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Ulrich Matthes: Eltern verboten mir die
Schauspielerei

„Ich war größenwahnsinnig und ballaballa“ – Stark geprägt von
einem engagierten Lehrer – 58-Jähriger: Die ganze Welt beneidet
Deutschland um seine Theaterlandschaft

Osnabrück. Schauspieler Ulrich Matthes (58) ist in jungen Jahren
bei seiner Karriere als Kinderstar beim Film ausgebremst worden,
nachdem er schon mit zehn, elf und zwölf Jahren vor der Kamera
gestanden hatte. „Meine Eltern haben es mir verboten, weil ich durch
diese Filmerei unerträglich wurde,“ sagte das langjährige
Ensemblemitglied des Deutschen Theaters in Berlin der „Neuen
Osnabrücker Zeitung“ (Samstag). Er sei durch seine Rollen beim Film
„noch viel naseweiser und altkluger“ geworden, als er ohnehin schon
gewesen sei.

„In einer Erwachsenenwelt permanent im Mittelpunkt zu stehen tut
keinem Kind dieser Welt gut,“ fügte Matthes hinzu. „Ich war
größenwahnsinnig und ballaballa. Wenn–s immer nur heißt Ulrich hier
und Uli da, dann ist das nicht gut für ein ohnehin mit kräftigem
Selbstbewusstsein ausgestattetes Kind, wie ich es war. Meine Eltern
hatten Gott sei Dank das Gefühl, sie müssten das rigoros stoppen und
mich wieder zu einem ganz normalen Kind machen, das zur Schule geht
und da seine Erfolge und Misserfolge erlebt. Das hat dann auch
wunderbar geklappt.“ Selbstbewusst sei er immer noch, fügte der
58-Jährige hinzu. „aber das Durchgeknallte hat sich, so hoffe ich,
gegeben“.

Stark geprägt habe ihn als Jugendlicher ein engagierter Lehrer,
der für die Aktion Sühnezeichen Reisen nach Israel organisierte,
berichtete Matthes weiter: „Er stellte uns damals vor die Wahl, vier
Wochen Badeurlaub in Griechenland zu machen oder vier Wochen nach
Israel zu gehen, dort zwei Wochen im Kibbuz zu arbeiten und zwei
Wochen durchs Land zu reisen. Ich hab mich damals sofort für Israel
entschieden und fand die Begegnungen mit Emigranten und
Holocaust-Überlebenden zutiefst bewegend und für mein ganzes Leben
prägend.“

Eine Lanze brach Matthes in dem Gespräch für die deutschen
Theater: „Die deutsche Theaterlandschaft ist erst mal unglaublich
reich, und wir werden auf der ganzen Welt enorm darum beneidet. Egal,
wo ich bin, höre ich immer wieder von Schauspielerkollegen und
Journalisten: Mein Gott, was ihr für eine Kohle habt! Und was ihr
euch deshalb trauen könnt. Es ist bei uns eine jahrhundertealte
Tradition, dass jede Kleinstadt ihr Stadt- oder sogar Staatstheater
hat – so etwas gibt es auch in anderen reichen Ländern Mitteleuropas
kaum. Das gilt es zu verteidigen!“

Kleinlich findet der Schauspieler deshalb die Verteilungsdebatten,
in die manche Theater verstrickt werden: „Die Argumente, mit denen
ein Theater gegen einen Kindergarten oder eine Schwimmhalle
ausgespielt wird, kann ich nicht mehr hören! Es muss in einem so
wohlhabenden Land wie Deutschland doch möglich sein, für
Kindergärten, für die Schwimmhalle und das Theater zu sorgen.“

Am kommenden Mittwoch (21. Februar) ist Ulrich Matthes in der
Literaturverfilmung „Fremder Feind“ im Ersten (20.15 Uhr) zu sehen.

Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

Telefon: +49(0)541/310 207

Original-Content von: Neue Osnabrücker Zeitung, übermittelt durch news aktuell

veröffentlicht von am 17. Feb 2018. gespeichert unter Allgemein. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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