Lillian Bassman & Paul Himmel Die erste Retrospektive





Das Werk von Lillian Bassman besticht durch beeindruckende Eleganz und Stilsicherheit. Als langjährige Art Direktorin bei Junior Bazaar, dem jungen Ableger von Harper–s Bazaar, hat sie in den 1940er Jahren maßgeblich das Layout der Zeitschrift geprägt. Als Modefotografin entwickelte sie einen einzigartigen Stil: Durch immer neue experimentelle fotografische Verfahren gab sie ihren Bildern einen besonderen Schmelz, der eine malerische Anmutung in die Schwarzweiß-Aufnahmen einfließen ließ. In ihre atmosphärisch aufgeladenen Inszenierungen bevorzugte sie einen für die damalige Zeit außergewöhnlichen Frauentypus – langgliedrige, schwanengleiche Ikonen der Weiblichkeit. „Was sie macht, hat eine geradezu magische Kraft. In der Geschichte der Fotografie ist es niemand anderem gelungen, diesen atemberaubenden Moment zwischen der Erscheinung der Dinge und ihrem Verschwinden sichtbar zu machen.“ sagte einmal ihr Kollege Richard Avedon. Nach dem Auffinden ihrer verloren geglaubten Negative bestärkte Martin Harrison Lillian erneut darin ihre alten Aufnahmen zu arbeiten. Durch die Möglichkeit digitaler Techniken interpretiert sie ihre Bilder neu, manipuliert und lässt sie neu abziehen. In den 1990er Jahren entdeckten Modedesigner wie John Galliano und Art Direktoren ihre Arbeiten wieder und beauftragte die bereits über 70-jährige mit Modeaufnahmen.

Auch Paul Himmels Werk ist geprägt von einer großen Experimentierfreude. Zunächst arbeitete er für Vogue, Junior Bazaar, Harper–s Bazaar und viele andere Magazine als Modefotograf. Doch sein Interesse in der Fotografie galt vor allem der Bewegung. Fotografiegeschichte geschrieben haben seine Aufnahmen vom New York City Ballet aus den 1950er Jahren, in denen Tanz nicht in Standbildern, sondern in fließenden Bewegungsstudien festgehalten wurden. Das Werk von Paul Himmel entwickelte sich in den darauf folgenden Jahren immer stärker zur freien Kunst. Die oft radikalen Experimente mit Über- und Langzeitbelichtungen waren ihrer Zeit bald derartig voraus, dass er keine kommerziellen Auftraggeber mehr fand. Er beendete seine fotografische Karriere bereits 1969 und wurde erfolgreicher Psychotherapeut. Bekannt wurde er durch die Teilnahme an der von Edward Steichen kuratierten, weltberühmten Wanderausstellung „The Family of Man“, die 1955 im Museum of Modern Art in New York gestartet wurde und auf deren Einladungskarte ein Werk von Paul Himmel, nämlich das so genannte „Botticelli Girl“, zu sehen war.

„Lillian Bassman und Paul Himmel sind ein einzigartiges Künstlerehepaar voller produktiver Paradoxien und kreativer Spannungen. Eine starke Unabhängigkeit in der Arbeit jedes Einzelnen steht neben einer engen künstlerischen Beziehung und der gegenseitigen kreativen Beeinflussung“, so der Kurator Ingo Taubhorn.

Die von Ingo Taubhorn (Haus der Photographie) und Brigitte Woischnik (Foto Factory) unter Mitarbeit von Jana Duda kuratierte Werkschau stellt weltweit erstmalig mit rund 400 Exponaten das Lebenswerk dieser beiden Künstler vor.

Der Kehrer Verlag, Heidelberg, begleitet das Projekt mit einem umfangreichen Buch in Deutsch und Englisch (Preis 48,- Euro).
Eine Edition von Lillian Bassman und Paul Himmel erscheint zur Ausstellung.

veröffentlicht von am 7. Jan 2010. gespeichert unter Museen. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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