Neue OZ: Kommentar zur Auswahl für die UNESCO-Liste





Kraft der Zivilisation

UNESCO-Liste: Das klingt nach letztgültiger Auswahl. Tatsächlich
verhält es sich mit dieser Bestenliste jedoch wie mit jedem Kanon –
er folgt dem Zeitgeist. Vermeintlich stabile Maßstäbe erweisen sich
als überraschend flexibel. Sie spiegeln damit, wie sich Bewertungen
im Lauf der Zeit verschoben haben.

Künstlerische Spitzenleistungen interessieren die UNESCO
jedenfalls nicht mehr vorrangig. Auf die Liste schaffen es nun vor
allem Orte, die kollektive Anstrengungen dokumentieren – und Stätten,
die verstörende Erinnerungen bewahren. Straflager und Handelsweg:
Zwischen diesen Polen spannt sich das Kulturverständnis auf, das die
aktuelle Auswahl gesteuert hat.

Unter dem Eindruck von Krisen und Kriegen wächst der Bedarf an
einer Erinnerung, mit der bedrängende Erfahrungen bewältigt werden
können. Zugleich kommt Kultur als zivilisierende Kraft in den Blick.
Mehr als ästhetische Glanzleistung zählt, was das Leben der Menschen
als Gemeinschaftsprojekt geprägt hat. Die neuen UNESCO-Stätten zeigen
Kultur, wie sie heute oft gesehen wird: als Arbeit an einem Netzwerk.

Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

Telefon: 0541/310 207

veröffentlicht von am 2. Aug 2010. gespeichert unter Allgemein. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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