Jacques Gassmanns monumentaler Apokalypse- Zyklus im barocken Stift Haug zu Würzburg





Der Künstler Jacques Gassmann hat sich von 1988-1992 mit dem Text, der für ihn „einen Umgang mit Angst“ beschreibt, beschäftigt. „Angst als ein sensibilisierendes Element in uns, welches die Sinne erweckt: Reflexe und Reaktionen, Achtsamkeit, intensives Bewusstsein. Die Apokalypse stellt für mich schlussendlich die konsequente Frage unseres Glaubens. Sich fallen lassen, uns aufgeben, das macht uns Angst.“ So durchziehen Schreckensvisionen das ganze Buch der Offenbarung wie ein dunkler Rhythmus und doch ist die Offenbarung des Johannes kein Buch mit Weissagungen über das Ende der Welt. „Sie ist vielmehr ein Trostbuch für die jetzt unter der Übermacht der Systeme Leidenden“, meint der lutherische Theologe Konrad Raiser.
Monumentale Zyklen der Apokalypse sind in der Kunst des Abendlandes rar.
Gassmann ist einer der wenigen Künstler, der sich diesem Thema gewidmet hat. Daher ist sein Zyklus in Folge der Bamberger Apokalypse, der Apokalypse Albrecht Dürers und Max Beckmanns zu nennen. Im Rahmen eines Arbeitsstipendiums der Hanns-Lilje-Stiftung hat der damals 26-Jährige eine „geladene Herausforderung“ gesehen, „den Zyklus der Apokalypse von seiner Funktion als Textvorlage zu befreien, um ihn auf eine sinnliche, vielschichtige Ebene zu übertragen, die den Betrachter direkt einbezieht und sicherlich auch mit seiner Direktheit provoziert. Positiv oder negativ – in der Wirkung passiert das entscheidende Moment, dass der Betrachter eine Position einnehmen muss.“ Gassmann hat in seinen Gemälden bewusst auf eine deutliche Darstellung von Personen, Orten oder Gegenständen verzichtet, um mit jedem Bild immer wieder daran zu erinnern, dass es sich um eine Vision handelt, welche sehr minutiös Symbolik, Assoziation, Komplexität benutzt und aneinanderreiht. Gemalt hat er sein Werk mit spezieller Farbpigmenttusche. Unvorstellbar ist es für ihn, die Apokalypse in Öl oder ähnlichen materiellen Stoffen zu malen.
In den letzten 20 Jahren war der Zyklus schon in zahlreichen europäischen Städten zu sehen,
hier seien beispielsweise Strasbourg, Genf, Hannover, Stockholm, Rotterdam, Karlsruhe und Braunschweig aufgeführt.
Das Stift Haug bietet Gassmanns Apokalypse ein ganz besonderes Umfeld: So werden seine großflächigen Bilder in einem weiträumigen barocken Kirchenraum zusammen mit dem zehn Meter hohen Kreuzigungs-Gemälde des italienischen Hochrenaissance-Künstlers Tintoretto zu sehen sein.
Während des Ausstellungszeitraums wird es mehrere Termine geben, an denen Jacques Gassmann zusammen mit Künstlern anderer Sparten zu außergewöhnlichen Events einlädt. So konnte er die weltbekannte Komponistin Elena Kats-Chernin gewinnen, mit ihm eine Performance zu geben. Die Solistin Natalia Maria Wojciechowska von der polnischen Nationaloper Warschau wird tanzen während Gassmann malt oder selbst Musik macht. Matthias Neukirch, Schauspieler am Deutschen Theater Berlin, wird eine Lesung halten.
Übrigens befindet sich Stift Haug nur wenige Schritte vom Würzburger Hauptbahnhof entfernt – so können auch Reisende der Deutschen Bahn während ihres Aufenthalts einen apokalyptischen Ausflug wagen…

veröffentlicht von am 28. Aug 2010. gespeichert unter Allgemein, Sonstige. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

Rückmeldung hinterlassen

Archiv

Bilder Galerie

Anmelden | Copyright by LayerMedia

Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de Blog Top Liste - by TopBlogs.de