„ttt – titel thesen temperamente“ (NDR) am Sonntag, 4. August 2019, um 23:35 Uhr





Die geplanten Themen:

Die Ansprüche der Hohenzollern – Was Historiker dazu sagen Trotz
Novemberrevolution und Enteignungen durch die Sowjets haben die
Hohenzollern viel von ihrem Besitz behalten können – doch das reicht
ihnen offenbar nicht. Der Ururenkel von Kaiser Wilhelm II., Georg
Friedrich Prinz von Preußen, verhandelt seit Jahren mit dem Bund, den
Ländern Berlin und Brandenburg sowie Kultureinrichtungen wie der
Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Es geht um Bilder, Möbel und
Wohnsitze, zuletzt traf man sich am vergangenen Mittwoch. Die
Maximalforderungen der Hohenzollern lösten eine Welle der Empörung
aus. Die Familie fordert Werte in dreistelliger Millionenhöhe: die
Rückgabe von Kunstwerken und von historischen Gegenständen aus
Museen, das unentgeltliche Wohnrecht in Schlössern, dazu
Entschädigungen in Höhe von mindestens 1,2 Millionen. Der
brandenburgische Finanzminister Christian Görke hat die Hohenzollern
verklagt, sie sollen maßgebliche Helfer für Hitlers Machtergreifung
gewesen zu sein. Sollte ein Gericht die historisch belegte Mitschuld
bestätigen, wäre jede Art der Entschädigung ausgeschlossen. Deshalb
geht es bei dem Streit um das Hohenzollern-Erbe nicht nur um Geld,
sondern auch um die Deutung deutscher Geschichte.

Späte Aufarbeitung – Die Verbrechen der „Colonia Dignidad“ In
Chile haben Deutsche jahrzehntelang gefoltert, und dennoch erinnert
nichts an diese Verbrechen: In der Sekte „Colonia Dignidad“ wurden
nicht nur Jungen sexuell missbraucht oder Mitglieder als
Zwangsarbeiter ausgebeutet. Die deutschen Sektenführer um Paul
Schäfer arbeiteten sogar mit Chiles Diktator Pinochet zusammen,
halfen dem Regime dabei, politische Gefangene zu verhören und auch zu
ermorden. Obwohl die deutsche Botschaft in Chile und das Auswärtige
Amt seit den 60er Jahren von diesen Gräueln wusste, wurde die
Aufarbeitung verschleppt. Erst jetzt werden Opfer, aber auch Täter
der Sekte interviewt – für ein deutsch-chilenisches Oral History
Archiv, gefördert u.a. vom Auswärtigen Amt. „ttt“ begleitet die
ersten Dreharbeiten und spricht mit Wissenschaftlern über die späte
Aufarbeitung der Verbrechen der „Colonia Dignidad“.

Literarisches Meisterwerk – Ein Roman über die abgehängte
Gesellschaft in Frankreich Sie nannten sich „Eisenmänner“, waren
stolz auf ihre Fabriken – und sie waren politisch links: Die Arbeiter
im französischen Lothringen. Dann kam Anfang der Neunziger Jahre der
wirtschaftliche Niedergang, die Hochöfen wurden geschlossen, der
Aufstieg der Rechten begann. Der Schriftsteller Nicolas Mathieu hat
darüber einen brillanten Roman geschrieben: „Wie später ihre Kinder“.
Mathieu erzählt aus der Perspektive von Jugendlichen, die aus dieser
Tristesse ausbrechen wollen, aber in ihrer Welt gefangen bleiben. In
Frankreich wurde der Roman von der Kritik gefeiert, er bekam 2018 den
Prix Goncourt, jetzt liegt er endlich auf deutsch vor. Wer verstehen
möchte, woher der Erfolg der Rechten in Europa kommt – aber auch die
Motivation der „Gelbwestenbewegung“ – der findet die Ursachen in
diesem Buch. Was hier passierte, steht stellvertretend für viele
Regionen in Europa.

Missbrauch und die Folgen – Die berührenden Bilder der Fotografin
Sina Niemeyer Das Foto eines Mannes mit herausgekratztem Gesicht.
Dazu der Satz „Ich hatte so eine glückliche Kindheit. Bis Du kamst“.
Die Fotografin Sina Niemeyer ist als Kind sexuell missbraucht worden,
von einem Bekannten. In ihrer Arbeit „Für mich“ zeigt sie das Thema
Missbrauch und die Folgen: Sie hat den Mann, der ihr Leben zerstört
hat, getroffen und mit seiner Tat konfrontiert und das Gespräch
künstlerisch verarbeitet. In der Begegnung hat sie seine Schwäche
gespürt – und ihre Stärke. Jetzt hat sie keine Angst mehr vor ihm.
Kunst als Therapie und als Form der Selbstermächtigung. ihre
verstörenden Fotos sind gerade in den Deichtorhallen in Hamburg zu
sehen, im Rahmen der Sammelausstellung „Gute Aussichten – Junge
deutsche Fotografie“ (bis 3.Oktober).

Virtuos und voller Energie – Die Violinistin Janine Jansen Lieber
weniger Konzerte geben, aber dafür richtig: Mit den passenden
Musikern und den Werken, die sie wirklich spielen will. Janine Jansen
ist eine der erfolgreichsten und virtuosesten Violinistinnen der
Welt. Zu Beginn ihrer Karriere hat sie bis zu 120 Auftritte im Jahr
absolviert, 2010 kam die große Erschöpfung. Jetzt macht sie weniger,
aber umso intensiver: Gerade gastiert sie als Portraitkünstlerin beim
SHMF und konnte dort ihre Wunschbesetzung zusammenstellen: Sie spielt
u.a. mit Sir Simon Rattle, sowie mit ihrem Ehemann Daniel Blendulf
(Cello) und Vater Jan Jansen (Cembalo und Orgel). „ttt“ trifft sie
bei den Proben und beim Konzert. Janine Jansen tourt ab August durch
Deutschland.

Moderation: Max Moor

Redaktion: Edith Beßling, Christine Gerberding, Niels Grevsen,
Thorsten Mack, Melanie Thun (NDR)

Im Internet unter www.DasErste.de/ttt

Pressekontakt:
Agnes Toellner,
Presse und Information Das Erste,
Tel: 089/5900 23876,
E-Mail: agnes.toellner@DasErste.de

Original-Content von: ARD Das Erste, übermittelt durch news aktuell

veröffentlicht von am 2. Aug 2019. gespeichert unter Allgemein, Fernsehen, Literatur. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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