Neue OZ: Kommentar zu Kirche / Lutherbibel





Luther bewegt sich – die Telekom nicht!

Es verlockt, die beiden Meldungen gegeneinander auszuspielen: hier
die Luther-Bibel, die trotz ihrer kanonischen Bedeutung für das
Deutsche überarbeitet wird. Dort die Telefongesellschaft, die bei
aller Kritik an Nonsens-Anglizismen festhält. Luther bewegt sich, die
Telekom nicht!

Tatsächlich haben die Nachrichten vor allem eines gemeinsam: Sie
zeugen von der Sensibilität, mit der hierzulande auf Sprache geachtet
wird. Das zeigt sich in der Eile, mit der die EKD schon vorab
beschwichtigt: Außer Anpassungen an den Forschungsstand wird an
Luthers Deutsch nicht rumgebessert! Es zeigt sich auch in der Wut von
Sprachschützern – und Kunden – über scheußliches Marketing-Deutsch.

Und es stimmt ja: Man kann darüber lachen, dass kaum ein
Telekom-Kunde weiß, was eine Desktop Solution ist. Der beleidigte
Tonfall, mit dem der Verein Deutsche Sprache sich wieder beschwert,
ist allerdings überflüssig. Jede Firma darf so schlecht sprechen, wie
sie will. Unsereins darf den Telefonanbieter wechseln – und die Sache
mit Humor sehen. Ratschlag an die Telekom: Macht es wie Luther und
schaut doch auch mal den Leuten aufs Maul. Ratschlag an die
Sprachpuristen: Beruhigt euch, Freunde. Das Telefonbuch ist nicht
Gottes Wort.

Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

Telefon: 0541/310 207

veröffentlicht von am 14. Jul 2010. gespeichert unter Allgemein. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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