NOZ: Interview Medien mit Gabriela Maria Schmeide, Schauspielerin





Gabriela Maria Schmeide: Grässliche Schulzeit in
der DDR

Schauspielerin: Es fällt mir bis heute schwer, eine eigene Meinung
konsequent zu vertreten – Flucht des Vaters als “Schock” erlebt

Osnabrück.- Schauspielerin Gabriela Maria Schmeide hat ihre
Schulzeit in Bautzen in der damaligen DDR in schlechter Erinnerung
behalten: “Es waren alle eingereiht in Reih und Glied, und es ging
darum, diejenigen Schüler zu maßregeln, die etwas aus der Reihe
tanzten,” sagte die 49-Jährige der “Neuen Osnabrücker Zeitung”
(Samstag).

Sogenannte Helikoptereltern wie in ihrem Kino-Hit “Frau Müller
muss weg” habe es in der DDR nicht gegeben: “Die meisten Eltern waren
darauf erpicht, dass ihre Kinder bloß nicht auffallen, darauf wurden
wir getrimmt. Alle sollten so denken, wie die anderen denken. Wie
grässlich! Es mussten schon sehr gefestigte, starke und wohl auch vom
Staat unabhängige Eltern sein, die ihren Kindern Individualität
gestattet haben. Für die anderen ging es immer nur darum,
mitzumarschieren und Teil des Ganzen zu sein.”

Die Auswirkungen spüre sie immer noch, sagte Schmeide weiter: “Es
fällt mir bis heute schwer, eine eigene Meinung konsequent zu
vertreten. Ich bemerke, wie tief dieses Bestreben, lieb Kind zu sein
und auf einer Linie mit anderen, immer noch in mir steckt.”

Eine zusätzliche Belastung sei es für sie gewesen, dass ihr Vater
von einem Verwandtenbesuch im Westen nicht nach Bautzen zurückkehrte,
als sie 17 war, berichtete Schmeide: “Er hatte uns nicht eingeweiht.
Das war ein Schock für uns alle, ein schlimmes Gefühl, verlassen
worden zu sein.”

Dennoch äußerte die Schauspielerin Verständnis: “Mein Vater hatte
seit seiner Jugend den Traum, wegzukommen aus diesem diktatorischen
Land. Er hat jahrelang versucht, meine Mutter zu überreden
mitzukommen, selbst als die beiden schon vier Kinder hatten. Er hat
sich die abenteuerlichsten Fluchtmöglichkeiten ausgedacht, sodass
meine Mutter völlig zu Recht gesagt hat: Bist du wahnsinnig? Man
wusste doch, was mit Leuten passiert, die auf der Flucht erwischt
werden. Ich kann beide sehr gut verstehen, auch meinen Vater. Und
deshalb verurteile ich ihn überhaupt nicht.” Im Gegenteil: Heute
verstünden sich die beiden besser als je zuvor, betonte Schmeide.

Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

Telefon: +49(0)541/310 207

veröffentlicht von am 7. Mrz 2015. gespeichert unter Allgemein. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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