WAZ: Paragrafen-Reiter. Kommentar von Jens Dirksen





Selbstverständlich ist es ein Fall von aggressiver
Bettelei, wenn Kindergärten für das Einüben von Martinsliedern
Gebühren bezahlen sollen. Auch dann, wenn es sich um eine moderne
Bearbeitung von “Rabimmel, rabammel, rabumm” handelt.

Schlimm genug, dass die Kinder kaum singen und mancher Martinszug
schnattert wie eine Horde Gänse. Aber dass die Tantiemen-Eintreiber
von der Gema sogar für Brauchtums-Gesänge kassieren, grenzt an
Paragrafen-Reiterei. Demnächst müssen wohl noch die Fans im
Fußballstadion blechen, wenn sie die Melodie von “Hey, Pippi
Langstrumpf” für Anfeuerungsgesänge ausleihen.

Die Gema sollte sich lieber darauf konzentrieren, Gebühren für die
kommerzielle Nutzung von Kompositionen einzutreiben. Nur wer mit
fremden Kunstwerken Geld macht, sollte dafür zahlen.

Dabei wird der Schutz von Urheberrechten für Künstler, für
Kreative im digitalen Zeitalter immer wichtiger. Wenn die Kopie nur
noch einen Mausklick kostet, wächst die Gefahr, dass die Kunst gar
nichts mehr einbringt. Schon jetzt kann nur ein Bruchteil der
Künstler von Kunst leben. Was für sie an Tantiemen eingetrieben wird,
reicht viel zu oft nicht mal für einen halben Mantel.

Pressekontakt:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Zentralredaktion
Telefon: 0201 / 804-6528
zentralredaktion@waz.de

veröffentlicht von am 10. Nov 2010. gespeichert unter Allgemein. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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