NOZ: NOZ: Hollywood-Star Peter Sarsgaard sagt sich von Woody Allen los





Hollywood-Star Peter Sarsgaard sagt sich von
Woody Allen los

„Radikale Umbrüche kosten manche Leute den Kopf“ – Als Ersthelfer
9/11 miterlebt

Osnabrück. Hollywood-Star Peter Sarsgaard will nicht mehr mit
Woody Allen drehen: „Dass er ein großer Künstler ist, glaube ich
immer noch. Mit ihm arbeiten würde ich nicht mehr“, sagte der
47-Jährige im Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“
(Samstag). „Wir leben in revolutionären Zeiten. Und es ist an der
Zeit für echte Veränderungen.“

„Ich habe nicht gründlich nachgefragt, weil ich so begeistert war,
mit Woody Allen zu arbeiten“, sagte Sarsgaard auf die Frage, warum er
überhaupt an „Blue Jasmin“ mitgewirkt hatte – obwohl der
Missbrauchsvorwurf gegen den Regisseur schon damals bekannt war. Der
Vorwurf gegen Allen war erstmals 1992 in einem Sorgerechtsstreit laut
geworden; Gutachter beurteilten den Verdacht damals als suggerierte
Erinnerung des vermeintlichen Opfers Dylan Farrow, Allens
Adoptivtochter. Dass Woody Allen unschuldig sein könnte, kommentierte
Sarsgaard so: „Offen gesagt weiß ich es ja selbst nicht. Aber wir
sind an einem Punkt angelangt, an dem wir Zeichen setzen müssen. Wir
müssen den Opfern glauben. Ich denke, es ist extrem selten, dass
jemand über solche Dinge lügt. Das fühlt sich unfair an, und bestimmt
ist es das in manchen Fällen auch. Zeiten radikaler Umbrüche kosten
einige Menschen den Kopf.“

Trotz der #MeToo-Debatte votiert Sarsgaard gegen eine Zensur der
Werke belasteter Männer: „In der ganzen Kulturgeschichte gibt es
Künstler, die verabscheuungswürdig waren und deren Werke ich trotzdem
weiter ansehe. Wenn ein Museum jetzt Balthus ausstellen würde, gäbe
es einen Aufschrei“, sagte Sarsgaard über den Maler, der wegen der
erotischen Darstellung von Kindern umstritten ist. „Ich finde es
lohnend, sich auch für das Gedankengebäude von amoralischen Menschen
zu interessieren. Daraus besteht meine ganze Karriere. Ich würde es
zum Beispiel sehr wertvoll finden, sich noch einmal mit –Manhattan–
auseinanderzusetzen. Der Film erzählt viel über das Thema.“ Woody
Allen spielt in dem Film einen 42-Jährigen, der eine 17-Jährige
liebt.

Sarsgaard, dessen neue Serie „The Looming Tower“ die Vorgeschichte
von 9/11 erzählt, teilte auch seine Erinnerungen auf den Anschlag auf
das World Trade Center. „Sehr nah dran“ sei er am 11. September
gewesen: „In Downtown Manhattan, ich habe es miterlebt. Ich habe zu
helfen versucht, auf jede erdenkliche Weise. Da war eine
Obdachlosen-Unterkunft an der Bowery, in der Wasser verteilt wurde.
Dort habe ich die mit Staub bedeckten Menschen gesehen.“

Die Erfahrung habe ihn auch persönlich geprägt: „Wie jede Tragödie
war es eine Zeit, nach der man sein Leben auf einmal mit anderen
Augen sieht, nach der man überdenkt, was wirklich wichtig ist.
Tatsächlich habe ich zwei Wochen später meine Frau kennengelernt, ich
glaube, am 28. September 2001. Das übersieht man bei Tragödien
leicht: Sie sind eine Gelegenheit, den Dingen eine neue Richtung zu
geben.“ Sarsgaard ist mit seiner Hollywood-Kollegin Maggie Gyllenhaal
verheiratet.

Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

Telefon: +49(0)541/310 207

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veröffentlicht von am 10. Mrz 2018. gespeichert unter Allgemein. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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