Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Willem-Alexander ist neuer König der Niederlande Wechsel in der Beständigkeit MATTHIAS BUNGEROTH





Diese Szene hat Symbolkraft: Inmitten
zehntausender Menschen, die auf dem Platz vor dem Palast in Amsterdam
ihrem neuen König Willem-Alexander zujubeln, steht Hans Maessen. Auf
einem Schild mit den Nationalfarben der Niederlande fordert er
Demokratie statt Monarchie. Niemand in dem Meer von Menschen, die
sich aus Anlass des Wechsels auf dem niederländischen Thron in
orangefarbenen Outfits dort eingefunden haben, nimmt Anstoß an diesem
Auftritt. Hans Maessen wird in den Zeitungen zur Galionsfigur der
republikanischen Bewegung. Das Königshaus koste zu viel Geld, ist ein
Hauptargument für die Forderung nach der Abschaffung der Monarchie,
erklärt Maessen. 20 Prozent der Bevölkerung stünden hinter seiner
Position, ist er überzeugt. Fast gleichzeitig eine andere Szene mit
Symbolcharakter: Drinnen, im Palast von Amsterdam, hat Königin
Beatrix die Abdankungsurkunde unterschrieben und ist nun Prinzessin.
Im selben Moment wird ihr Sohn Prinz Willem-Alexander zum neuen König
der Niederlande. Beatrix drückt ihm fest die Hand, kann die Tränen
kaum unterdrücken. Die Menge, die diese Bilder live auf
Großbildschirmen vor dem Palast verfolgt, jubelt und spendet tosenden
Beifall. Es sind wahrscheinlich Augenblicke wie dieser, die der
Monarchie in unserem Nachbarland eine Popularität bescheren, die den
meisten Regierungspolitikern der Welt zeitlebens verwehrt bleibt. 66
Prozent der Niederländer, so besagt eine aktuelle Umfrage des
niederländischen Fernsehens, haben großes Vertrauen in ihren neuen
König Willem-Alexander. Noch beeindruckender sind die Umfragewerte
für seine Frau, die aus Argentinien stammende Königin Máxima. Dabei
waren die Bedenken gegen die Tochter eines Ministers der ehemaligen
argentinischen Militärregierung enorm. Innerhalb kürzester Zeit wurde
Máxima jedoch zum beliebtesten Mitglied der Königsfamilie. Ganz so,
wie es der bei vielen Niederländern in der Nachkriegszeit
deutschstämmige Prinz Claus, Gemahl von Königin Beatrix, erfuhr. Die
Monarchie diene einer Gesellschaft im Wandel, konstatierte Beatrix.
Sie könne den Respekt vor der Demokratie stärken. Die menschliche
Autorität, die Beatrix während ihrer 33-jährigen Amtszeit
ausgestrahlt und in der königlichen Familie vorgelebt hat, hat
offenbar dafür gesorgt, dass die Mehrheit der Niederländer ihr solche
Sätze abnehmen. Sie hat den Wahlspruch des Hauses Oranien-Nassau: “Je
maintiendrai” (zu Deutsch: “Ich werde standhalten”) als Leitmotiv für
sich und ihre Rolle als Staatsoberhaupt verstanden. So wird es auch
unter Willem-Alexander sein. Dies nötigt den Niederländern Respekt
ab, die “ihr” Königshaus trotz mancher Kritik als identitätsstiftend
empfinden. Nebenbei produziert das Haus Oranje prächtige Bilder,
deren Wirkung sich auch deutsche Touristen nicht entziehen können.
Auf eine auch künftig herzliche republikanisch-königliche
Nachbarschaft!

Pressekontakt:
Neue Westfälische
News Desk
Telefon: 0521 555 271
nachrichten@neue-westfaelische.de

veröffentlicht von am 30. Apr 2013. gespeichert unter Allgemein. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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