TV-Gipfel der MEDIENTAGE MÜNCHEN: Neuordnung – Der deutsche TV-Markt im Umbruch „Streaming in der Mitte und Breite der Gesellschaft angekommen“





Der TV-Gipfel der MEDIENTAGE MÜNCHEN stand ganz im
Zeichen der zunehmenden Konkurrenz auf dem Markt der bewegten Bilder.
Neben dem klassischen, linearen Fernsehen haben sich längst
non-lineare Streaming-Angebote wie Netflix oder Amazon Prime
etabliert, die mit Video on Demand große Erfolge feiern. 2019 gilt
deshalb schon jetzt als das Jahr der großen Einschnitte für den
Fernsehmarkt, denn, so formulierte es Moderator Torsten Zarges:
„Streaming ist in der Mitte und in der Breite der Gesellschaft
angekommen.“

Einer der großen Player auf dem Streaming-Markt ist Amazon Prime.
James Farrell, Head of International Originals und damit
verantwortlich für die Produktionen des Anbieters, die außerhalb der
USA hergestellt werden, zeigte sich sehr zufrieden mit der aktuellen
Situation. Als Teil des Online-Handelsunternehmens Amazon stehe man
nicht so sehr unter dem Druck, das Publikum mit ständig neuen
Produktionen halten zu müssen. Amazon Prime konzentriere sich bei
seinen internationalen Anstrengungen auf Formate und Inhalte, die in
den jeweiligen Ländern noch nicht vom Markt angeboten werden. So sei
zum Beispiel der „Bachelor“ ein Format, das bislang in Japan
unbekannt war und von Amazon Prime erfolgreich dort lanciert wurde.
Jedes Land sei einzigartig. Er habe allerdings die Erfahrung gemacht,
erklärte Farrell, dass gerade Produktionen, die sehr konzentriert
Lokalkolorit transportierten, auch international gut ankämen. Als
Beispiel nannte er die Dramaserie „The Marvelous Mrs. Maisel“, die im
New York der 50er-Jahre spielt. Auch im deutschen Markt sieht Farrell
ein großes Potenzial. Jeweils sechs bis zwölf Projekte realisiere
Amazon Prime in den einzelnen Ländern, eine Schlagzahl, mit denen die
Produzenten sehr zufrieden seien, weil so ihre Projekte im großen
Amazon-Angebot nicht untergehen und gut beworben werden könnten.
Farrell widersprach möglichen Sorgen, Amazon werde durch den Aufbau
eigener Produktionskapazitäten nicht mehr bei Fremdfirmen einkaufen.
„Wir werden immer Produzenten brauchen“, versicherte Farrell in
seiner Keynote.

Auch die Teilnehmer der anschließenden Diskussionsrunde zeigten
sich optimistisch, was die Situation auf dem Fernsehmarkt angeht.
Sascha Schwingel, seit kurzem Geschäftsführer von Vox, wollte lieber
von einem Aufbruch statt von einem Umbruch sprechen. „Noch nie konnte
man einen Inhalt so konsequent umsetzen“, sagte Schwingel, der zuvor
Redaktionsleiter der ARD-Produktionstochterfirma Degeto war. Dr.
Yvette Gerner, die Intendantin von Radio Bremen, merkte an, sie habe
schmunzeln müssen, als James Farrell die Arbeitsweise von Amazon
Prime erklärt habe. Das Motto „Was es noch nicht gibt, das machen
wir“ sei im Prinzip auch die Herangehensweise von Radio Bremen. Zudem
überlege man aber auch, was davon wichtig für die Gesellschaft sei
und wie man in diesem Sinne möglichst viele Menschen erreichen könne.
„Wir haben in der ARD den Ruf eines Innovationsmotors“, sagte Gerner,
deren Anstalt gerade an einer Online-First-Strategie für die gesamte
ARD arbeitet. Radio Bremen habe schon immer auf Talent statt auf
Masse setzen müssen.

Auch Elke Walthelm, Content-Chefin bei Sky Deutschland, mochte
lieber von einer Weiterentwicklung statt von einem Umbruch sprechen.
„Wir haben schon lange angefangen, in fiktionale Eigenproduktionen zu
gehen“, berichtete sie. Es sei noch zu früh abzuschätzen, was der
Einstieg von Comcast bei Sky für ihre Arbeit bedeuten könnte. Es sei
aber beruhigend, zu einer so großen internationalen Gruppe zu
gehören. „Wir wollen unsere Aktivitäten in den nächsten Jahren
verdoppeln“, betonte Walthelm. Frank Zervos, Fiktion-Chef des ZDF,
beobachtet neben dem schon länger währenden Kampf um die besten
kreativen Talente auch einen „War of Ideas“. Wenn Amazon sechs bis
zwölf Eigenproduktionen in Deutschland pro Jahr in Auftrag gebe, sei
das eine „interessante Entwicklung“. Doch das gelte auch umgekehrt:
„Wir haben bisher lokal produziert und gehen jetzt international. Wir
sind inzwischen ein gefragter Partner am Tisch“, betonte Zervos auch
im Hinblick auf die Emmy-Preisverleihung, bei der die ZDF-Serie „Bad
Banks“ nominiert ist. Natürlich habe man in Deutschland immer noch
einen sehr starken linearen Markt, jedoch werde das ZDF verstärkt
alle Ausspielwege gleichwertig nutzen. Elke Walthelm betonte, dass
Sky sehr genau die Nutzungsgewohnheiten seiner Kunden beobachte und
dahingehend auch seine Inhalte einsetze. Im Sport-Segment sei
natürlich die lineare Nutzung dominierend, aber im fiktionalen
Bereich biete man sowohl lineares Fernsehen als auch die Möglichkeit
zum non-linearen Binge-Watching. Auch Yvette Gerner von Radio Bremen
betonte, es gebe keinen einfachen Weg für alle: „Wir dürfen auch
nicht nur auf die Giga-Projekte gucken.“ Hart seien die
„Priorisierungsdebatten auf jeder einzelnen Ebene“. Ab dem 1.
Dezember gibt es mit „Vox ab“ noch einen weiteres lineares
TV-Programm. „Wir wären doof, das nicht zu machen“, sagte Vox-Chef
Schwingel. Man setze darauf, innerhalb der RTL-Gruppe, zu der Vox
gehört, den Erfolg von RTLNitro zu wiederholen. Die Content-Alliance
der RTL-Gruppe mache es ohnehin möglich, die Inhalte möglichst
sinnvoll auf alle Sender zu verteilen und damit auch bei den
Kreativen zu werben. „Man muss sich in diesen Zeiten attraktiv
machen“, lautete Schwingels Devise.

Pressekontakt:
Medien.Bayern GmbH
Anja Kistler
Telefon: 089/68999250
Fax: 089/68999199
anja.kistler@medientage.de

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veröffentlicht von am 24. Okt 2019. gespeichert unter Fernsehen, Medien/Unterhaltung. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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