WAZ: Benehmen ist Respekt
– Kommentar von Jens Dirksen





Oje: “Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat
schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen
ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre
Lehrer.” Erschreckend. Mehr noch mag man indes darüber erschrecken,
dass diese Diagnose gut 2500 Jahre alt ist. Sie stammt vom
griechischen Philosophen Sokrates. Aber Kinder, die sich heute das
Mittag- oder Abendessen vor dem Fernseher reinschaufeln, sind nur zu
bemitleiden: Nicht nur, dass sie sich von der sinnlichen Seite des
Essens ablenken und die Freude daran zur Nebensache wird, sie
verlieren die Kontrolle darüber, wie viel sie da eigentlich zu sich
nehmen. Das Schlimmste aber: Sie tafeln mit der televisionären
Ersatzfamilie. Und sie tun das, weil Eltern das zulassen. Eltern, die
beim Essen telefonieren. Oder die Zeitung lesen. Multitasking lässt
sich nun mal nicht in der Arbeitswelt einsperren. Tischmanieren sind
nicht nur wichtig für alle, die oben sein oder bleiben wollen, wenn
sich die Gesellschaft zunehmend spaltet. Sie drücken auch Respekt aus
vor dem Gegenüber. Kinder sollten lernen, wie sie sich benehmen
müssen, um andere nicht vor den Kopf zu stoßen. Nur wer – frei nach
dem eleganten Philosophen Ludwig Wittgenstein – die Regeln kennt,
darf hin und wieder auch gegen sie verstoßen. Weil er weiß, dass er
gegen Regeln verstößt.Und warum.

Pressekontakt:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Zentralredaktion
Telefon: 0201 / 804-6528
zentralredaktion@waz.de

veröffentlicht von am 22. Sep 2010. gespeichert unter Allgemein. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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