NDR Recherche: Immer weniger Frauen in der norddeutschen Politik





Frauen bleiben in der norddeutschen Politik stark
unterrepräsentiert. Ihr Anteil ist in allen fünf norddeutschen
Landtagen nach den jüngsten Wahlen zurückgegangen. Nach Recherchen
des Politikmagazins “Panorama 3” im NDR Fernsehen sind im Schnitt in
Norddeutschland nur 31,8 Prozent der Landtagsabgeordneten weiblich.
Am niedrigsten ist der Frauenanteil auf Landesebene in
Mecklenburg-Vorpommern (25,4 Prozent), am höchsten in der Hamburger
Bürgerschaft (38,0 Prozent). “Panorama 3” hat für ganz
Norddeutschland den Anteil der Frauen in Landtagen, Kreistagen und
Städtevertretungen sowie Bürgermeisterämtern ausgewertet.

Die Recherchen zeigen zudem, dass auf Kreisebene in Niedersachsen,
Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein im Schnitt nur 27,1
Prozent Frauen vertreten sind. Bei den Bürgermeistern der Städte und
Gemeinden ist der Frauenanteil noch geringer: In
Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen liegt
der Anteil der weiblichen Bürgermeister nach “Panorama 3”-Recherche
bei lediglich 16,8 Prozent.

“In der Gleichstellungspolitik ging es immer langsamer voran”,
sagt die neue niedersächsische Ministerin für Soziales, Gesundheit
und Gleichstellung Carola Reimann (SPD), “aber jetzt haben wir zum
ersten Mal die Situation, dass es rückwärts geht. Das ist schon
alarmierend.” Reimann ist eine von vier Frauen im neuen Kabinett von
Ministerpräsident Stephan Weil. “Dinge, die maßgeblich von Frauen
vorangetrieben worden sind, finden dann nicht so stark Beachtung,
wenn zu viele Männer im Parlament sind”, sagt Reimann. Themen wie die
Lohngerechtigkeit zwischen den Geschlechtern oder die Vereinbarkeit
von Beruf und Familie könnten auf der Agenda nach unten rutschen.

Parität wird in keinem der untersuchten Landesparlamente,
Kreistage oder Stadtvertretungen erreicht. Besonders niedrig ist der
Frauenanteil in den niedersächsischen Kreistagen Wesermarsch (14,0
Prozent), Vechta (14,6 Prozent) und Uelzen (16,3 Prozent). Besonders
viele Frauen sitzen im Rat der Stadt Osnabrück. Dort sind 43,1
Prozent der Räte weiblich, norddeutschlandweit der höchste Wert. Die
Ratsvorsitzende Eva Maria Westermann (CDU) erklärt im Interview mit
“Panorama 3”, dass das Engagement der Frau noch immer entscheidend
sei. Als Westermann selbst zwischen Familie, Politik und Beruf wählen
musste, hat sie ihren Beruf aufgegeben. “Ich hatte Angst, dass ich
neben Beruf und diesem großen Ehrenamt meine Familie, auch meine
Kinder, vernachlässigt hätte”, sagt Westermann.

Reporter von “Panorama 3” haben für die Erhebung alle
norddeutschen Landtage angefragt. Für die Landkreise und kreisfreien
Städte wurden die Angaben ihrer Internetseiten ausgewertet. Die
Analyse der Bürgermeister (hauptamtlich und ehrenamtlich) basiert auf
Angaben der Landkreise. Bei kreisfreien Städten wurden die
Oberbürgermeister/Ersten Bürgermeister ausgewertet.

Mehr zum Thema in der Sendung “Panorama 3”, Dienstag, 28.
November, um 21.15 Uhr im NDR Fernsehen und bei www.panorama3.de.

Pressekontakt:
Norddeutscher Rundfunk
Presse und Information
Iris Bents
Tel.: 040/4156-2304

http://www.ndr.de
https://twitter.com/NDRpresse

Original-Content von: NDR Norddeutscher Rundfunk, übermittelt durch news aktuell

veröffentlicht von am 28. Nov 2017. gespeichert unter Medien/Unterhaltung. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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