Kulturpolitische Verantwortung





870 Künstler aus ganz Deutschland haben sich mit insgesamt 2.100 Arbeiten für den 28. Kunstpreis der Stiftung Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen beworben. Die sechsköpfige Jury hatte die Qual der Wahl und entschied sich nach mehreren Durchläufen für 74 Werke, die in der Kreissparkasse Kirchheim bis 18. Juli zu sehen sind.

Die Qualität der Malereien, Zeichnungen und Grafiken zum Thema „Zitieren, variieren, modifizieren“ war so hoch, dass sowohl der Hauptpreis in Höhe von 5.000 Euro als auch der Förderpreis (2.500 Euro) gesplittet wurden. Erstmals durfte auch das Publikum im Rahmen der Ausstellungseröffnung einen Preis vergeben. Die Einbeziehung der Öffentlichkeit ist eine der Neuerungen des Kunstpreises der Kreissparkasse, der seit den 70-er Jahren vergeben wird. Die Auszeichnung gehört, laut Vorstandsvorsitzender Franz Scholz, zu den ältesten und traditionsreichsten Kunstpreisen in Deutschland. Nun hat die Kreissparkasse die Ausschreibung modernisiert. Die künstlerischen Arbeiten wurden digital und online eingereicht. Die Reduktion auf 74 Werke war ein „Mordsgeschäft“, wie Kurator und Jury-Mitglied Tobias Wall bei der Vernissage betonte. Man habe es sich nicht leicht gemacht. Schließlich sei die Verleihung eines Kunstpreises eine wichtige Möglichkeit, kulturpolitische Verantwortung zu übernehmen.

Die Expertenrunde vergab den Hauptpreis an Susanne von Bülows „Shoppingmelancholie III“ und an Xianwei Zhu für sein Werk „Kreidefelsen an C. D. Friedrich“. Wie Rodins Denker ist die junge Frau im roten Kleid auf einem Hocker niedergesunken und stützt erschöpft den Kopf mit der einen Hand, in der anderen hält sie eine große blaue Einkaufstüte. Trivialisieren und entschleunigen wolle sie durch ihre Bilder, erklärt von Bülow. Für Wall ist es „ein sehr anrührendes Sinnbild für die Tragik des Konsumzeitalters, für die Leere, die reiner Konsum hinterlässt“. Besonders bemerkenswert findet der Kurator, dass sich mit Xinwei Zhu ein chinesischer Künstler einem bekannten Gemälde eines der „berühmtesten und vielleicht deutschesten Künstler“ angenommen hat. Er übersetzte Caspar David Friedrichs Kreidefelsen mit Roboter und Panzer auf ungewöhnliche Weise in moderne Malerei.

Auch Förderpreisträger Dennis Otto bezieht sich mit „L.H.O.O.Q. 2014“ auf das Bild eines großen deutschen Malers, auf die „Kerze“ von Gerhard Richter. Otto nahm dem Werk, das als Ikone zeitgenössischer Malerei gilt, das Pathos, in dem er Lisa Simpson einfügte. Der Star der amerikanischen Zeichentrickserie „Die Simpsons“, zündet sich an der berühmten Kerze genüsslich eine Zigarette an, im Gesicht ein Bärtchen, das wiederum aus Marcel Duchamps Parodie auf Leonardo da Vincis Mona Lisa stammt. Otto: „Richters Bild funktioniert trotzdem. Es ist so gut. Man kriegt es nicht klein.“ Mit Otto teilt sich David Borgmann den Förderpreis, den er für „Classics (Flowers)“ bekam. Auf einer gemalten XL-Schallplatte ist ein naturalistisches Blumenstillleben zu sehen in der Manier der niederländischen Maler oder der Leydener Feinmaler, wie Wall ausführt. Auch hier eine ironische Brechung durch den sonderbaren Untergrund, ein veraltetes Massenmedium: „Ein virtuoses Spiel mit der Wahrnehmung.“

Für den Publikumspreis im Wert von 1.000 Euro gaben 194 Besucher ihre Stimmen ab. Die meisten erhielt Edite Grinberga aus Berlin für ihr Werk „Eck mit Blättern“. Vom 27. Mai bis 18. Juli kann die Kunstpreis-Ausstellung in der Galerie der Kreissparkasse in Kirchheim, Alleenstraße 160, besichtigt werden. Die Öffnungszeiten der Ausstellung sind Montag bis Freitag zwischen 9 und 13 Uhr sowie zwischen 14 und 17 Uhr.

veröffentlicht von am 30. Mai 2014. gespeichert unter Allgemein. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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