Was zählt ist, „wie man anständig bleibt“: „ZAPP“ blickt mit Hans Leyendecker auf ein bewegtes Journalistenleben





Selbstkritik fällt Journalisten bisweilen schwer,
doch Investigativ-Journalist Hans Leyendecker schaut kritisch auf
sein Lebenswerk. „Das, was ich früher so großartig fand – wenn jemand
zurücktrat aufgrund einer Geschichte -, das finde ich heute gar nicht
mehr großartig“, sagt Leyendecker dem NDR Medienmagazin „Zapp“
(Mittwoch, 8. August, 23.20 Uhr im NDR Fernsehen). Er habe im Laufe
der Zeit ein distanziertes Verhältnis zu sich gefunden, etwa zu
seiner Berichterstattung für den „Spiegel“ über den einstigen
Ministerpräsidenten Lothar Späth. „Das war von der Sache her okay.
Aber die Form würde ich heute nicht mehr machen“, sagt Leyendecker.
„Da sind schon einige Punkte, wo ich mit mir selbst auch nicht mehr
so zurechtkomme, wie ich gewesen bin.“

Leyendecker hatte zunächst für den „Spiegel“ diverse Skandale
enthüllt, darunter die Affäre um die Parteispenden des
Flick-Konzerns, aber auch die „Traumschiff-Reisen“ des CDU-Politikers
Späth, der sich von Industriellen einladen ließ und 1991 unter der
Last der öffentlichen Kritik zurücktrat. Seit 1997 recherchiert
Leyendecker für die „Süddeutsche Zeitung“. In München hat er ein
Investigativ-Ressort aufgebaut, die Leitung 2016 aber an Nicolas
Richter abgegeben. Seitdem schreibt Leyendecker nur noch sporadisch
für die SZ.

„Ich war ein Hai beim –Spiegel–. Ich war nicht nett, andere waren
auch nicht nett und wir haben uns gekloppt und gestritten. Das habe
ich bei der –Süddeutschen– nie erlebt“, so der Journalist über die
beiden Häuser. Seine fast 19 Jahre beim „Spiegel“ seien zwar „eine
tolle Zeit“ gewesen. Ihm habe aber der Wechsel zur SZ „unheimlich gut
getan“. Leyendecker sagt nach 21 Jahren SZ: „Es ist für mich ein
Glück, dass ich hier gelandet bin.“ Bei der Ausbildung des
Nachwuchses habe er Volontären anfangs vor allem erzählt, wie sie an
brisante Unterlagen kommen. „Heute gebe ich mehr Tipps darüber, wie
man anständig bleibt.“

Inzwischen organisiert der 69-Jährige als Präsident den
Evangelischen Kirchentag 2019 in Dortmund. „Die Angst, es zu
verbocken, ist seit der ersten Stunde da“, sagt Leyendecker. „Wenn
der Kirchentag nicht so wird, weil du selbst nicht reichst, das wäre
für mich schon eine riesige Enttäuschung. Deshalb laufe ich die ganze
Zeit.“ Für Dortmund will er „Klarheit“ als Akzent setzen: „Wir wollen
die Probleme unserer zerrissenen, gespaltenen Gesellschaft deutlich
benennen – auch mit Leuten, die sagen, man darf ja in dieser Republik
nicht mehr sagen, wie es wirklich ist. Dann müssen andere mit ihnen
streiten und diskutieren.“

Der Film ist ab sofort unter www.NDR.de/zapp zu finden.

Pressekontakt:
Norddeutscher Rundfunk
Presse und Information
Ralf Pleßmann
Tel: 040-4156-2333

http://www.ndr.de
https://twitter.com/NDRpresse

Original-Content von: NDR Norddeutscher Rundfunk, übermittelt durch news aktuell

veröffentlicht von am 7. Aug 2018. gespeichert unter Fernsehen, Medien/Unterhaltung. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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