Sardinien – am Faden der Tradition





Sardinien ist voll von eigenständigen Kunsthandwerkstraditionen. Das Besondere dabei ist in Sardinien, dass diese Künste auf der Insel seit der Antike bestehen und bis heute lebendig sind. Keramiken, Webteppiche, Goldschmiedearbeiten, Holzwaren, Textilien, kunstvolle Messer, Glas, Korbwaren, Leder und wertvolle Stickerei, all das sind Dinge, die den Alltag schon vor Jahrtausenden bereicherten und auf Sardinien in ungebrochener Handwerkskunst hergestellt werden.
Hochburgen der sardischen Webkunst sind die malerisch im Hinterland gelegenen Dörfer Samugheo und Mogoro. Gerade hier hat sich der traditionellen Kunst längst zukunftsweisende Innovation entwickelt.
Einen verführerischen Einblick in die Welt des sardischen Kunsthandwerks bietet die Publikumsausstellung Fiera dell’Artigianato artistico della Sardegna in Mogoro vom 28. Juli bis zum 2. September. Seit 1961 ist diese jährliche Ausstellung eines der beiden großen Schaufenster, in dem die Produkte der kunstvollen Handfertigkeiten zu bewundern sind. Täglich geöffnet von 10 bis 21 Uhr kann der Besucher hier die Schönheiten der gesamten Insel entdecken und auch erwerben. Das Motto der diesjährigen Fiera lautet: il filo della tradzione, der Faden der Tradition. Ein Ausflug auf den bunten Markt in Mogoro lohnt somit auf jeden Fall: unter den Kunsthandwerkern von Sardinien genießt diese Ausstellung ein hohes Renommee, und voller Stolz kommen immer wieder die größten Meister der jeweiligen Handwerke aus der ganzen Insel hierher, um sich mit neuen Kreationen zu überbieten. Dabei geht es schon seit vielen Jahren darum, die alten Techniken weiterzuentwickeln und neue Tendenzen aufzunehmen. Und auch das Kunsthandwerk muss sich heute den modernen Anforderungen an Umweltverträglichkeit und soziale Nachhaltigkeit bei Materialien und Verarbeitung stellen.
So auch in dem malerischen „borgo“ Samugheo. „Borgo“ nennt man in Italien die in ihrer alten, meist mittelalterlichen Struktur erhaltenen Dörfer, die bereits an sich einen Besuch lohnen, um für ein paar Übernachtungen oder auch nur für einen Spaziergang die verzauberte Atmosphäre einer vergangenen Zeit zu atmen.
Samugheo beherbergt das Museo Murats ein in Italien einzigartiges Museum für die Textilkunst; dort werden nicht nur besonders kunstvolle Teppiche und die alten Webstühle ausgestellt sondern es lässt sich anhand der Exponate, von Mitgift bis Totenteppich, eindrucksvoll nachvollziehen, wie die Webkunst den Menschen durch sein Leben begleitete. In vielen Häusern Samugheos stehen noch immer hölzerne Webstühle, an denen das Handwerk in den Familien weitergegeben wird. Natürlich sind auch neue Muster und Maße hinzugekommen und das Spektrum der alten Naturfarben hat sich erweitert. Aber auch die alten Motive haben sich erhalten und werden heute mit dem Gütesiegel D.O.C. ausgezeichnet.
Vom 14. Juli bis zum 16. September findet hier die 51. Tessingiu statt, auf der über 60 Kunsthandwerker und Designer aus ganz Sardinien ihre Werke ausstellen. Die Tessingiu bietet ein Panorama über das gesamte Kunsthandwerk der Insel, einschließlich Keramik, Eisenverarbeitung, Goldschmiedekunst und Stickerei. Ein großer Raum wird der Webkunst gewidmet. So wird die eigentliche Messe in der EX Cantina Sociale nur wenige hundert Meter entfernt ergänzt, im Museo Murats, wo es eine Sonderausstellung von 17 Webteppichen junger Künstler aus Samugheo gibt, die durch Unterstützung den Prinzen Karim Aga Khan ermöglicht wurde.
So hat sich in dieser Region Sardiniens gerade für die Webkunst ein fruchtbarer Nährboden für innovative Techniken und Muster entwickelt, die die Tradition nicht vergisst, mit dem Ergebnis, dass man gerade hier eine Vielzahl international anerkannter Teppichhersteller findet. Auf der Fachmesse DOMOTEX im Januar 2018 wurde ein innovativer Teppich aus dem in Mogoro ansässigen Betrieb von Mariantonia Urru mit dem Carpet Design Award von einer Fachjury zum schönsten Teppich des Jahres 2017 gewählt, wobei in die Bewertung auch Kriterien wie Klimabilanz, überschaubare Vertriebsketten und qualitative Verarbeitung einflossen. Dabei ist der Betrieb von Mariantonia Urru ein anschauliches Beispiel dafür, wie gerade Familienbetriebe die sardische Kultur und Handwerkskunst pflegen und alte Webtechniken wie Pibiones, Litzos, Un In Dente oder Aramu vor dem Aussterben bewahren. Die Kaktusdarstellung des preisgekrönten Teppichs deutet nach Aussage von Designerin Paulina Herrera und Weber Giuseppe Demeles auf die Ewigkeit hin.
Dass das Kunsthandwerk in all seinen Formen, sei es traditionell oder modern, eine große Rolle spielt, kann jeder Sardinien-Reisende erleben. Überall stößt man auf kleine Werkstätten und kleine lokale Museen, in denen man Korbflechtern, Glasbläsern, Holzschnitzern, Stickerinnen und Webern bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen, ihre Produkte bestaunen und auch kaufen kann. Auf Sardinien gehört das Kunsthandwerk fast zur Landschaft.

veröffentlicht von am 17. Jul 2018. gespeichert unter Allgemein. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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