Kurz: Keine Asylprüfung in Anlandungszentren in Nordafrika





Der österreichische Bundeskanzler Kurz hat sich
dagegen ausgesprochen, dass Flüchtlinge in den von der EU geplanten
Anlandungszentren in Afrika Asyl beantragen können. „Aus meiner Sicht
ist es kein sonderlich ehrlicher Weg, wenn wir als Europäer so tun,
als könnte jeder in Zukunft auch in Drittstaaten einen Antrag für
Asyl stellen“, sagte Kurz im Interview mit dem ARD-Europamagazin
(WDR). Österreich übernimmt am Sonntag für sechs Monate die
Ratspräsidentschaft der EU.

Bei ihrem Gipfel in Brüssel hatte die EU sich dafür ausgesprochen,
wenn möglich sogenannte Anlandungszentren in Nordafrika zu schaffen.
Dorthin sollen aus Seenot gerettete Flüchtlinge gebracht werden. In
den Zentren soll die individuelle Situation der Flüchtlinge geprüft
werden – darauf, wer schutzbedürftig ist und wer nicht.

Kurz ist sich bewusst, dass seine ablehnende Position in der EU
nicht überall geteilt wird: „Im Moment geht die Reise in die
Richtung, dass man sagt: Ja, jeder kann dann dort einen Asylantrag
stellen. Ich weiß nicht, ob das der ehrlichste Weg ist. Aber wenn das
der Kompromiss auf europäischer Ebene ist, dann ist das noch immer
viel besser als das System, das wir heute haben.“

Diese grundsätzliche Möglichkeit auf Asyl hält Kurz für falsch: Er
argumentiert im ARD-Interview, dass derzeit 68 Millionen Menschen auf
der Flucht seien. „Europa wird nicht all diese 68 Millionen Menschen
aufnehmen können. Ich halte den Zugang für ehrlicher, dass wir sagen:
Wir nehmen mit Resettlement-Programmen so viele auf wie wir können.
Und wir wählen ganz besonders schutzbedürftige Menschen aus. Das ist
ehrlicher, als wenn wir jetzt den Eindruck erwecken, dass man in
Afrika in Zukunft an Botschaften oder in Anlandezentren oder wo auch
immer Anträge stellen kann. Und dann kann jeder nach Europa kommen.“
Eine Zahl, wie viele Flüchtlinge Europa jährlich aufnehmen kann,
wollte Kurz nicht nennen.

Auch gesunkene Flüchtlingszahlen sind noch zu hoch

Kritik, dass die angespannte politische Lage in keinem Verhältnis
zu den um über 90 Prozent niedrigeren Flüchtlingszahlen verglichen
mit 2015 steht, wies Kurz zurück: „Natürlich war 2015 ein
Katastrophenjahr. Wenn man alles mit 2015 vergleicht, dann werden die
Zahlen hoffentlich immer niedrig sein. Aber sie können trotzdem noch
zu hoch sein. (…) In Österreich kommen jetzt jede Woche noch immer
ein paar hundert Menschen an. Das ist eine ganze Schule jede Woche –
in einem kleinen Land von acht Millionen Einwohnern. Da kann man
nicht davon sprechen, dass die Zahlen niedrig sind.“

Warnung vor Kettenreaktion durch deutsche Grenzschließung

Mit Blick auf den Streit in Deutschland um die geplante
Rückweisung von bereits in anderen Ländern registrierten Flüchtlingen
reagierte Kurz mit den Worten: „Dies wäre ein großes Ereignis, weil
so etwas natürlich eine Kettenreaktion auslöst“. Er kündigte
Gegenreaktionen von Österreich an, das dann wahrscheinlich seine
Grenze zu Italien schließen würde: „Wir würden natürlich im
Gleichklang mit Deutschland agieren, auch um unser Land zu schützen
und um sicherzustellen dass es hier zu keinen Nachteilen für
Österreich kommt. Und das würde natürlich eine Dynamik in ganz Europa
auslösen.“ Beim EU-Gipfel in Brüssel hatte auch Ratspräsident Tusk
vor „chaotischen Grenzschließungen gewarnt.“

Das vollständige Interview von Markus Preiß, Leiter des
ARD-Studios Brüssel, sehen Sie am Sonntag, 1.7.2018, um 12.45 Uhr im
Europamagazin (Das Erste).

Pressekontakt:
WDR Pressedesk
Tel. 0221 220 7100
wdrpressedesk@wdr.de

Original-Content von: ARD Das Erste, übermittelt durch news aktuell

veröffentlicht von am 29. Jun 2018. gespeichert unter Medien/Unterhaltung. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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