Neue OZ: Kommentar zu Nobelpreis / Literatur / Llosa





Futter für den Bandwurm

Wie einen immer hungrigen Bandwurm, auf den der Befallene alles in
seinem Leben ausrichten muss: So beschrieb Mario Vargas Llosa einmal
die Berufung zum Schriftsteller – unappetitlich, aber einleuchtend.
Seit Jahrzehnten entdeckt der diesjährige Literaturnobelpreisträger
sich und sein Schreiben immer wieder neu, er füttert den Bandwurm mit
gleichbleibender Leidenschaft.

Mit seinen Werken will er die Wirklichkeit verstehen helfen – und
sich gegen sie auflehnen. Dabei ging es für ihn vorrangig um die
lateinamerikanischen Diktaturen, aber immer auch um die Unfreiheit
von Menschen überhaupt. Er verkörpert damit selbst den Typ
Schriftsteller, für dessen Fortbestand er nachdrücklich eintritt: den
engagierten, sich einmischenden, furchtlosen. Er hat sich deshalb
schon selbst als Dinosaurier bezeichnet, umgeben von Autoren, die
nichts wollen, als zu unterhalten. Nicht dass Vargas Llosa nicht
unterhalten wollte. Oder könnte. Im Gegenteil: Die Unterhaltung ist
für ihn Teil eines Gesamtkunstwerks.

Vargas Llosa hat sehr viel für die Literatur und mit der Literatur
geleistet. Die Entscheidung, ihm den Nobelpreis zu geben, ist genau
richtig. Ganz egal, ob eins der Motive dafür eventuell auch die lange
Wartezeit Lateinamerikas war. Zumal dieser Lateinamerikaner
zusätzlich ein eingefleischter Europäer ist.

Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

Telefon: 0541/310 207

veröffentlicht von am 7. Okt 2010. gespeichert unter Allgemein. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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