NOZ: Uwe Kockisch: Diesem Mann verdanke ich meine Karriere





Uwe Kockisch: Diesem Mann verdanke ich meine
Karriere

Direktor einer DDR-Schauspielschule bürgte trotz einer Haftstrafe
wegen Republikflucht für ihn – Anfänge als Nachtpförtner und
Hilfsgarderobier im Stadttheater Cottbus

Osnabrück. Schauspieler Uwe Kockisch (75) verdankt einem früheren
Direktor der Schauspielschule Berlin, der späteren Hochschule Ernst
Busch, seine Karriere. Nach einem Vorsprechen habe die Prüferin
zunächst den Raum verlassen, berichtete Kockisch der „Neuen
Osnabrücker Zeitung“: „Sie kam wieder rein mit einem Mann, der – wie
sich nachher rausstellte – der Direktor der Schauspielschule war. Ich
musste noch mal vorsprechen und dann draußen warten. Es dauerte und
dauerte – bis der Direktor wieder rauskam, mich reinholte und fragte:
Willst du ins erste oder ins zweite Studienjahr?“

Hintergrund dieser Frage sei eine Haftstrafe wegen Republikflucht
gewesen, sagte Kockisch weiter: „Ich hätte nach meiner Vorstrafe
wegen der Fluchtgeschichte gar nicht immatrikuliert werden dürfen.
Der Direktor wusste davon und wollte die Immatrikulation umgehen,
indem er mich gleich ins zweite Jahr nimmt. Viele Jahre später habe
ich dann erfahren, dass er sogar für mich gebürgt hat. Ich bin dann
mit einer Flasche Cognac zu ihm gefahren, wir haben in seinem
Sekretariat die Nacht durchgetrunken, er hat mir sein Leben erzählt
und ich ihm meins.“

Angefangen habe alles am Theater in Cottbus, sagte Kockisch: „Da
war ich als Schüler Statist. Später dann, als ich nach meiner
Gefängnisstrafe wegen versuchter Republikflucht auf Arbeitssuche war
– es gab in der DDR ja eine Arbeitspflicht -, bin ich zum Theater,
habe den Verwaltungschef angesprochen und ihm alles erzählt aus
meiner nicht gerade staatsfreundlichen Vergangenheit. Er hat mir
zugehört, dann aber gesagt, er habe auch nichts, man suche lediglich
einen Nachtpförtner. Aber das reichte mir ja.“ Er habe dann als
Nachtpförtner und Aushilfsgarderobier gearbeitet.

In dieser Zeit habe er begonnen, sich für die Schauspielerei zu
begeistern, berichtete der 75-Jährige: „Wenn ich den Nachtdienst als
Pförtner hinter mir hatte, bin ich in den zweiten Rang – so, dass
mich niemand von unten sehen konnte. Durch die Stühle hindurch habe
ich dann den Schauspielern bei der Probe zugesehen – das fand ich
spannend. Aber auf die Idee zu kommen, so etwas selbst zu machen,
wäre für mich größenwahnsinnig gewesen.“

Kockisch ist am kommenden Montag (20.15 Uhr) im ZDF-Drama „So weit
das Meer“ und am Donnerstag im Ersten als Commissario Brunetti in der
25. Donna Leon-Verfilmung „Ewige Jugend“ zu sehen. Obwohl er bereits
75 und Donna Leon 76 sei, denke man nicht ans Aufhören, sagte
Kockisch: „Ein Ende ist nicht in Sicht“.

Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

Telefon: +49(0)541/310 207

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veröffentlicht von am 13. Apr 2019. gespeichert unter Allgemein. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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