Korruptionsverdacht bei Kühne&Nagel – bayerische Firma erhebt schwere Vorwürfe





Die bayerische Firma Chromo-Möbel GmbH hat schwere
Vorwürfe gegen die norddeutsche Speditionsfirma Kühne & Nagel
erhoben. Diese habe Chromo über Jahre um rund 1,9 Millionen Euro
gebracht, um damit einen Zwischenhändler in Hongkong zu schmieren,
der Kühne & Nagel Aufträge von Chromo sichern sollte. Die Sendung
„Menschen und Schlagzeilen“ beleuchtet den Fall am Dienstag, 13.
September, um 21.15 Uhr im NDR Fernsehen.

Kühne & Nagel habe Schmiergeld generiert, indem überhöhte
Rechnungen an Chromo gestellt worden seien. „Dieses Geld haben sie
dann benutzt, um einen Verbindungsmann in Hongkong so zu schmieren,
damit er auch weitere Geschäfte der Firma Chromo nur noch mit Kühne &
Nagel machte“, so Reiner Fuellmich, der Chromo als Rechtsanwalt
vertritt, in der Sendung „Menschen und Schlagzeilen“.

Der Möbelvertrieb aus Bayern erhebt deshalb den Vorwurf, aufgrund
der überhöhten Rechnungen für den Transport von Möbeln aus China nach
Deutschland im Zeitraum von 1994 bis 2001 durch Kühne & Nagel
systematisch geschädigt worden zu sein. Vor dem Landgericht Hamburg
begann am Montag, 12. September, ein Zivilprozess, in dem die Firma
Chromo Schadenersatz von Kühne & Nagel einklagen will. Weder Kühne &
Nagel noch der ehemalige Zwischenhändler wollten sich gegenüber
„Menschen und Schlagzeilen“ zu den Vorwürfen äußern. In der
Zivilklageerwiderung bezeichnet das Speditionsunternehmen die
Zahlungen als „Rabatte“, es habe sich nicht um Schmiergeld gehandelt.

Laut Korruptionsexperte Wolfgang Schaupensteiner sind überhöhte
Rechnungen ein klassisches Vorgehen bei Korruption: „Man vereinbart
einen Preis, der über dem Marktpreis liegt, also über dem Preis, den
man im normalen ordnungsgemäßen Wettbewerb erzielt. Das ist der so
genannte Bruttopreis. Diese Differenz zwischen dem Marktpreis und dem
vereinbarten Bruttopreis, das ist in der Regel das Schmiergeld.“

Dass Chromo von dem Speditionsunternehmen rund 1,9 Millionen Euro
zu viel abgerechnet wurden, belegen sowohl interne Revisionsberichte
von Kühne & Nagel, die dem NDR vorliegen, als auch staatsanwaltliche
Ermittlungen. Wohin das Geld tatsächlich floss, lässt sich bislang
allerdings nicht belegen.

Fakt ist jedoch, dass die Staatsanwaltschaft Hof bereits in dem
Fall ermittelt hat. Zunächst gegen den ehemaligen
Chromo-Geschäftsführer Thomas Launer wegen Untreue. Der
Zwischenhändler hatte angegeben, er habe den Erlös aus den überhöhten
Rechnungen bar an Launer weitergegeben. Allerdings konnte Launer nie
nachgewiesen werden, dass er das Schmiergeld bekommen hat. Das
Verfahren gegen Launer wurde 2009 wegen geringer Schuld und gegen
Leistung von Sozialstunden eingestellt.

Gegen Kühne & Nagel oder den Zwischenhändler ist bislang
allerdings nie ermittelt worden. Auf Nachfrage von „Menschen und
Schlagzeilen“ bei der Staatsanwaltschaft Hof, warum nicht, teilte die
Staatsanwaltschaft mit, man sei nicht zuständig gewesen, da sich die
Vorgänge in Asien abgespielt hätten. Sowohl Rechtsanwalt Fuellmich
als auch der Korruptionsexperte Schaupensteiner betonen allerdings,
dass es sich bei Korruptionstatbeständen um Offizialdelikte handele,
das heißt: „Wenn es Hinweise auf Korruption, Geldwäsche, Untreue oder
Betrug gibt, dann muss die Staatsanwaltschaft von Amts wegen tätig
werden“, so Schaupensteiner.

Rückfragen an Redaktion „Menschen und Schlagzeilen“, Christina
Hofmeier, 040/4156-4785.

Pressekontakt:
NDR Norddeutscher Rundfunk
Presse und Information
Telefon: 040 / 4156 – 2300
Fax: 040 / 4156 – 2199
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veröffentlicht von am 13. Sep 2011. gespeichert unter Fernsehen, Medien/Unterhaltung. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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