NOZ: Doris Dörrie bringt von jeder Japan-Reise neues Geschirr mit





Doris Dörrie bringt von jeder Japan-Reise neues
Geschirr mit

Regisseurin „kann nicht anders“ – Trotz aller Sympathie:
63-Jährige beklagt Machismo, Rassismus und Umweltverschmutzung im
fernen Osten – Tränen am Set von „Kirschblüten & Dämonen“

Osnabrück. Regisseurin Doris Dörrie (63) kann es auch nach über 30
Reisen und fünf in Japan gedrehten Filmen nicht lassen: „Trotz
strengster Verbote seitens meiner Familie schleppe ich jedes Mal
wieder neues Geschirr an“, gestand sie der „Neuen Osnabrücker
Zeitung“. Es gebe ein ganzes Viertel in Tokio, in dem nur Geschirr
verkauft wird: „Das ist so schön, dass ich einfach nicht anders kann
und es immer wieder tue. Mittlerweile beschränke ich mich aber auf
ein oder zwei Teller, damit es nicht zu viel wird.“ Trotz aller Liebe
zu dem Land, in dem sie auch ihren jüngsten Film „Kirschblüten &
Dämonen“ drehte, beklagt die Regisseurin dessen Schattenseiten: In
Japan gebe es „eine sehr patriarchale und extreme
Macho-Gesellschaft“, die es für Frauen wirklich hart mache. Als
Beispiel nannte Dörrie die extremen Pendelzeiten: „Viele Menschen
sind zwei Stunden zur Arbeit unterwegs – morgens und abends noch
einmal. Wie soll man da Kinder in die Schule oder den Kindergarten
bringen und dann noch einkaufen? Die Frauen werden bis heute vor eine
bittere Wahl gestellt: Kinder oder Beruf. Dazu kommt, dass sie auch
keine vernünftigen Ehen führen können, weil sie ihre Männer nie
sehen. Die pendeln ja vier Stunden, arbeiten mindestens acht,
meistens mehr, müssen abends dann noch saufen gehen, kommen um
Mitternacht nach Hause, stehen um fünf Uhr auf und müssen wieder
los.“ Auch die Umweltverschmutzung in Japan nervt Dörrie: „Ich habe
große Mühe, jedes Mal im Supermarkt zu erklären, dass ich nicht für
jedes Bonbon eine kleine Plastiktüte will. Da wird jede Weintraube
separat in Plastik eingepackt, das ist wirklich irre.“ Auf der
anderen Seite gebe es eine ganz ausgeprägte Begeisterung für die
Natur: „Da laufen Stadtgärtner mit der Nagelschere rum und schneiden
das Gras und die Bäume zurecht, da werden Blätter einzeln mit der
Pinzette aufgepickt. Irgendwie passt das nicht zusammen.“ Dauerhaft
leben könne sie in Japan nicht, betonte die 63-Jährige und führte als
Grund unter anderem einen „zwar unterschwelligen, aber doch
ausgeprägten Rassismus“ an. Dieser äußere sich darin, „dass sich
Leute in der U-Bahn von jemandem wegsetzen, der woanders herkommt.
Oder darin, dass man als Westler in bestimmte Hotels und Restaurants
nicht reinkommt. Am Anfang ist dieser Rassismus gar nicht so
offensichtlich, weil man nicht versteht, dass es so gemeint ist. Aber
irgendwann merkt man–s, und dann merkt man–s immer deutlicher.“ Bei
den Dreharbeiten zu „Kirschblüten & Dämonen“ sei es zu sehr
emotionalen Szenen unter den Schauspielern gekommen, die vor elf
Jahren schon beim Kinohit „Kirschblüten Hanami“ dabei waren: „Als
Rudi und Trudi Angermeier, also Elmar Wepper und Hannelore Elsner,
wieder zusammen getanzt haben, hat wirklich das ganze Team geweint.
Es war sehr rührend, diesem Bittersüßen der vergangenen Zeit
zuzuschauen. Das haben alle bis in die Knochen gespürt.“
„Kirschblüten & Dämonen“ läuft am 7. März in den Kinos an.

Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

Telefon: +49(0)541/310 207

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veröffentlicht von am 2. Mrz 2019. gespeichert unter Allgemein. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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