Kinostart mit Prädikat für Daniel Brühl in DIE AUGEN DES ENGELS/“Besonders wertvoll“ für MEIN HERZ TANZT und das Debüt AGNIESZKA





Seit dem Jahr 2007 bewegt der Mord an der jungen
britischen Studentin Meredith Kercher in Italien die Gemüter – und
vor allem die Medien. Ihre Bekannte, die US-Amerikanerin Amanda Knox,
galt lange Zeit als eine der Hauptverdächtigen und wurde von den
Medien abwechselnd als schuldig, dann wieder als unschuldig vermutet.
Bis heute ist der Fall nicht aufgeklärt. Auch Michael Winterbottom
widmet sich in seinem neuesten Film DIE AUGEN DES ENGELS (Start: 21.
Mai) dem Kriminalfall, doch setzt er mit dem Fall nur den Rahmen für
eine fiktive Geschichte über einen Drehbuchautoren, gespielt von
Daniel Brühl. Dieser reist nach Italien, um sich von dem Fall für
eine eigene Geschichte inspirieren zu lassen. Die fünfköpfige
FBW-Jury verlieh dem Film das Prädikat „wertvoll“. Ein Auszug aus der
Begründung: „Als Gedankenexperiment und Essay über die Unmöglichkeit
der Suche nach der Wahrheit hält der Film einige bemerkenswerte
Szenen bereit, die den Zuschauer auch lange nach dem Ende des Films
noch beschäftigen werden.“ Eyads Vater glaubt zwar an die
Unabhängigkeit der Palästinenser in Israel. Doch vor allem will er,
dass sein Sohn die beste Ausbildung erhält. Also schickt er ihn auf
eine Schule in Jerusalem. Dort entdeckt Eyad die wahre Bedeutung von
Freundschaft und findet die erste große Liebe. Doch er muss auch
erkennen, dass manche Konflikte einfach unüberwindbar erscheinen. In
seinem Spielfilm MEIN HERZ TANZT (Start: 21. Mai), der auf dem Roman
„Dancing Arabs“ von Sayed Kashua basiert, behandelt Regisseur Eran
Riklis sein Thema auf sensible und sehr persönliche Weise. Für die
Expertenrunde der FBW gelingt dem Regisseur damit ein
„außergewöhnlicher Film über Grenzgänge, der mit unverhofftem Schwung
und Leichtigkeit, aber gänzlich ohne Pathos, vom schwierigen
Verhältnis von Palästinensern und Israelis erzählt.“ Zudem lobte die
Jury die „liebevoll entwickelten Charaktere“ in dem Film voller „Herz
und Humor“. Sie vergab das höchste Prädikat „besonders wertvoll“. In
seinem Debütfilm, dem Sozialdrama AGNIESZKA (Start 28. Mai), erzählt
Jungregisseur Tomasz E. Rudzik von einer starken Frau, die, nachdem
sie fünf Jahre lang im Gefängnis in Polen inhaftiert war, nun in
Deutschland neu beginnen will und muss. Wie sie dann als Domina bei
einer „Madame“ in München anheuert, sich in einen wesentlich jüngeren
Mann verliebt und langsam lernt, ein Selbstbewusstsein zu entwickeln,
dass alles wird „authentisch und mit einer fast dokumentarischen
Präzision“ dargestellt, so die FBW-Jury. Sie verlieh dem
beeindruckenden Debütfilm das Prädikat „besonders wertvoll“ und hebt
in ihrem Gutachten unter anderem die hervorragenden Leistungen des
Drehbuchs und der überzeugenden Darsteller, allen voran Karolina
Gorczyca als Agnieszka, lobend hervor. Mehr Informationen zu
aktuellen und kommenden FBW-Empfehlungen unter
www.fbw-filmbewertung.com.

Prädikatsfilme vom 21. bis 28. Mai 2015

Die Augen des Engels

Spielfilm, Drama. Großbritannien 2014.

Der junge Regisseur Thomas Lang ist überzeugt davon, in dem
aufsehenerregenden, schlagzeilenträchtigen Mord an einer jungen
britischen Studentin seinen nächsten Filmstoff gefunden zu haben. Er
ist erst seit ein paar Tagen im italienischen Siena und hat bereits
unzählige Versionen des berüchtigten Falls gehört. Sei es von der
amerikanischen Journalistin Simone Ford, die den Prozess mitverfolgt
und ein Buch über das Verbrechen geschrieben hat oder dem
zwielichtigen Blogger Edoardo, der vorgibt, wichtige
Hintergrundinformationen im Hinblick auf den wahren Hergang der Tat
beschaffen zu können. Schließlich weiß er nach kurzer Zeit schon
nicht mehr, wem er noch glauben soll. Je mehr sich Thomas in den Fall
vertieft, desto mehr verliert er sich darin und desto weniger ist ihm
klar, wovon sein Film eigentlich handeln soll. Er hinterfragt dabei
seine eigenen Motive und verliert das Vertrauen in sich und sein
Können – bis er eines Nachts der Studentin Melanie begegnet… Als
äußeren Erzählrahmen für seinen neuen Film wählte der preisgekrönte
Regisseur Michael Winterbottom den berüchtigten Kriminalfall rund um
Amanda Knox und Meredith Kercher. Wer Kercher umgebracht hat und ob
Amanda Knox darin verwickelt war, ist bis heute nicht geklärt.
Winterbottom entschied sich daher für einen äußerst spannenden
Ansatz: Anstatt wild über ein befriedigendes Urteil zu spekulieren,
macht er sich bzw. das Alter Ego Thomas Lang zum Protagonisten des
Films. So wandelt DIE AUGEN DES ENGELS auch weniger auf den Spuren
eines klassischen Thrillers, sondern ist eher eine selbstreflexive
Seelenschau eines Künstlers in der Krise. Daniel Brühl knüpft dabei
nahtlos an seine internationalen Rollen an. Seine Thomas-Lang-Figur
ist ein kreativer Sinnsuchender, der die Lust am Konventionellen
verloren hat und sich immer weiter in den labyrinthischen, dunklen
Gassen Sienas verliert. Das Drehbuch verknüpft geschickt sein
Abtauchen in die brodelnde Nachtwelt lose mit Dantes „Göttlicher
Komödie“. Durch das Verweben der realen Sensationsstory mit der
eigenen Sicht auf die Krisen eines Künstlers gelingt Michael
Winterbottom ein überraschend vielschichtiger Film.

http://www.fbw-filmbewertung.com/film/die_augen_des_engels

Mein Herz tanzt

Spielfilm, Drama. Deutschland, Frankreich, Israel 2014.

Eyad ist Palästinenser in Israel. Sein Vater glaubt an die
Unabhängigkeit seines Volkes, will aber auch, dass die Schulbildung
seines hochintelligenten und begabten Sohnes an erster Stelle steht.
Und so kommt Eyad Ende der 1980er Jahre auf eine Eliteschule in
Jerusalem. Dort ist er als Araber ein Außenseiter und findet nur
schwer Kontakt zu seinen Mitschülern. Nur Naomi, ein israelisches
Mädchen, findet Gefallen an seiner ruhigen Art. Und auch dem im
Rollstuhl sitzenden Yonatan ist es egal, was oder wer Eyad eigentlich
ist. Doch für Eyad selbst wird es immer schwieriger, den Drahtseilakt
zwischen den Kulturen, Religionen und politischen Ansichten
auszubalancieren. Und dabei nicht sich selbst zu verlieren. Zu Beginn
des Films von Eran Riklis, der auf dem Roman „Dancing Arabs“ von
Sayed Kashua basiert, ist die Stimmung noch von kindlich-heiterem
Spaß geprägt. Interkulturelle Missverständnisse zwischen
Palästinensern und Isrealis gehören zum Alltag in Eyads Heimatdorf.
Je erwachsener Eyad wird, desto komplexer und dramatischer gestalten
sich allerdings die Schwierigkeiten. Glaubwürdig verkörpert Tawfeek
Barhum dabei einen jungen Mann, der innerhalb der politischen Unruhen
seine eigene Position im Leben sucht und dabei mit mancher Hürde
konfrontiert wird. Sämtliche Charaktere sind mit liebevollem
Einfühlungsvermögen gezeichnet, fern von Klischees oder
Abziehbildern. Auch die Schauspielführung durch die Regie sowie die
Dialoge und die beeindruckende Kameraarbeit wirken sensibel und klug
durchdacht. Dem Zuschauer wird es leicht gemacht, jede Position im
Film nachvollziehen zu können, um sich dann seine eigene Meinung zu
bilden. Wie nebenbei und zwischen den Zeilen vermittelt sich auch ein
geschichtlicher Exkurs über den jahrzehntelangen Konflikt zwischen
Israel und Palästina, die auch heute noch ungelöst besteht. In erster
Linie aber ist MEIN HERZ TANZT ein angenehm ruhig erzählter und
berührender Film mit vielen kleinen wahrhaftigen Momenten und
Erkenntnissen. Ein Film über Freundschaft, Respekt, das
Erwachsenwerden und das Finden der eigenen Stimme und Identität.

http://www.fbw-filmbewertung.com/film/mein_herz_tanzt

Agnieszka

Spielfilm, Drama. Deutschland 2014.

Fünf Jahre hat Agnieszka im Gefängnis in Polen verbracht. In
diesen Jahren hat sie gelernt, hart zu sein, ihre Gefühle zu
unterdrücken und sich durchzuschlagen. An ihrem ersten Tag in
Freiheit kehrt sie zurück nach Hause, stiehlt dem schlafenden Vater
Geld, nimmt Rache an dem, der sie verraten hat und verspricht ihrem
Bruder, ihn bald zu sich zu holen. Dann steigt sie in einen Bus und
fährt nach Deutschland. In München begegnet sie „Madame“. Die ältere
Dame betreibt einen Domina-Escort-Service. Agnieszka braucht Arbeit
und Madame nimmt sie unter ihre Fittiche. Doch eines Tages lernt sie
den 16-jährigen Manuel kennen, der sich in sie verliebt. Agnieszkas
zunehmend inniges Verhältnis zu ihm gefällt Madame überhaupt nicht.
Und als dann noch ein Kunde eine Grenze überschreitet, beschließt
Agnieszka, dass es Zeit ist, selbst eine Grenze zu ziehen. Sobald
sich zu Beginn des Films die Gefängnistore öffnen und Karolina
Gorczyca als Agnieszka zu sehen ist, ist der Zuschauer gefangen von
ihrem charismatischen Wesen. Den ganzen Film hindurch spricht sie
wenig, kommuniziert mehr mit Gesten, ihrer Mimik und ihrer Haltung.
Man spürt die innere Anspannung der Figur und die Konflikte, die sie
mit sich herumträgt. Eingehüllt in Jacke, Mütze und eine steinerne
Miene, bewegt sich Agnieszka in München, wo sie sich nach und nach
Madame öffnet. Hildegard Schmahl verkörpert diese dunkle, fast
dämonische Diva mit Größe und starkem Ausdruck. Wie zwei Raubtiere im
Ring umkreisen sich die beiden Figuren in kammerartig inszenierten
Szenen. Herausragend die Kameraarbeit, die sowohl enge Räume als die
Leere der Großstadt zeigt. Mit AGNIESZKA als seinem zweiten
abendfüllenden Spielfilm ist Regisseur Tomasz E. Rudzik ein
unglaublich spannendes und bewegendes Drama gelungen, in dessen
Zentrum das kraftvolle und beeindruckende Spiel von Karolina Gorczyca
steht. Ihre Darstellung als Agnieszka wirkt im Betrachter auch nach
Filmende lange nach. Ein starker Film.

http://www.fbw-filmbewertung.com/film/agnieszka

Pressekontakt:
Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)
Schloss Biebrich Rheingaustraße 140
65203 Wiesbaden

Tel: 0611/ 96 60 04 -18
Fax: 0611/ 96 60 04 -11
info@fbw-filmbewertung.com
www.fbw-filmbewertung.com

veröffentlicht von am 19. Mai 2015. gespeichert unter Allgemein. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

Rückmeldung hinterlassen

Archiv

Bilder Galerie

Anmelden | Copyright by LayerMedia

Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de Blog Top Liste - by TopBlogs.de