WAZ: Verstehen und verstanden werden. Kommentar von Jens Dirksen





Der einzige Staat, in dem heute noch Latein
gesprochen wird, ist der Vatikan, und selbst hier immer seltener. Der
Nutzen von Latein bei Auslandsreisen schwindet ja schon seit einigen
Jahrhunderten. Es gibt nur noch zwei Gründe, Latein zu lernen.
Erstens, weil es Universitäten in etlichen Studienfächern von Medizin
bis Geschichte immer noch verlangen – selbst wenn es gar nicht mehr
gebraucht wird. Oft ein überflüssiger Zopf, der abgeschnitten gehört.
Zweitens aber lernt man mit Latein am besten die Logik einer Sprache,
als Fundament für andere Sprachen – aber wie viele Sprachen lernt man
im Leben?

Unsere Kinder sprechen heute vom ersten Schuljahr an Englisch, und
es fällt ihnen gar nicht so schwer, wie man früher glaubte. Eine
zweite Sprache können sie noch gründlich lernen. Welche, das sollte
sich allerdings nicht nur nach den Forderungen der Wirtschaft
richten. Die können in sechs Jahren schon wieder ganz andere sein. Es
ist noch nicht lange her, dass empfohlen wurde, Russisch zu lernen.
Heute weiß man, dass die Russen, mit denen Geschäftsleute zu tun
haben, längst Englisch können.

So wäre es das Vernünftigste, eine weitere Sprache zu lernen, die
in möglichst vielen Ländern der Welt gesprochen wird – Spanisch also.
Nicht nur, um Geschäfte zu machen. Sondern um Menschen zu verstehen.

Pressekontakt:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Zentralredaktion
Telefon: 0201 – 804 6519
zentralredaktion@waz.de

veröffentlicht von am 23. Apr 2012. gespeichert unter Allgemein. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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