Schwäbische Zeitung: Der Fisch stinkt vom Kopf – Leitartikel





Nein, Sepp Blatter wurde nicht festgenommen.
Nein, gegen Sepp Blatter liegt nichts vor: kein Auslieferungsantrag,
nicht einmal einen Vorverdacht gibt es gegen den Präsidenten des
Fußball-Weltverbandes Fifa. Im Gegenteil: Der 79-jährige Schweizer,
seit 1998 im Amt und seit der ersten Wahl von
Schmiergeldverdächtigungen begleitet, wird sich am Freitag vermutlich
erneut zum Fifa-Chef wählen lassen. Als wäre nichts geschehen. Dies
ist der eigentliche Skandal hinter all den Meldungen, hinter den
Festnahmen und der Razzia in der Verbandszentrale in Zürich.

Dass unter den sieben festgesetzten Funktionären zwei
Vizepräsidenten und somit Stellvertreter(!) Blatters waren? Dass
beider Chef nichts vom Millionenbetrug gewusst haben will, ist ebenso
unwahrscheinlich wie unglaubwürdig. An Blatter perlt dies ab wie
Wasser an einer Teflon-Pfanne. Dann sitzen die Herren Webb und
Figueredo halt morgen nicht neben ihm, sondern in U-Haft.

Der Selbstdarsteller Blatter hängt an der Macht wie eine Klette am
Wollpullover, Personen unter ihm sind austauschbare
Erfüllungsgehilfen. Seit Jahren versteht er es, jedweden
Korruptionsskandal innerhalb seiner Fifa ins Gegenteil zu verkehren.
Stets lässt Blatter danach einen Verbandssprecher verkünden, dass
alle enthüllten Verbrechen ohne den internen Reformwillen nie an die
Öffentlichkeit gekommen wären.

Dass die US-Justiz nun durchgreift und Unterstützung von den
Schweizer Behörden erhält, ist überfällig. Dass den Funktionären
harte Strafen drohen, könnte den einen oder anderen für Korruption
anfälligen Funktionär abschrecken.

Der Haken an der Sache: Unter Blatter wird die Fifa so
selbstgerecht bleiben wie ihr Präsident. Denn frei nach Louis XIV.
führt der den Weltverband nach dem Motto: La Fédération c–est moi!
Als Blatter unlängst nach einem Wahlprogramm gefragt wurde, sagte er:
„Ich bin der Präsident, ich bin kein Kandidat und darum möchte ich
nicht über die Wahl sprechen.“ Wer von diesem Mann Offenheit,
Ehrlichkeit und Aufklärung erwartet, ist ein Träumer.

Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 0751/2955 1500
redaktion@schwaebische-zeitung.de

veröffentlicht von am 27. Mai 2015. gespeichert unter Allgemein. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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