
US-Amerikaner:

O-Ton Claus Kleber

Stellen Sie sich vor, jetzt würde ein 11. September passieren, es
muss noch nicht mal diese ungeheure Wucht haben, irgendein großes
weltpolitisches Krieg- und Friedenereignis. Dann wird sich zeigen wie
die beiden Männer darauf reagieren. Bei dem letzten kleinen Test,
beim Tod des amerikanischen Botschafters in Libyen, stellte sich
raus, dass Romney falsch reagiert hat. Das haben ihm seine eigenen
Anhänger übel genommen, dass er diese Sache politisieren wollte. Und
Obama wirkte sehr souverän und cool, wenn jetzt tatsächlich nochmal
ein richtiger Test kommen würde, wer weiß, ob der Romney seinen
Fehler wiederholen würde. Und dann sind die Rechnungen wieder offen,
denn die Abstände sind ja immer noch sehr klein. (0:37)

Abmoderation

Es bleibt also spannend bis zur letzten Minute. Das ZDF berichtet
live von den Wahlen – in der „Nacht der Entscheidung“ vom 6. auf den
7. November. Bleibt Barack Obama der mächtigste Mann der Welt oder
zieht der Mormone Mitt Romney ins Weiße Haus? Schon jetzt gibt es im
ZDF viele Vorberichte, Sondersendungen und Specials zu der weltweit
wichtigsten Wahl in diesem Jahr.

ACHTUNG REDAKTIONEN:

Das Tonmaterial ist honorarfrei zur Verwendung. Sendemitschnitt bitte
an ots.audio@newsaktuell.de.

Pressekontakt:
Ansprechpartner:
ZDF-Pressestelle, 06131 7012120
all4radio, Marc Erny, 0711 3277759 0

veröffentlicht von am 2. Nov 2012. gespeichert unter Fernsehen, Medien/Unterhaltung. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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