NOZ: NOZ: Wissenschaftlerin: Geschichte der 68er Revolte muss teilweise neu geschrieben werden





Hodenberg kritisiert Fokussierung auf wenige
Akteure und Orte

Osnabrück.- Die Geschichte der 1968er-Revolte, ihrer Ursachen,
Abläufe und Wirkungen muss nach Auffassung einer namhaften
Wissenschaftlerin zumindest teilweise neu geschrieben werden.
Christina von Hodenberg, Buchautorin und Professorin der Universität
London, sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Montag): „Es hat über
die Jahrzehnte eine Mythen-Bildung gegeben, die sich immer weiter
entfernt hat von dem, was 1968 eigentlich war. Gerade deswegen, und
weil das Jahr eine große Strahlkraft entwickelt hat, muss man
hinterfragen: Was war damals?“

Als problematisch bezeichnete von Hodenberg es vor allem, dass
1968 in der öffentlichen Wahrnehmung auf ganz wenige Akteure und Orte
zusammengeschnurrt sei. „Da geht es eigentlich immer nur um
Westberlin und Frankfurt, immer nur um den Sozialistischen Deutschen
Studentenbund und Rudi Dutschke und Daniel Cohn-Bendit.“ Man habe
dabei vergessen, dass es auch andere aktive Gruppen gegeben habe wie
die Frauen, dass 1968 auch in der Provinz gespielt habe und dass
nicht nur Eliten und junge Menschen eine Rolle gespielt hätten. „Ein
Viertel der SDS-Mitglieder war weiblich und auch ein Viertel der
Studenten“, sagte die Wissenschaftlerin. Und sie fügte hinzu: „Auch
in der Provinz gab es Demonstrationen gegen die Notstandsgesetze,
bildeten sich Frauengruppen, gab es Proteste an lokalen Schulen und
Universitäten gegen belastete oder besonders autoritär agierende
Direktoren oder Schulleiter.“

Als nicht ungewöhnlich bezeichnete es von Hodenberg, dass nach dem
Jahr der Revolte gerade Frauen radikal geworden seien. „Frauen wie
Gudrun Ensslin und Ulrike Meinhof waren genau in der Situation, die
auch die ersten Frauengruppen 1968 inspirierte: Sie waren Mütter
kleiner Kinder, die keine Kinderbetreuung zur Verfügung hatten, die
von ihren Männern mit der Kindererziehung alleingelassen worden
sind.“ Ihnen habe man deutlich gesagt: „Wenn Du politisch aktiv sein
willst, dann geht das gar nicht, denn Du bist ja zu Hause fest
angebunden.“ Auch das habe sicher zur Radikalisierung dieser Frauen
beigetragen.

Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

Telefon: +49(0)541/310 207

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veröffentlicht von am 9. Apr 2018. gespeichert unter Allgemein. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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