Neue OZ: Kommentar zu Weiwei-Ausstellung





Morsches Konstrukt

Der Baum sieht gewaltig aus, aber er besteht nur aus lauter
Stückwerk. Verdorrt ist er obendrein auch noch. Ai Weiweis Kunstwerk
für Berlin kann mit Blick auf China als Symbol eines nach außen
mächtigen, nach innen aber abgestorbenen Staates gelesen werden. Oder
sehen wir in dem wackeligen Nachbau vitaler Natur ein Zeichen für den
Zustand einer auswärtigen Kulturpolitik Deutschlands, die das Gute
will und doch nur Fragwürdigkeiten produziert?

Der fatale Kontrast zwischen dem pompösen Staatsakt für die
Ausstellung in Peking und der Weiwei-Präsentation, die in Berlin nun
ohne Künstler auskommen muss, entzieht aller Beschwichtigung die
Grundlage. Das Konstrukt einer Politik, die Kultur zum Vehikel der
Kommunikation auf staatlicher Ebene machen möchte, steht
diskreditiert da. Oder um im Bild des Baumes zu bleiben; Die ganze
Sache ist morsch, von der Wurzel bis zur Krone.

Positiv nur, dass nun über die Frage gestritten wird, ob es einen
wirklichen Kulturdialog im Raum der Unfreiheit geben kann. Die
Ausstellung zur Aufklärung muss weiterlaufen. Eine Neuauflage
verdient ein solches Großformat hingegen nicht. Wichtiger ist ohnehin
die Frage: Wo ist Ai Weiwei? An der Antwort bemisst sich alles
Weitere.

Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

Telefon: 0541/310 207

veröffentlicht von am 28. Apr 2011. gespeichert unter Allgemein. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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