Müller: Seltsame Gleichgültigkeit zwischen Deutschen und Franzosen





Müller: Seltsame Gleichgültigkeit zwischen Deutschen und
Franzosen

Chef des Picasso-Museums Münster sieht Nachbarländer entfremdet

Osnabrück. Zweifel an der Reformfähigkeit Frankreichs hat der Direktor des
Münsteraner Kunstmuseums Pablo Picasso, Markus Müller, geäußert. “Das Paradoxe
ist, dass man den Eindruck haben kann, dass Frankreich nicht reformierbar ist.
Vielen Franzosen sind diese Probleme bewusst, auch die Notwendigkeit, länger
arbeiten zu müssen und später in Rente gehen zu dürfen”, kommentierte Müller in
einem Interview mit der “Neuen Osnabrücker Zeitung” die Proteste der Gelbwesten
und die Demonstrationen gegen die Rentenreform des französischen Präsidenten
Emmanuel Macron. Dabei äußerte Müller Verständnis für die seiner Meinung nach
eigentliche Bedeutung der Massenproteste. “Es geht eher um eine Revolte gegen
eine elitäre Führungsschicht und deren Stil der Kommunikation. Im Hintergrund
steht die Abneigung gegen die Verwaltungshierarchie und eine Elite, die die
Bedürfnisse der Menschen und deren soziale Nöte gar nicht kennt”, sagte Müller
weiter zu den Protesten.

Der Kunsthistoriker konstatierte weiter im Verhältnis der Deutschen und
Franzosen ein zunehmendes Desinteresse für das jeweils andere Land. “Ich sehe
eine schwindende Zahl von Jugendlichen und Studierenden, die sich vital für
Frankreich interessieren. Ich weiß nicht, woher diese Indifferenz kommt.
Womöglich liegt eine Gefahr darin, dass Frankreich oft als ein Museumsland
wahrgenommen wird, das mit kulturellen Gipfelleistungen punktet”, analysierte
der Museumschef, der über exzellente Kontakte in die französische Kulturszene
verfügt und zuletzt den französischen Multimillionär und Kunstsammler François
Pinault bei seinen Ankäufen beriet. “Umgekehrt sehe ich kein sehr lebendiges
Verhältnis der Franzosen zu uns. In der französischen Presse werden wir immer
als die unbeliebten Musterschüler Europas gesehen”, sagte Müller. Er sehe eine
“seltsame Gleichgültigkeit” zwischen Deutschen und Franzosen.

Zugleich empfiehlt Markus Müller den Deutschen, sich kulturell weiter an den
Franzosen zu orientieren. Das gelte vor allem für die Alltagskultur. “Die
Franzosen gestalten ihren Alltag ästhetischer als die Deutschen, ihr Leben ist
von einem gewissen Sinn für Schönheit geprägt. Das fängt bei der
Wohnungseinrichtung an und geht bis zur Esskultur. Kultur ist in Frankreich
weiter gefasst als bei uns. Sie ist kein Reservat, auch nicht museal. Auch das
eigene Haus ist Kultur”, beschrieb Müller die Rolle der Kultur im Alltag der
Franzosen. Der Museumschef hob zugleich das besondere Verhältnis der Franzosen
zu ihrer Geschichte hervor. “Sie haben keinen Bruch mit ihrer Geschichte. Sie
sind stolz auf Tradition und Historie, von der sie sich ableiten. Sie ruhen
damit mehr in sich”, zog der Münsteraner Museumschef den Vergleich mit
Deutschland und den Deutschen.

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veröffentlicht von am 22. Feb 2020. gespeichert unter Allgemein. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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