Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar „Döner-Morde“ ist das Unwort des Jahres Treffende Wahl und Mahnung STEFAN BRAMS





Stellen wir uns einmal für einen Moment vor, in
der Türkei wären über mehrere Jahre hinweg deutschstämmige
Ladenbesitzer ermordet worden. Stellen wir uns weiterhin vor, diese
Taten wären in der Türkei als „Bratwurst-Morde“ betitelt worden. Die
Empörung bei uns – gerade auch der Boulevard-Medien – dürfte groß
gewesen sein. Umso verräterischer ist es, dass hierzulande kaum
jemand zögerte, die bis Ende vergangenen Jahres unaufgeklärte
Mordserie an acht Türken und einem Griechen verharmlosend,
menschenverachtend und letztendlich wie wir heute wissen, den wahren
Tathintergrund geradezu grotesk verschleiernd, als „Döner-Morde“ zu
bezeichnen. Der griffige, aber diskriminierende Begriff, wurde völlig
unreflektiert gebraucht – von Behörden, Medien und auch vielen
Bürgern. Die Sprachjury hat daher gestern sehr zu Recht, diese
rassistische Entgleisung zum „Unwort des Jahres“ gewählt und auch uns
selbst daran erinnert, vorsichtiger mit der Sprache umzugehen und
mehr nachzudenken, ehe wir mal wieder griffig und flott formulieren –
und so nicht nur sprachlich Schaden anrichten.

Pressekontakt:
Neue Westfälische
News Desk
Telefon: 0521 555 271
nachrichten@neue-westfaelische.de

veröffentlicht von am 17. Jan 2012. gespeichert unter Allgemein. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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