NOZ: Wallraff fordert Tourismusboykott gegen die Türkei





Wallraff fordert Tourismusboykott gegen die
Türkei

Autor: Reisende sollten sich für Menschrechte einsetzen und nicht
gedankenlos Strandurlaub machen – „Erdogan ist ein machtbesessener
gigantomanischer Despot“ – Respekt vor Özdemir

Osnabrück. Enthüllungsautor Günter Wallraff (75) hat an die
Deutschen appelliert, nicht zum Badeurlaub in die Türkei zu fliegen:
„Es sollten die Richtigen reisen. Nicht die, die gedankenlos ihren
Strandurlaub machen und sich um alles andere nicht kümmern,“ sagte
Wallraff der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Samstag). „Diejenigen aber,
die sich für die Menschenrechte einsetzen, sollten hinfahren und mit
denen Kontakt aufnehmen, die in Bedrängnis sind und verfolgt werden“,
forderte der 75-Jährige. „Außerdem sollten wir versuchen, in der
Türkei eine große Demonstration mit Deutschen und auch einzelnen
hiesigen engagierten Politikern zustande zu bringen, um die
Freilassung der Zigtausenden politischen Gefangenen zu fordern.“

Anzeichen für positive Veränderungen in der Türkei sehe er
„allenfalls in Einzelfällen“, sagte Wallraff weiter. Dabei helfe es,
„wenn der Druck aus dem Ausland fordernd und nachhaltig ist, so dass
zumindest einzelne prominente politische Gefangene freigelassen
werden“.

Illusionen aber mache er sich nicht: „Erdogan ist ein
machtbesessener gigantomanischer Despot, der ein Willkürregime
installiert und den Bau von Gefängnissen zur boomenden Branche
gemacht hat. Es reicht heute, sich in der Türkei für Frieden,
Arbeitnehmer- oder Menschenrechte einzusetzen oder bloße
Denunziation, um hinter Gittern zu landen. Zurzeit sind 80 neue
Gefängnisse für 2,3 Milliarden Euro, ein Drittel des Justizetats, im
Bau.“

Die Rolle der deutschen Politik sieht Wallraff in diesem
Zusammenhang eher skeptisch: „Der einzige deutsche Politiker, der
Erdogan in aller Deutlichkeit die Stirn bietet, ist in meinen Augen
Cem Özdemir. Ich war ja eigentlich nicht für die Jamaika-Koalition,
aber sie hätte dann Sinn gemacht, wenn Özdemir Außenminister geworden
wäre. Er ist wie Deniz Yücel in zwei Kulturen aufgewachsen, kann
vergleichen und aus zwei Blickwinkeln fokussieren, jeweils auch aus
der Außenperspektive und damit schärfer als viele, die in einer
einzigen Kultur zu Hause sind.“

Wallraff war für sein millionenfach verkauftes Buch „Ganz unten“
in die Rolle des türkischen Industriearbeiters Ali geschlüpft und hat
in jüngster Zeit mehrfach als Prozessbeobachter an Verfahren gegen
Journalisten in der Türkei teilgenommen.

Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

Telefon: +49(0)541/310 207

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veröffentlicht von am 16. Mrz 2018. gespeichert unter Allgemein. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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